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Zu viele Immunzellen Schwangere reagieren auf Grippe heftiger

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In der Schwangerschaft sollte man sich viel Ruhe gönnen.

(Foto: imago/Science Photo Library)

Bisher war man davon ausgegangen, dass das Immunsystem von Schwangeren auf Sparflamme läuft. Nun wird man eines Besseren belehrt: Nach einer Infektion mit Grippe-Viren kann es sogar zu einer Überreaktion kommen - manchmal mit tödlichem Ausgang.

Das Immunsystem schwangerer Frauen reagiert auf Grippeviren überraschend heftig. Während Mediziner bisher glaubten, die Körperabwehr werdender Mütter antworte geschwächt auf Infektionen, zeigt eine US-Studie, dass sie stattdessen bei Grippeviren überreagiert. Dies erkläre, warum eine Grippe Schwangeren besonders heftig zusetze, schreiben die Forscher in den "Proceedings" der US-nationalen Akademie der Wissenschaften ("PNAS").

Bisher dachten Mediziner, das Immunsystem sei bei Schwangeren herabreguliert und damit geschwächt. Um das zu prüfen, entnahmen die Forscher um die Immunologin Catherine Blish von der kalifornischen Stanford University 21 Schwangeren und 29 anderen Frauen mehrmals Blut: unmittelbar vor einer Impfung mit inaktiven Grippeviren, sieben Tage später und sechs Wochen nach der Entbindung. Die aus dem Blut isolierten Immunzellen setzten die Forscher im Labor Erregern des Influenza-Stammes H1N1, der als Schweinegrippe bekannt wurde, und der saisonal auftretenden Variante H3N2 aus.

Bluttests im Labor

Im Vergleich zu den anderen Frauen reagierten bei Schwangeren zwei Gruppen weißer Blutkörperchen heftiger auf die Infektion: Natürliche Killerzellen (NK-Zellen) und T-Zellen produzierten verstärkt Zytokine und Chemokine. Diese Signalstoffe verschärfen Entzündungsreaktionen. "Wenn die Chemokin-Werte zu hoch sind, kann das zu viele Immunzellen herbeilocken", wird Blish in einer Mitteilung ihrer Universität zitiert. "In einer Lunge, wo man Raum für Luft braucht, ist das schlecht." Dies könne erklären, warum Schwangere bei Grippewellen verstärkt zu Lungenentzündung neigten, mit mitunter tödlichem Ausgang.

"Das Gesamtergebnis hat uns überrascht", sagt Blish. "Wir wissen jetzt, dass eine schwere Grippe während der Schwangerschaft eine hyperentzündliche Erkrankung ist und kein Zustand der Immunschwäche. Das bedeutet, dass die Grippetherapie bei Schwangeren mehr darauf abzielen sollte, die Immunantwort zu regulieren, als sich um die Vermehrung des Virus zu sorgen."

Am besten impfen lassen

Bislang bekommen grippekranke Schwangere vor allem Medikamente, die die Vermehrung der Viren hemmen sollen. Künftig könne man Wirkstoffe entwickeln, die die Immunreaktion modulieren und Zytokine sowie Chemokine hemmen, schreiben die Wissenschaftler. Sie rät Schwangeren, sich vor Grippekomplikationen zu schützen, indem sie sich impfen lassen.

Eine Schwäche der Studie sei die geringe Zahl der Teilnehmerinnen, räumen die Forscher ein. Ob das Immunsystem Schwangerer auch auf andere Viren so heftig reagiere, müsse noch geprüft werden, betonen sie.

Quelle: ntv.de, jze/dpa