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Im Nahrungsnetz Quallen sind eine Sackgasse

Quallen fressen große Mengen an tierischem Plankton. Fische haben damit weniger Nahrung zur Verfügung, warnen Forscher. Und nicht nur das: Die Ausscheidungen der Quallen werden von Bakterien zu CO2 abgebaut - eine problematische Sackgasse.

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So schön sie auch aussehen mögen: Quallen tragen nichts zum Nahrungsnetz bei.

(Foto: picture alliance / dpa)

Quallen sind eine Art Sackgasse im Nahrungsnetz. Die Gallert-Tiere fressen große Mengen pflanzliches und tierisches Plankton, das danach zu einem großen Teil aber nicht mehr in die Nahrungskette zurückgelangt, sondern von Bakterien als Kohlendioxid (CO2) freigesetzt wird. Für Fische bleibt damit weniger Nahrung, warnen Forscher um Robert Condon vom Virginia Institute of Marine Science in Gloucester Point. Und das Problem wird ständig größer: Weltweit steigt die Zahl großer Quallen-Blüten. Die Untersuchung ist in den "Proceedings" der US-Akademie der Wissenschaften publiziert.

Ein Beispiel der damit verbundenen Probleme ist die Fischerei in der Beringsee, in der rund die Hälfte des in den USA gefangenen Fisches in Netz geht. Dort vermehrten sich die Quallen seit den 1990er Jahren so stark, dass von der "Schleim-Bank"("The slime bank") die Rede war. Die Glibbertiere kommen in Schwärmen riesiger Größe vor und verstopfen die Maschen der Netze, die daraufhin kaum noch eingeholt werden können. Ähnliches passiert vor Japan, wo sich die riesigen Nomura-Quallen vermehren, sowie im Mittelmeer und in vielen weiteren Seegebieten. Jeremy Jackson von der Scripps Institution sprach angesichts dieser Entwicklung vom "Aufstieg des Schleims" ("The Rise od the Slime").

Quallen vermehren sich rasant

Condon und seine Kollegen untersuchten nun, wie die Quallen ins Nahrungsnetz eingreifen. Sie fressen große Mengen winziger Ruderfußkrebse, das sogenannte tierische Plankton. Dieses Myriadenheer nährt sich seinerseits von Algen. Damit stehen beide Planktongruppen nur noch verringert für Fische zur Verfügung. Mehr noch: Quallen fressen außerdem Fischlarven und -eier, Kleinfische sowie andere Quallen. Und Quallen selbst werden kaum von anderen Tieren gefressen, ihre Ausscheidungen werden von Bakterien letztlich zu CO2 abgebaut. Damit entsteht eine Sackgasse im Nahrungsnetz.

Das Team hatte für seine Arbeit die Rippenqualle Mnemiopsis leidyi ("Seewalnuss") und die Art Chrysaora quinquecirrha untersucht. Beide vermehren sich stark in der Chesapeake Bay, einer riesigen Flussmündung an der Ostküste der USA.

Als Ursachen für die starke Vermehrung der Quallen gelten die Überdüngung der Meere, das Wegfangen großer Raubfische, das Verschleppen von Quallen in neue Gebiete und die Veränderung der Lebensräume unter anderem durch den Klimawandel.

Quelle: n-tv.de, dpa

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