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Mit Hilfe der Stammzellen Tuberkulose versteckt sich

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Tuberkulose-Erreger Mycobacterium tuberculosis

(Foto: picture alliance /dpa)

Tuberkulosebakterien können trotz einer Immunreaktion des Wirts unbeschadet im Körper überleben. Forscher finden heraus, dass an den Infektionsort gerufene Stammzellen aus dem Knochenmark weitere Immunantworten des Körpers unterdrücken.

Tuberkulosebakterien rekrutieren Stammzellen aus dem Knochenmark, um sich dauerhaft im Körper einzunisten. Die Stammzellen unterdrücken die Immunantwort des Körpers in ihrer Umgebung und grenzen die Bakterien gleichzeitig im Inneren kleiner Knötchen (Granulome) ein. Das berichten Forscher aus Indien und den USA in den "Proceedings" der US-Akademie der Wissenschaften. Damit böten die Stammzellen einen guten Angriffspunkt für eine neuartige Therapie, die angesichts der zunehmenden Resistenzen der Bakterien gegen die verfügbaren Medikamente dringend benötigt würde.

Rund ein Drittel der Weltbevölkerung ist mit dem Erreger Mycobacterium tuberculosis infiziert. Die meisten Betroffenen entwickeln allerdings keine Symptome, Fachleute sprechen in diesem Fall von einer "latenten Tuberkulose". Dabei werden die Bakterien im Inneren sogenannter Granulome eingeschlossen, das sind Wucherungen des Bindegewebes.

Langsame Vermehrung

Es entsteht eine Art Gleichgewicht, bei dem sich die Tuberkulose-Bakterien nur langsam vermehren und nicht weiter ausbreiten – aber auch nicht vollständig aus dem Körper vertrieben werden. Erst wenn das Immunsystem der Infizierten geschwächt wird, etwa durch eine HIV-Infektion, kann die Tuberkulose ausbrechen.

Die Forscher um Shilpa Raghuvanshi vom International Center for Genetic Engineering and Biotechnology (Neu Delhi/Indien) untersuchten nun genauer, wie es den Bakterien trotz der Immunreaktion des Wirtes gelingt, unbeschadet im Körper zu überdauern. Untersuchungen an Mäusen zeigten, dass bei einer Infektion Stammzellen aus dem Knochenmark an den Infektionsort in Lunge und Milz gerufen werden. Die Stammzellen lagern sich vor allem am Rand der vorhandenen Granulome an. Sie produzieren eine Reihe von Molekülen, die die Immunantwort des Körpers unterdrücken, vor allem das Stickoxid (NO), welches die Aktivierung von T-Zellen hemmt. So entsteht um die Granulome herum eine Art Zone unterdrückter Immunaktivität. Die Bakterien sind zwar im Inneren der Granulome eingesperrt, werden aber durch die unterdrückte Aktivität der T-Zellen auch nicht ganz vernichtet.

Quelle: n-tv.de, dpa

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