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Bakterien gegen Viren Salmonellen als Gen-Taxis

Forscher machen sich die Eigenschaften von Salmonellen zunutze und setzen sie gegen Viruserkrankungen ein. Die Lebensmittelkeime dringen besonders geschickt in Körperzellen ein und können so - mit einem zusätzlichen Gen versehen - Viruserkrankungen bremsen.

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Salmonellen sind als Lebensmittelkeime weit verbreitet. In einem abgeschwächten und für den Menschen ungefährlichen Zustand können sie gegen Viren eingesetzt werden.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

US-Forscher haben Salmonellen gentechnisch zum Kampf gegen Viren aufgerüstet. Die als weit verbreitete Lebensmittelkeime bekannten Bakterien schleusten ein zusätzliches Gen in infizierte Körperzellen und bremsten so die Virusinfektion. Im Tierversuch überlebten Labormäuse dadurch eine Infektion mit dem Cytomegalovirus deutlich länger, wie die Wissenschaftler der Universität von Kalifornien in Berkeley in den "Proceedings" der US-Akademie der Wissenschaften berichten.

"Dies ist die erste Gentherapie gegen eine Virusinfektion zum Schlucken", unterstrich der Bakteriologe Sangwei Lu in einer Mitteilung seiner Universität. Gemeinsam mit dem Virologen Fenyong Liu hatte er einem abgeschwächten, nicht mehr krank machenden Salmonellenstamm ein kleines ringförmiges Gen (Plasmid) zugefügt, das die Bauanleitung für ein virushemmendes Enzym enthält. Diese "RNase P" ist ein sogenanntes Ribozym, das bestimmte Moleküle im RNA-Strang zerschneiden kann. Auf diese Weise inaktiviert es die Gene von Viren, muss dazu aber zunächst in die infizierte Zelle hineinkommen.

Geschickte Salmonellen

Salmonellen sind besonders geschickt darin, in Körperzellen einzudringen. Außerdem überleben sie im menschlichen Verdauungstrakt und können daher geschluckt statt gespritzt werden. Die Forscher wählten daher diese Bakterien als Gen-Taxi für das Plasmid. Nachdem dies erstmal in der Zelle angekommen ist, kann diese das virushemmende Ribozym selbst herstellen. "Es ist das erste Mal, dass jemand erfolgreich Bakterien zur Behandlung einer Virusinfektion künstlich verändert hat", betonte Liu.

Die Forscher gaben ihre aufgerüsteten Salmonellen Labormäusen, die mit dem Cytomegalovirus infiziert waren. Während die Mäuse einer unbehandelten Kontrollgruppe innerhalb von 25 Tagen an der Infektion starben, überlebten Mäuse der Salmonellen-Gruppe mindestens 50 Tage. Zur Kontrolle gaben die Forscher einer dritten infizierten Gruppe denselben Salmonellenstamm, jedoch ohne das zusätzliche hilfreiche Gen. Diese Versuchstiere überlebten nicht länger als die unbehandelten Labormäuse. Die Virenzahl war bei den behandelten Mäusen 400 bis 600 Mal niedriger als bei den Tieren der anderen beiden Gruppen.

Es gebe bereits einen weit verbreiteten abgeschwächten Salmonellen-Impfstamm, der etwa zur Typhusimpfung benutzt werde, betonten die Forscher. Die Sicherheit dieses Stamms für Menschen sei gut dokumentiert. Lu und Liu sehen daher die Chance, mit diesen Gen-Taxis in Zukunft einmal verschiedene Erbanlagen zur Behandlung einer Reihe von Virusinfekten und anderer Krankheiten in die Körperzellen zu schleusen.

Quelle: ntv.de, dpa

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