Wissen

Enormer Anstieg der Windgeschwindigkeiten Stürme auf der Venus werden immer heftiger

11209833.jpg

Die "Venus Express" startete 2005 ins All, um den drittkleinsten Planeten des Sonnensystems zu erkunden.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Neue Erkenntnisse über die Venus verblüffen die Wissenschaftsgemeinde. Die ohnehin heftigen Stürme des Planeten werden zwei Studien zufolge immer stärker. Die Ergebnisse lassen eines der großen Rätsel unseres Sonnensystems noch mysteriöser erscheinen.

Die rasend schnellen Stürme auf dem Planeten Venus nehmen an Geschwindigkeit noch zu. Dieses überraschende Ergebnis hat eine Langzeitbeobachtung mit der europäischen Raumsonde "Venus Express" erbracht. Im Laufe der vergangenen sechs Jahre stieg die Windgeschwindigkeit in den oberen Atmosphärenschichten unseres Nachbarplaneten demnach stark – von bereits bemerkenswerten 300 Kilometern pro Stunde auf noch heftigere rund 400 Kilometer pro Stunde, wie ein Team um Igor Chatunzew  vom Moskauer Weltraumforschungsinstitut im Fachblatt "Icarus" berichtet.

"Das ist ein enormer Anstieg der bereits hohen bekannten Windgeschwindigkeiten in der Atmosphäre", betont Chatunzew in einer Mitteilung der europäischen Raumfahrtagentur Esa, die "Venus Express" betreibt. "So eine große Veränderung ist niemals zuvor auf der Venus beobachtet worden, und wir verstehen noch nicht, wieso dies geschieht." Eine zweite, japanisch geführte Studie im "Journal of Geophysical Research" kommt zu den gleichen Ergebnissen.

Analyse der Wolkenbewegungen

Für die Untersuchung haben die Forscher um Chatunzew die Bewegungen von fast 400.000 Wolken in der hohen Venusatmosphäre analysiert. Über zehn Venusjahre, das sind sechs Erdenjahre, verfolgten sie die Wolkenbewegung in rund 70 Kilometern Höhe in den niedrigen und mittleren Breiten der Venusatmosphäre. "Wir haben Bilder aus 127 Orbits manuell analysiert", berichtet Chatunzew. Nach Esa-Angaben handelt es sich um die bislang detaillierteste Aufzeichnung der Wolkenbewegung in der Venusatmosphäre.

Die Auswertung ergibt nicht nur eine starke Zunahme der durchschnittlichen Windgeschwindigkeit, sondern zeigt auch große Kurzzeitvariationen der lokalen Windgeschwindigkeiten. "Obwohl die Belege eindeutig zeigen, dass die mittleren globalen Windgeschwindigkeiten zugenommen haben, sind weitere Untersuchungen nötig. Um zu erklären, was die verantwortlichen atmosphärischen Zirkulationsmuster antreibt. Und, um die lokalen Veränderungen auf kürzeren Zeitskalen zu erklären", betont "Venus Express"-Projektmanager Håkan Svedhem von der Esa.

Unser Nachbarplanet Venus hüllt sich beständig in dicke, undurchdringliche Wolken. Venus-Stürme rasen oft in nur vier Tagen um den kompletten Planeten und damit viel schneller als die Venus selbst rotiert - ein Venustag ist 243 Erdentage lang. Diese sogenannte Superrotation, bei der sich die Atmosphäre schneller dreht als der Planet, verblüfft Astronomen seit ihrer Entdeckung in den späten 1960er Jahren. "Die atmosphärische Superrotation der Venus ist eines der großen ungelösten Mysterien des Sonnensystems", betont Svedhem. "Diese Ergebnisse lassen sie noch geheimnisvoller erscheinen."

Quelle: ntv.de, dpa

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.