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Junge oder Mädchen Was ist das Christkind?

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Das ist das Christkind, das den Nürnberger Christkindlesmarkt eröffnet hat. Es soll ein Neutrum sein, ist aber eindeutig weiblich.

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"Das Christkind ist natürlich sächlich", sagt Thomas Meiler, Sprecher des weltberühmten Christkindlesmarktes in Nürnberg. Dort verbirgt sich unter dem Kleid allerdings immer ein Mädchen. "Von der Anmutung her mit blonden, goldenen Locken und so weiter war das immer eher für eine weibliche Rolle ausgelegt", meint Meiler.

Also in der Theorie ein Neutrum, in der Praxis ein Mädchen. Halten es die anderen auch so? Britta Töllner, Sprecherin des Christkind-Postamtes in Engelskirchen (Nordrhein-Westfalen), gibt eine andere Antwort: Ja, auch bei ihnen habe das Christkind weibliche Züge, aber "die Geschichte sagt ja eigentlich, dass es sich um das Jesuskind handeln soll".

Die katholische Antwort: ein Zwitter

Letztlich müsste es die katholische Kirche wissen, schließlich beschränkt das Christkind seine Aktivität fast ausschließlich auf katholische Gegenden. Alexander Saberschinsky von der Stabsstelle "Spiritualität und Gottesdienst" des Erzbistums Köln hätte in der Tat nichts dagegen, wenn mit dem Christkind das Christuskind gemeint wäre. Nur sei das eben leider nicht so, sagt er: "Die Gestalt des Christkindes hat eine Eigendynamik entwickelt und ist eher eine mythologische Fantasiegestalt - halb Jesuskind, halb Engelchen, ein androgynes Wesen."

Demnach wäre das Christkind also eine Art Zwitter. Lässt sich das wissenschaftlich erhärten? Die Forschung hat - wie so oft bei Fragen, die Gott und die Welt betreffen - keine eindeutige Antwort parat: "Das Christkind ist geschlechtslos", hat der Weihnachtsforscher und Buchautor Prof. Manfred Becker-Huberti herausgefunden. Seine Argumentation ist denkbar einfach: Niemand hat das Christkind je gesehen, und deshalb kann auch niemand wissen, ob es ein Junge oder ein Mädchen ist. Der Überlieferung zufolge wirkt es im Verborgenen.

Luthers Ersatz für den Nikolaus

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Luther räumte auf mit den Heiligen. Bei ihm hatte der Nikolaus als Geschenkebringer ausgedient.

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Eines steht laut Becker-Huberti fest: Das Christkind ist nicht das Jesuskind, denn das ist zu Weihnachten ja noch ein Baby. Historisch hat sich die ganze Sache so entwickelt: Ursprünglich brachte St. Nikolaus die Geschenke. Martin Luther räumte im Zuge der Reformation jedoch mit den Heiligen auf und benötigte deshalb Ersatz für den beliebten Geschenkebringer.

Sehr strategisch griff er 1535 auf das Christkind zurück, eine Gestalt aus dem Elsass. Das Christkind brachte fortan den Protestanten die Geschenke - bis die vor etwa 100 Jahren den Weihnachtsmann aus Amerika importierten, der wiederum aus St. Nikolaus hervorgegangen war. Daraufhin wurde das Christkind katholisch. Und seitdem ist alles genau umgekehrt: Die Protestanten haben den verweltlichten Nikolaus, die Katholiken das ursprünglich evangelische Christkind.

Zusammengefasst: Ob das Christkind ein Junge oder ein Mädchen ist, weiß man nicht. Oder anders formuliert: Man kann es sich aussuchen.

Quelle: n-tv.de, Christoph Driessen, dpa