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Folge des Klimawandels Waldgrenze verschiebt sich

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Als erste Folge des Klimawandels in den Bergregionen wachsen die Bäume an der Waldgrenze heute deutlich schneller als früher. Die Baumgrenze in den Bergen verschiebe sich bisher noch nicht für den Laien sichtbar nach oben, das schnellere Wachstum sei aber ein erstes Zeichen, sagte der Botaniker und Bergexperte Christian Körner von der Universität Basel im österreichischen Innsbruck in einem Gespräch. Dort endete am Mittwoch eine dreitägige Konferenz von 300 Experten zur Zukunft der europäischen Bergregionen angesichts des Klimawandels.

"Wenn es den Bäumen an ihrer Wachstumsgrenze so gut geht, wäre es für sie auch möglich, sich weiter oben anzusiedeln", sagte Körner. Da Bäume in dieser Höhe aber ziemlich langsam wachsen, werde eine deutliche Verschiebung ihrer Lebensgrenze frühestens in 50 Jahren sichtbar. "Die Baumgrenze hinkt immer ein bis zwei Jahrhunderte dem Klima hinterher."

Neben dem wärmeren Wetter habe aber auch der in hohen Lagen zum Teil erhöhte Schneefall und der Regen mit mehr gelösten Stickstoffverbindungen - die für Pflanzen Dünger sind - starke Auswirkungen auf die Flora in den Bergregionen. "Wenn man nur über die Temperaturen redet, wird man dem Thema nicht gerecht", sagte Körner. Während früher nur etwa ein bis zwei Kilogramm im Regen gelöster Stickstoff auf einen Hektar Fläche pro Jahr gefallen seien, sind es heute nach Schätzungen am Außenrand der Gebirge bis zu 40 Kilogramm pro Hektar.

Das wärmere Wetter und der viele Dünger begünstigen nach Beschreibung des Experten schnell wachsende und anpassungsfähige Wucherpflanzen, während kleinwüchsige, hartnäckige und auf besondere Gegebenheiten spezialisierte Gewächse Probleme bekommen. "Früher haben sie sich einen Lebensraum geteilt, jetzt gibt es Gewinner und Verlierer", sagte Körner. Die krautartigen Pflanzen und das Gras wucherten einfach über die kleinen Spezialisten drüber.

Außerdem vermischten sich die Arten nach jüngsten Forschungen in den Bergen auch mehr. Als Beispiel nennt Körner die Flora in sogenannten Schneetälchen - Flecken, in denen der Schnee lange liegen bleibt. Früher hätten sich dort nur Spezialisten angesiedelt, heute gedeihen dort auch Wiesenpflanzen und Zwergsträucher. "Auf 2500 Metern findet man plötzlich Heidelbeeren." Ausgestorben sei durch die veränderte Umwelt in den Bergen bisher noch keine Pflanze. "Ein Berg ist so zerklüftet, mit hunderten von kleinen Nischen mit ganz verschiedenen Lebensbedingungen, die verhindern, dass Arten komplett verschwinden", erläuterte Körner.

Dennoch sind die veränderte Umwelt und das Verschieben der Baumgrenze in den Bergregionen für viele Pflanzen eine Gefahr, vor allem auf weniger hohen Bergen, etwa in den deutschen Mittelgebirgen, sagte Körner. Wandere die Baumgrenze nach oben, verschöben sich auch die darüber liegenden Lebensräume wie die Zwergstrauchheide oder die alpine Schutt- und Felsflur, in der immer noch hunderte spezialisierte Arten wachsen. "Die sind jedoch nicht auf schnelles Reisen trainiert." Und sei der Berg nicht hoch genug, gebe es für diese Arten einfach keinen Platz mehr, wo sie hinziehen könnten.

Quelle: n-tv.de