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"Rausch" im Darm Vorliebe für Fettiges ist angeboren

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(Foto: picture alliance / dpa)

Forscher finden heraus, dass körpereigene Cannabinoide Lust auf fettes Essen machen. Sie werden nach dem Essen im Dünndarm gebildet und sorgen für eine positive Rückkopplung. Der Körper verlangt dann nach mehr fetthaltiger Nahrung.

Currywurst, Pommes, Chips und Schokolade: Sobald der erste Bissen der fettigen Leckereien im Mund zerkaut ist, signalisiert der Körper: Ich will mehr! Mitverantwortlich für diese angeborene Lust auf Fettes sind unter anderem körpereigene Verwandte des Haschischwirkstoffs, berichten Wissenschaftler in den "Proceedings" der US-Akademie der Wissenschaften. Die sogenannten Endocannabinoide werden nach dem Genuss von fettem Essen im Dünndarm gebildet und fördern in einer Art positiver Rückkopplung die weitere Aufnahme von fetthaltiger Nahrung. Das Endocannabinoid-System biete sich möglicherweise als Angriffspunkt für die Entwicklung von Medikamenten gegen Übergewicht an, schreiben die Forscher.

Die meisten Säugetiere haben eine angeborene Vorliebe für fettige Nahrung. Dies ist in freier Wildbahn durchaus sinnvoll, da in Zeiten knapper Nahrung eine hochkalorische Nahrung das Überleben sichern kann. Heute jedoch wird die angeborene Fettvorliebe vielen Menschen in den reichen Ländern zum Verhängnis: Denn die unbeschränkte Verfügbarkeit solcher Lebensmittel begünstigt Übergewicht sowie Fettleibigkeit und damit einhergehend von Diabetes und Herz-Kreislauferkrankungen. Forschern ist bereits seit längerem bekannt, dass bereits im Mund Geschmackssignale aktiviert werden, die dann die weitere Aufnahme von Fettigem ankurbeln. Wie das geschieht, war aber bisher unklar.

Schmecken, aber nicht verdauen

Nicholas DiPatrizio von der University of California (Irvine, US-Staat Kalifornien) und seine Mitarbeiter untersuchten dieses Phänomen nun genauer an Ratten. Sie fütterten die Tiere, unterbrachen aber die Verbindung vom Magen zum Darm, so dass sie die Nahrung zwar schmecken, aber nicht verdauen konnten. Die Forscher fanden so heraus, dass der Verzehr von fettreicher Nahrung die Produktion von Endocannabinoiden im Darm ankurbelt. Sie hatten den Gehalt von Anandamid und 2-Arachidonoyl-sn-glycerol, kurz 2-AG, gemessen, den beiden am besten untersuchten Endocannabinoiden. Proteinreiche oder an Kohlenhydraten reiche Nahrung allein erzielte diese Wirkung nicht.

Blockierten die Forscher im Darm die Rezeptoren, an die die körpereigenen Cannabinoide normalerweise andocken, nahmen die Ratten weniger fettreiche Nahrung auf. Die Forscher spekulieren, dass Signale im Mund die Produktion der Endocannabinoide im Dünndarm auslösen. Diese binden dann an die Endocannabinoid-Rezeptoren, wodurch die Bildung oder Aktivität von hormonellen Botenstoffen beeinflusst wird. Ein solcher Botenstoff könnte etwa das "Hungerhormon" Ghrelin sein, das an der Steuerung von Appetit und Sättigungsgefühl beteiligt ist.

Medikament gegen Übergewicht?

Wirkstoffe, die die Endocannabinoid-Aktivität im Darm beeinflusst, könnten möglicherweise die Aufnahme von fettreicher Nahrung bremsen und somit als Medikamente gegen Übergewicht und Fettleibigkeit eingesetzt werden, schreiben die Forscher weiter.

Zwischen 2006 und 2008 gab es in Europa unter dem Namen Acomplia bereits ein Medikament, das einen Endocannabinoid-Rezeptor blockiert und als Appetitzügler eingesetzt wurde. Der Wirkstoff führte allerdings in einigen Fällen zu schweren Nebenwirkungen, so dass die Zulassung seither ruht.

Quelle: n-tv.de, dpa

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