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Kernfusions-Forschung "Wendelstein 7-X" geht an den Start

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Unter Befürwortern gilt die Kernfusion als ewiger Energiequell. Doch bis sie wirtschaftlich genutzt werden kann, gehen noch einige Jahrzehnte ins Land.

IPP, Matthias Otte

Das Warten hat ein Ende. 19 Jahre nach dem Antrag zur Errichtung der Anlage startet das Kernfusions-Experiment "Wendelstein 7-X" mit ersten Tests. Das Ziel ist ehrgeizig: Einst soll es gelingen, die Sonne auf die Erde zu holen und so alle Energieprobleme zu lösen.

Der Betrieb des Fusionsexperiments "Wendelstein 7-X" am Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) in Greifswald beginnt. Einen Tag nach der Erteilung der Betriebsgenehmigung soll in dem Vakuumring der Testanlage mit Hilfe einer Mikrowellenheizung ein Helium-Plasma erzeugt werden. Das erste Wasserstoff-Plasma ist für Januar geplant.

In der eine Milliarde Euro teuren Anlage wollen Wissenschaftler die Kernfusion erforschen - analog zu den Prozessen auf der Sonne. Langfristig soll die Kernfusion als Form der Energiegewinnung nutzbar gemacht werden. Dafür ist die Erzeugung von ionisiertem Gas, Plasma genannt, erforderlich. Wenn die Atomkerne dieses Brennstoffs verschmelzen, wird dabei Energie frei. Die kann der Stromerzeugung dienen. So weit allerdings geht es im Greifswalder Institut nicht. Die Fusion von Atomkernen ist dort nicht geplant.

Eines der weltweit größten Experimente

Neben einer Anlage in Japan ist "Wendelstein 7-X" das weltweit größte Fusionsexperiment vom Typ "Stellarator". "Die Erzeugung des Helium-Plasmas ist unsere Generalprobe", sagte Thomas Klinger, Direktor am IPP. Eine Mikrowellenheizung erhitzt dazu in einem Vakuumring das stark verdünnte Helium auf Temperaturen von fünf bis zehn Millionen Grad, damit das Gas ionisiert und in den Plasmazustand übergeht.

Mit Deuterium, einem Wasserstoffisotop, will das Institut frühestens ab 2017 arbeiten. Dabei entsteht in geringen Mengen Radioaktivität. Deshalb seien noch weitere technische Voraussetzungen zu erfüllen, wie Klinger sagte. Das Institut beschäftigt rund 500 Mitarbeiter. Das Projekt wurde von EU, Bund und mit acht Prozent auch vom Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert.

Quelle: n-tv.de, asc/dpa