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Nerven stimulieren Stromimpulse helfen bei Migräne

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Quälende Migräne: Oft helfen Kopfschmerztabletten nicht mehr.

(Foto: picture alliance / dpa)

Stromimpulse statt starker Medikamente - für Migränepatienten könnte das eine gute Therapiemöglichkeit sein. Denn Forscher finden heraus, dass elektrische Impulse den Kopfschmerz lindern können.

Gezielte Stromimpulse können einer Studie zufolge gegen Migräne helfen. Die elektrische Stimulation von Nerven unter der Stirn senke die Zahl der Tage mit heftigen Kopfschmerz-Attacken, schreiben belgische Mediziner um Jean Schoenen von der Universität Lüttich im Fachjournal "Neurology".

Die Neurologen testeten die Wirkung von elektrischen Impulsen an etwa 60 Patienten, die an mindestens vier Tagen pro Monat Migräne hatten. Dazu setzten die Mediziner den Teilnehmern drei Monate lang täglich eine Elektrode für 20 Minuten auf die Stirn, um den Nervus supraorbitalis und den Nervus supratrochlearis zu stimulieren. Allerdings bekam nur eine Hälfte der Patienten wirksame Stromimpulse, die übrigen wurden nur zum Schein behandelt.

Ergebnis: Bei der echten Behandlung sank die Zahl der Migräne-Tage von durchschnittlich 6,9 auf 4,8. In der Kontrollgruppe nahm die Häufigkeit der Kopfschmerzen dagegen nicht ab. "Die Ergebnisse ähnelten denen von Medikamenten, die man benutzt, um Migräne vorzubeugen", sagte Erstautor Schoenen laut einer Mitteilung der Zeitschrift. Im Gegensatz zu Arzneimitteln habe das Elektroverfahren aber keine Nebenwirkungen.

Noch viele Fragen offen

Damit könne die tägliche 20-minütige Stimulation eine Alternative zu Medikamenten bieten, schreiben die Forscher. Ob dies auch Patienten mit chronischer Migräne helfe, müsse noch erforscht werden. Offen ist auch, warum die elektrischen Impulse überhaupt einen Effekt haben. Die Forscher verweisen auf eine Studie an gesunden Personen, der zufolge die Stimulation der Stirnnerven beruhigend wirkt. Dies deute darauf hin, dass das Verfahren das Zentrale Nervensystem beeinflusse.

Ähnliche Versuche mit elektrischen Impulsen gegen Kopfschmerzen und Migräne gibt es in Deutschland mit der sogenannten "okzipitalen Nervenstimulation" (ONS). Dabei werden zwei kleine Elektroden im Nacken unter die Haut eingesetzt, um dortige Nerven zu stimulieren.

"Bei der Studie von Schoenen ist sicher der Vorteil, dass keine Operation nötig ist", sagt der Präsident der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft, Andreas Straube. Damit sei die Schwelle zur Nutzung geringer. "Die Daten sind aber noch nicht ausreichend", meint der Neurologe am Klinikum der Universität München. Es sei eine größere Studie mit mehr Patienten nötig.

Quelle: n-tv.de, dpa

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