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In Farbe, Arznei und Fußbodenbelag Was sind Umwelthormone?

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Untersuchung im Labor: Auch in Kinderspielzeug werden immer wieder gefährliche Umwelthormone entdeckt.

(Foto: picture alliance / dpa)

Als Umwelt- beziehungsweise Xenohormone werden Stoffe bezeichnet, die das empfindliche Hormonsystem von Mensch und Tier nachhaltig stören können. Die natürlichen oder synthetisch hergestellten chemischen Verbindungen befinden sich in der Luft oder auch im Wasser. Viele von ihnen kann man weder sehen, noch schmecken oder riechen. Sie können schon in winzigen Mengen ungewollte Wirkungen in einem Organismus hervorrufen.

Die Stoffe wirken endokrin, das bedeutet von innen auf das Lebewesen ein. Bisher werden rund 50 verschiedene Stoffe als endokrin wirkende Umwelthormone ausgemacht. Je mehr von einem Umwelthormon aufgenommen wird, umso stärker wirkt es. Umwelthormone können beispielsweise zu einer Verweiblichung oder zur Einschränkung der Fortpflanzung führen.

Aus der Tierwelt sind bereits mehrere Phänomene bekannt, die mit Umwelthormonen in Verbindung stehen. So bekamen beispielsweise weibliche Schnecken männliche Geschlechtsorgane, bei bestimmten Fischpopulationen, wie den Rotaugen in englischen Flüssen, kam es zu einem extremen Rückgang der männlichen Tiere.

Ursache für Zivilisationskrankheiten

Zudem werden Umwelthormone dafür verantwortlich gemacht, die Spermienqualität der Männer in den letzten Jahrzehnten erheblich herabgesetzt zu haben. Auch die ständig steigende Zahl von Brust- und Hodenkrebserkrankungen sowie Zivilisationskrankheiten wie Diabetes, Allergien und Asthma werden mit der Wirkung von Umwelthormonen in Verbindung gebracht.

Eines der umstrittenen Umwelthormone ist der synthetisch hergestellte Wirkstoff Ethinylestradiol, der als Bestandteil in der Antibabypille enthalten ist. Das Xenoestrogen gelangt über den Urin der Frauen, die die Pille nehmen, in das Abwasser und entwickelt hier, obwohl in nur ganz geringen Mengen nachweisbar, negative Wirkungen auf den Fischbestand. Die Spermienqualität der Regenbogenforelle, die in Flüssen lebt, hat sich durch das Umwelthormon beispielsweise nachweislich verschlechtert. Außerdem konnten Wissenschaftler eine Verkrümmung der Geschlechtsorgane bei den männlichen Tieren feststellen.

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Seit März 2011 ist Bisphenol A in Babyflaschen in Europa verboten.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Wirkungen der Umwelthormone auf den Menschen sind bisher weitgehend unerforscht und werden unter Experten kontrovers diskutiert. Dennoch rät die Mehrzahl der Forscher zu verhindernden beziehungsweise präventiven Maßnahmen. Vor allem Kinder sollten besonders vor Umwelthormonen geschützt werden, da ihre Organentwicklung noch nicht abgeschlossen ist und sie in der Regel mehr Schadstoffe aufnehmen als Erwachsene. Das europaweite Verbot von Weichmachern in Kinderspielzeugen (2005) und das neueste Verbot der Chemikalie Bisphenol A in Babyflaschen sind nicht ausreichend, um Kinder wirklich zu schützen, kritisieren Umweltschützer.

Quelle: ntv.de

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