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Donnerstag, 08. Juli 2010

Soziale Traditionen bei Erdmännchen: Tiere stehen gemeinsam auf

Elf Jahre lang beobachten Forscher verschiedene Gruppen von Erdmännchen und können sowohl Langschläfer- als auch Frühaufsteherkolonien entdecken. Der Schlafrhythmus einer Population wird über mehrere Traditionen weitergegeben.

Erdmännchen sind gesellige Tiere.
Erdmännchen sind gesellige Tiere.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Langschläfer oder Frühaufsteher – das ist bei afrikanischen Erdmännchen eine Frage der Gruppentradition. Selbst bei häufiger Durchmischung halten benachbarte Gruppen an ihren Aufsteh- und Schlafrhythmus fest, berichten britische Forscher der Universität Cambridge in den "Proceedings B" der britischen Royal Society. Die Bildung sozialer Traditionen ist bei Tieren – zumindest bei getrennten Populationen – nur sehr schwer von genetischen Faktoren oder möglichen Unterschieden in der Umgebung zu trennen. Alex Thornton und seine Mitarbeiter nutzten für ihre Studie elf Jahre währende Beobachtungen von Erdmännchen (Suricata suricatta) in der Kalahari-Wüste Südafrikas.

Dabei fanden sie 15 Tiergruppen, die nahe beieinander lebten. Doch auch wenn sich ihre Territorien überlappten, blieben die Gruppen durch ihr jeweiliges soziales Zusammenspiel erkennbar. Trotz völlig gleicher Umweltbedingungen hatten diese Nachbargruppen jeweils leicht verschiedene Schafrhythmen – es gab Gruppen notorischer Langschläfer ebenso wie Frühaufsteher oder Mischformen.

Neue Tiere passen sich an

Diese Rhythmen erwiesen sich während der Untersuchungszeit als sehr konstant, obwohl sich inzwischen mehrere Generationen in der Gruppe abwechselten und auch häufig Tiere zwischen den Gruppen wechselten. Und auch die Einwanderer übernahmen schon nach kurzer Zeit das typische Aufstehverhalten in ihrer neuen Gruppe.

Erdmännchen leben in Kolonien mit bis zu dreißig Tieren.
Erdmännchen leben in Kolonien mit bis zu dreißig Tieren.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Die Erdmännchen zeigen damit eine dauerhafte Traditionen, die sozial weitergegeben wird, schreibt Thornton. Sie haben keine eigentliche Ursache, und keine Vorteile außer dem für das Zusammenleben in der Gruppe, ergänzt das Forscherteam. Die Bildung von in der Gruppe weitergegebenen Traditionen gilt als einer der Hauptfaktoren bei der Ausbildung der Kultur beim Menschen und führte letztlich zu allen kulturellen Unterschieden, seien es Kleidersitten oder der Fünf-Uhr-Tee. Die Erdmännchen der Kalahari zeigten, dass auch in ihren Gruppen bereits feine Unterschiede ihre Bedeutung haben.

Quelle: n-tv.de