Wissen

Der Mensch greift wieder ein Quallen gefährlicher als Haie

DAB3707_20120801.jpg2238823523666837815.jpg

Bullenhai, gefangen auf Réunion.

(Foto: AP)

Durch Überfischung dringen Haie zur Nahrungssuche in Gebiete vor, in denen sie bislang kaum wahrgenommen wurden. Auch die zunehmende Begeisterung für Wassersportarten wie Surfen könnte ein möglicher Grund dafür sein, dass die Angriffe der Meerestiere zunehmen. Dabei kommen jährlich mehr Menschen durch Quallenbisse ums Leben.

Wer im Indischen Ozean surft, muss nicht nur auf Wind und Wellen aufpassen, sondern sich auch vor Haien hüten. Erst Ende Juli verletzte ein Hai einen Surfer vor der französischen Überseeinsel La Réunion tödlich. Und in Australien riss ein Weißer Hai einen. Nachdem vor der australischen Westküste seit September bereits fünf Menschen durch Haiattacken starben, wird nun über eine Aufhebung des Artenschutzes debattiert. Dabei geben Experten Entwarnung: Durch Haie kommen deutlich weniger Menschen ums Leben als durch andere Tiere - etwa Quallen.

Die International Shark Attack File, die wichtigste Datenbank für Haiangriffe, zählt jedes Jahr 50 bis 100 Attacken der Meeresräuber auf Menschen mit durchschnittlich zehn Todesopfern. "Die Quallen beispielsweise töten jedes Jahr rund hundert Menschen, auch wenn ein weniger spektakulär ist als der eines Hais", sagt der Leiter des ozeanographischen Instituts von Monaco, Robert Calcagno.

Alles ist relativ

100.000 Menschen sterben den Statistiken zufolge jedes Jahr an Schlangenbissen, Skorpione sind für 5000 Todesfälle verantwortlich und Elefanten töten jährlich immerhin 600 Menschen. Doch Haiangriffe, von denen es heute zweimal mehr gibt als noch in den 80er Jahren, werden mit besonderer Aufmerksamkeit registriert. sind es, die Menschen attackieren: der berühmte Weiße Hai, der Tigerhai, der Bullenhai und der Stierkopfhai.

Mensch als Verursacher des Problems

Im Ferienparadies La Réunion vor der ostafrikanischen Küste im Indischen Ozean, wo sich seit einem Jahr die Schreckensmeldungen häufen, geht inzwischen die Angst um. Erst am Montag gaben die Behörden aus "wissenschaftlichen Gründen" rund zwanzig Bullen- und Tigerhaie zum Fang frei.

Experten sehen in der zunehmenden Begeisterung für Wassersportarten wie Surfen einen möglichen Grund dafür, dass die Angriffe der Meerestiere zunehmen. Durch die Überfischung der Meere könnten die Haie zudem zur Nahrungssuche in Gebiete vordringen, in denen ihre spitzen Flossen bisher nicht gesehen wurden.

Gleichgewicht der Unterwasserwelt bedroht

Dabei geht der Hai-Bestand weltweit zurück: 30 bis 70 Millionen Tiere werden jedes Jahr gefangen - vor allem, um die Nachfrage in Asien zu befriedigen. Dort gelten die Haiflossen als Aphrodisiakum. Einige Arten sind sogar vom Aussterben bedroht, was wiederum die Unterwasserwelt aus dem Gleichgewicht zu bringen droht.

"Die Haie sind unerlässlich für das Ökosystem der Meere", sagt der Leiter des Meeresmuseums Nausicaa, Philippe Vallette, im französischen Boulogne-sur-mer. "Wenn sie aussterben, fehlen die größten Meeresräuber, die wiederum die kleineren Räuber unter ihnen fressen", erläutert der Meeresforscher. Um den Menschen die Angst vor den Haien zu nehmen, schlägt Vallette vor, das Verhalten der Tiere erst einmal näher zu erforschen. Auch die Surfer müssten besser darüber informiert werden, welche Tageszeiten oder Wassertrübungen sie besser meiden sollten.

Die Meeresforscherin Catherine Vadon setzt ebenfalls bei den Wassersportlern an. "Befolgen die Surfer die Ratschläge? Kennen sie das Gebiet, auf dem sie surfen?", fragt die Dozentin am Naturhistorischen Museum in Paris. Sie bedauert, dass die Behörden von La Réunion als Reaktion auf die Haiattacken zwanzig Tiere "ausrotten" wollen. "Man muss vernünftiger sein und lernen, mit der Natur umzugehen", fordert Vadon.

Quelle: n-tv.de, Anthony Lucas, AFP

Mehr zum Thema