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Dritter Corona-Piks Wann kommen die Booster-Impfungen?

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Im Herbst könnten Booster-Impfungen nötig und möglich werden.

(Foto: imago images/Bihlmayerfotografie)

Während immer mehr Menschen die zumeist nötige zweite Gabe eines Corona-Impfstoffs bekommen, werden immer mehr Überlegungen zu einer Drittimpfung laut. Sie soll den Antikörperspiegel hoch und die Mutanten in Schach halten.

Nach der vollständigen Impfung haben die meisten Menschen erst einmal den derzeit maximal möglichen Schutz gegen eine Infektion mit dem Coronavirus und gegen die Erkrankung an Covid-19. Wie lange dieser Schutz anhält, ist aber noch unklar. Zu kurz ist die Zeit, in der Wissenschaftler sich mit dem Coronavirus beschäftigen konnten, und auch der Zeitraum, in dem Impfungen verabreicht werden.

Von anderen Impfstoffen ist jedoch bekannt, dass nach einigen Jahren eine Auffrischung der Immunisierung nötig ist. Bei der Tetanus-Impfung wird beispielsweise für Erwachsene ein sogenannter Booster alle zehn Jahre empfohlen. Mit diesen Auffrischungen wird eine Erinnerungsreaktion des Körpers erzielt, also eine verstärkte und beschleunigte Antwort auf den Erreger. Dabei treten sogenannte Gedächtniszellen in Aktion, die Stoffe aus dem Erreger von den vorhergehenden Impfungen wiedererkennen und viel schneller reagieren, um diese unschädlich zu machen oder zu zerstören.

Ob diese Art der Auffrischung auch für die Corona-Impfung nötig ist und vor allem zu welchem Zeitpunkt, darüber sind sich die Experten noch nicht einig. Jüngste Zahlen aus Israel, wo schon besonders viele Menschen vollständig geimpft sind, zeigen, dass der Schutz gegen eine Infektion in einer Studiengruppe auf 40 Prozent gesunken ist. Gegen den schweren Krankheitsverlauf liegt der Schutz noch immer bei 88 Prozent.

Noch kurz zuvor war man von einem Infektionsschutz von 64 Prozent ausgegangen, aber inzwischen macht wohl die Delta-Variante auch Israel einen Strich durch die Rechnung. Das Land hatte wegen seiner erfolgreichen Impfkampagne die Pandemie-Maßnahmen erheblich zurückgefahren, war fast schon wieder auf dem Normal-Zustand angekommen. Nun mehren sich die Impfdurchbrüche, vor allem ältere Männer und vorerkrankte Menschen erkranken trotz vollständiger Impfung an Covid-19. Offenbar sinkt die Schutzwirkung des Vakzins nach einem halben Jahr unerwartet deutlich. Israel erwägt nun, seiner älteren Bevölkerung eine dritte Impfung mit Biontech Pfizer zu verabreichen, hieß es am Montag aus dem Gesundheitsministerium.

Zügiges Zulassungsprozedere

Das Problem ist, dass das Vakzin von Biontech ebenso wie alle anderen Impfstoffe noch keine Zulassung für die dritte Gabe des Impfstoffs hat. Die Hersteller arbeiten jedoch bereits daran und haben die entsprechenden Zulassungsanträge sowohl bei der US-amerikanischen FDA als auch bei der EMA bereits gestellt. Auf Basis der bisher vorliegenden Daten sei es wahrscheinlich, "dass eine dritte Dosis innerhalb von sechs bis zwölf Monaten nach der vollständigen Impfung erforderlich sein wird", heißt es beispielsweise inzwischen vom Impfstoffhersteller Biontech/Pfizer.

Auch für die Zulassung der Drittimpfung müssen klinische Studien vorgelegt werden, deren Daten die Behörden dann prüfen. Weil es sich aber nicht um eine komplette Neuzulassung handelt, wird mit schnelleren Ergebnissen gerechnet. Mitte Juli fanden es die EMA und auch die Europäische Gesundheitsbehörde ECDC allerdings noch zu früh, um zu bestätigen, ob und wann eine zusätzliche Auffrischdosis für den Corona-Schutz notwendig sei.

Unklar ist auch noch, für welche Altersgruppen die dritte Booster-Gabe empfohlen wird, und welcher Abstand zur Zweitimpfung festgelegt wird. Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (STIKO) Thomas Mertens sagte zuletzt: "Die Daten dazu, wer wann erneut geimpft werden sollte, sind noch etwas unsicher." Bis zum August soll es mehr Klarheit geben.

Alles auf Anfang

Im Zentrum der Überlegungen stehen dabei diejenigen, die auch schon bei den Erstimpfungen Priorität hatten – die Älteren und Vorerkrankten. Die niedersächsische Gesundheitsministerin Daniela Behrens kündigte gerade an, dass Senioren in Alten- und Pflegeeinrichtungen, die zu Jahresbeginn oder im Frühjahr ihre Impfung erhalten hätten, nach Ende des Sommers eine dritte Impfung bekommen sollen. Allerdings machte auch sie die Zulassung zur Bedingung.

Erfahrungen mit Drittimpfungen gibt es bisher nur wenige. Bekommen haben sie vor allem Menschen mit geschwächtem Immunsystem, bei denen die Erst- und Zweitgabe eines bestimmten Impfstoffs nicht zu einer ausreichenden Bildung von Antikörpern geführt hatte. Aus den USA und Frankreich liegen inzwischen Studien mit wenigen immunsupprimierten Teilnehmern vor. Sie zeigen, dass Patienten, die nach zwei Impfstoffgaben keine oder nur wenige Antikörper hatten, nach einer dritten Gabe einen deutlichen Anstieg verzeichneten.

Jüngere und gesunde Menschen werden wahrscheinlich in absehbarer Zeit keine Drittimpfung bekommen, auch wenn sie natürlich im Ausnahmefall ebenso wenige Antikörper haben könnten. Dies ließe sich aber nur in flächendeckenden Screenings erfassen, die aufwändig und teuer wären. Deshalb konzentriert man sich erneut auf die Hochbetagten und die Prio-Gruppe eins.

Die Firmen, die natürlich auch an der Booster-Gabe erneut verdienen würden, geben sich große Mühe, dafür ein verbessertes Vakzin anzubieten. Biontech/Pfizer spricht von "einer aktualisierten Version" des jetzigen Vakzins, "die auf das komplette Spike-Protein der Delta-Variante abzielt". Eine erste Charge wurde den Unternehmensangaben zufolge schon im Mainzer Werk produziert.

Quelle: ntv.de

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