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Nachweis für Trajan-Reiterstatue Sensationelle Funde präsentiert

Funde von Reiterstatuen römischer Kaiser sind nördlich der Alpen extrem selten. In Deutschland gibt es nur drei: Einen in Augsburg und zwei in Hessen. Die Fragmente - ein vergoldeter Pferdekopf und zahlreiche Bronzesplitter - wurden innerhalb eines Jahres gefunden.

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Das Mähnenstück (r) und die Stirnlocke Trajans gehören zu rund 50 Stücken, die im August auf Frankfurter Stadtgebiet gefunden wurden und nach Einschätzung von Fachleuten ein sensationeller archäologischer Nachweis für die Reiterstatue des Kaisers sind.

(Foto: picture alliance / dpa)

Roberto Carelli dachte zunächst an Granatsplitter, als sein Metallsuchgerät auf dem Acker im Frankfurter Stadtteil Niedereschbach anschlug. Was die Denkmalpflege dann am Pfingstberg ans Licht brachte, konnten auch die Fachleute im Archäologischen Museum zunächst nicht glauben: 57 Teile einer römischen Reiterstatue sowie ein kleiner Münz- und Schmuckschatz. Ein Fragment mit Locke verriet: Der Reiter muss Kaiser Trajan sein. "Im Leben eines Archäologen passiert das nur einmal", sagte der stellvertretende Chef des Museums, Peter Fasold, bei der Präsentation der bereits am 22. August gemachten Entdeckung am Donnerstag in Frankfurt.

Dabei hatten die Archäologen des Landes erst Ende August 2009 einen vergoldeten Pferdekopf von einem Reiterstandbild des Kaisers Augustus präsentiert. Die Bedeutung des Funds aus dem mittelhessischen Waldgirmes wurde in der Fachwelt schnell mit der Himmelsscheibe von Nebra und dem Keltenfürsten vom Glauberg auf eine Stufe gestellt. "Wir sind in Hessen mit zwei solchen Funden fast weltweit an der Spitze", jubelte Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) jetzt angesichts der Frankfurter Funde. Anhand der Ausgrabungen beider Standbilder könnten nun in einem gemeinsamen Forschungsprojekt 300 Jahre römische Geschichte in Hessen dokumentiert werden.

Kostbarer Schatz für die Wissenschaft

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Hobby-Archäologe Roberto Carelli hat drei Viertel der Bronzestücke mit seinem Metallsuchgerät geortet. Auf seinen Hinweis hin konnte das Denkmalamt weitere Funde ausgraben.

(Foto: picture alliance / dpa)

Das Standbild aus Waldgirmes stehe für den Beginn der römischen Präsenz unter Kaiser Augustus, der mit seiner Eroberung Germaniens bis zur Elbe die Grundlagen der römischen Präsenz am Rhein geschaffen habe, erläuterte Landesarchäologe Professor Egon Schallmayer. Die Trajanstatue steht für den Kaiser, der die Zivilverwaltung in Hessen begründete. Der vergrabene Münzschatz dokumentiere das Ende der römischen Provinzverwaltung rechts des Rheins.

Die insgesamt 15 Kilogramm schweren Fragmente - das gesamte Standbild soll mehr als 400 Kilo gewogen haben - seien zwar "monetär gesehen Schrott, aus wissenschaftlicher Sicht aber von nahezu unschätzbarem Wert", sagt die Leiterin des Denkmalamts der Stadt, Andrea Hampel. Gefunden wurden sie an einer ehemaligen römischen Hauptstraße in Niedereschbach. Die Fachleute sind schon vor dem Beginn der detaillierten Forschungen überzeugt, dass das Standbild auf dem Marktplatz an einem zentralen Ort gestanden hat und zerschlagen wurde, um mitgenommen und eingeschmolzen zu werden.

Der Schatz lag gut 100 Meter entfernt. Er besteht aus 107 Münzen, zwei Ringen und einer silbernen Scharnierfibel. Die Fachleute um den Numismatiker David Wigg-Wolf halten den Fund für das Hab und Gut eines römischen Soldaten - der Schatz entspreche etwa dem Sold eines Legionärs von eineinhalb Monaten. Die Barschaft sei um 260 n. Chr. vergraben worden, um später in Sicherheit gebracht werden zu können, wurde dann aber nicht mehr abgeholt. Der Grund: Es war die Zeit, als die militärische Grenze des Reichs, der Limes, nach verheerenden Germaneneinfällen geräumt wurde.

Quelle: ntv.de, Ira Schaible, dpa

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