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Auf Nikotin folgt Alkohol Rauchen verführt zu weiterem Drogenkonsum

Raucher kennen das Phänomen: Der Genuss von Alkohol kann das Verlangen nach einer Zigarette kräftig anfeuern. US-Wissenschaftler wollen nun herausgefunden haben, dass die Kausalkette andersherum verläuft. Zumindest bei nikotinsüchtigen Ratten.

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Als wäre Rauchen nicht schon ungesund genug: Wissenschaftler vermuten, dass Nikotin die Lust nach Alkohol steigert.

(Foto: picture alliance / dpa)

Dass Rauchen die Lust auf Alkohol verstärkt, vermuten Wissenschaftler schon lange. US- Forscher haben in einem Versuch mit Ratten nun einen biologischen Grund für diese These gefunden und präsentieren ihn in der Fachzeitschrift "Neuron".

Beim Menschen ist der Zusammenhang von Alkohol- und vorherigem Nikotinkonsum noch nicht konkret bewiesen. In früheren Studien haben Wissenschaftler aber bereits zahlenmäßig belegt, dass Alkoholmissbrauch unter Rauchern rund zehnmal häufiger vorkommt als unter Nichtrauchern. Und wer sich schon in früher Jugend Zigaretten anzündet, hat später ein größeres Risiko, alkoholkrank zu werden – so ein bisher oft beobachtetes Phänomen. Die Frage ist nur: Woran liegt das? Gibt es vielleicht eine gemeinsame pharmakologische Wirkung von Nikotin und Alkohol?

Ausgebremstes Belohnungszentrum

US-Forscher um William Doyon sind genau dieser Frage nun bei Ratten nachgegangen. Nager, die Nikotin ausgesetzt waren, versuchten im Experiment tatsächlich deutlich häufiger aus hingestellten Schälchen mit Alkohol zu trinken als Artgenossen ohne Tabakeinfluss.

Eine Erklärung für dieses Verhalten sehen die Wissenschaftler in der Dopamin-Ausschüttung im Gehirn. Sie steuert unter anderem das Belohnungssystem. Nikotin bremse diese Belohnungswirkung auf der einen Seite aus – und aktiviere auf der anderen Seite zusätzlich noch Stresshormon-Rezeptoren, berichten die Wissenschaftler. Beides steigere die Lust auf die nächste Droge: Alkohol.

Mitautor John Dani schließt nicht aus, dass dieser Mechanismus auch für Menschen gilt. "Junge Leute experimentieren als Teenager gewöhnlich mit Zigaretten", sagt er. "Das könnte möglicherweise eine größere Anfälligkeit für Alkoholmissbrauch im späteren Leben bedeuten." Deshalb plädiert für Prävention im Umgang mit Nikotin – und auch für Entwöhnungsprogramme, wenn Jugendliche bereits rauchen.

Quelle: n-tv.de, dpa

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