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Radeln, Klettern, Gewichtheben Training kann zu Orgasmus führen

Auch ohne sexuelle Fantasien kann körperliches Training bei manchen Frauen zum Orgasmus führen. Eine US-Studie befragt erstmals Frauen, die diese Erfahrung bereits gemacht haben. Die Wissenschaftler bestätigen ein Phänomen, das von der Sexualforschung bislang ignoriert wurde.

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Auch Yoga und Joggen gaben manche Frauen als "Orgasmus-Auslöser" an.

(Foto: dapd)

Körperliches Training kann bei Frauen einen Orgamus auslösen. Dieses Phänomen, von dem bisher nur vereinzelt berichtet wurde, finden US-Forscher nun in einer Studie bestätigt. Im englischen Sprachraum wird dieses Phänomen mitunter als "Coregasm" bezeichnet, da es vor allem im Zusammenhang mit Übungen im Unterleibsbereich - gewissermaßen im Körperzentrum - auftritt. Die Studie wurde im US-Journal "Sexual and Relationship Therapy" vorgestellt.

Das Forscherteam um Debbie Herbenick von der Universität Indiana ging der Frage auf den Grund, ob körperliche Betätigung ohne sexuelle Fantasien bei Frauen zu einem Orgasmus führen kann. "Die Übungen, die am häufigsten einen Orgasmus auslösen, sind Unterleibsübungen, Stangen- oder Seilklettern, Radfahren, Spinning und Gewichtheben", fasst Herbenick die Ergebnisse zusammen. Manche Frauen gaben zudem Yoga, Joggen und Wandern als Auslöser an. Die Daten könnten helfen, mehr über die körperlichen Prozesse zu erfahren, die einem weiblichen Orgasmus zugrunde liegen, so Herbenick.

"Kein seltenes Phänomen"

Die Studie wertet Umfragen aus, an denen 370 Frauen im Alter von 18 bis 63 Jahren teilgenommen haben, die bereits entsprechende Erfahrungen gemacht hatten. 124 davon gaben an, schon einmal beim körperlichen Training einen Orgasmus gehabt zu haben. Die restlichen 246 sagten, sie hätten durch die körperliche Betätigung schon einmal sexuelles Vergnügen empfunden. Die meisten Frauen gaben an, bei dem trainingsbedingten Orgasmus weder sexuelle Fantasien gehabt noch an eine Person gedacht zu haben, zu der sie sich hingezogen fühlten.

Die Mechanismen, die hinter einem so ausgelösten Orgasmus stehen, bleiben unklar, erklärt Studienleiterin Herbenick. Sie hoffe, dass in zukünftigen Untersuchungen mehr über die Auslöser festgestellt werden könne – sowohl für den Orgasmus als auch für das sexuelle Vergnügen, das von manchen Frauen beim Training empfunden werde.

Auch wenn über die Abläufe im Körper weiterhin nichts bekannt sei, so könne die Studie doch dazu beitragen, dass Frauen, die ähnliche Empfindungen haben, ihre Erfahrungen eher als normal einordnen könnten, so Herbenick. Denn die Forscherin geht davon aus, dass es sich nicht um Einzelfälle handelt: Es habe nur fünf Wochen gedauert, die 370 Frauen zu finden, die an der Studie teilnahmen. Ein ungewöhnlich kurzer Zeitraum für eine solche Studie. Das spreche dafür, dass es kein seltenes Phänomen ist. "In der Forschung wurde das Phänomen aber in den letzten sechs Jahrzehnten größtenteils ignoriert", sagt Herbenick.

Quelle: n-tv.de, fma

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