Wissen

Kraftwerke heizen mit Rhein ist zu warm

fessenheim.jpg

Die beiden Atomreaktoren in Fessenheim heizen mit rund 4000 MW den Rheinseitenkanal um mehr als zwei Grad auf.

picture-alliance / dpa

Schuld sind vor allem Kraftwerke und Industrie: Das Wasser des Rheins ist nach einer Studie von Umweltschützern viel zu warm. Der Durchschnittswert etwa an der deutsch-niederländischen Grenze liege um drei Grad Celsius über dem natürlichen Niveau, erklärte der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) Rheinland-Pfalz. Der Rheinabschnitt zwischen Mainz und Worms habe die höchsten Wassertemperaturen. Die erhöhten Werte seien vor allem auf das Kühlwasser von Kohle- und Atomkraftwerken entlang des Flusses, zum kleineren Teil aber auch auf den Klimawandel zurückzuführen.

"Die Tage, an denen die Wassertemperatur 23 und 25 Grad Celsius übersteigt, nehmen in den letzten Jahren deutlich zu", heißt es in der Studie in Bezug auf eine niederländische Untersuchung. Der BUND befürchtet deshalb unter anderem negative Folgen für Fische wie den Lachs. Dieser wandere im Sommer flussaufwärts nur bei Temperaturen bis zu 25 Grad. Teilweise werde der Rhein aber 28 Grad warm.

Die Studie fasst nach BUND-Angaben erstmals seit fast 40 Jahren die bislang nur dezentral vorliegenden Behördendaten zur Wärmebelastung des Rheins zusammen. Erstellt hat sie der Freiburger Wissenschaftler Jörg Lange.

Abwärmeabgabe soll helfen

Die Umweltorganisation fordert als Gegenmittel unter anderem eine Abwärmeabgabe. "In Zeiten eines sich rasant beschleunigenden Klimawandels müssen die Abwärmeeinleiter auch über den ökonomischen Hebel gezwungen werden, ihre thermischen Zumutungen gegenüber der Rheinökologie zu vermindern", sagt der stellvertretende Vorsitzende des BUND Rheinland-Pfalz, Heinz Schlapkohl.

Geplante Kohlekraftwerke in Mainz und bei Hanau am Rheinzufluss Main seien "unverantwortlich" und dürften nicht gebaut werden. Bestehende Kraftwerke müssten effizienter werden. "Die Abwärme aller in Deutschland betriebenen Kraftwerke würde ausreichen, um sämtliche Gebäude in der Bundesrepublik zu heizen", sagte Jörg Nitsch vom BUND Hessen.

Absolute Spitzenreiter sind – der Studie zufolge – die beiden Atomreaktoren im elsässischen Fessenheim. Sie besäßen keine Kühltürme und heizten allein mit annähernd 4000 MW das Wasser des Rheinseitenkanals um mehr als zwei Grad auf.

Quelle: n-tv.de, asc/dpa/AFP