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Unerwartete Bedrohung Wie Katzen Delfine töten

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Erreger, Chemikalien, Plastik, Medikamentenreste: Meeresbewohner sind zunehmend Belastungen ausgesetzt, die nicht in ihren Lebensraum gehören.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Eigentlich haben sie keinerlei Berührungspunkte: Wo sich Delfine tummeln, gibt es keine Katzen. Und dennoch ist es unseren Haustieren möglich, die Meeresbewohner in Lebensgefahr zu bringen. Forscher verzeichnen einen alarmierenden Trend.

Eines vorab: Es betrifft nicht nur Delfine. Auch Mönchsrobben vor Hawaii und Seebären auf der Pazifikinsel Guadalupe sind bereits Katzen zum Opfer gefallen. Nicht, dass es da direkte Begegnungen oder gar Kämpfe gegeben hätte. Die Attacke funktioniert anders und ist von den Katzen nicht mal beabsichtigt. Wie "Spektrum der Wissenschaft" in diesem Monat berichtet, sind bestimmte Erreger schuld. Seit einigen Jahren verzeichnen Forscher demnach einen alarmierenden Trend: Meeresbewohner erkranken zunehmend an Keimen des Menschen und seiner Nutz- und Haustiere.

Katzen sind Endwirte eines Parasiten, von dem alle schwangeren Frauen hören, die sich ihre vier Wände mit einem Stubentiger teilen: Der Einzeller heißt Toxoplasma gondii, und er kann Toxoplasmose auslösen. Für Kinder im Mutterleib ist das eine Gefahr. Erwachsene hingegen machen oft eine solche Infektion durch, ohne es überhaupt zu bemerken.

Zäher Erreger, fatale Folgen

Toxoplasma gondii findet sich im Kot der Katzen. Der Erreger ist zäh. Im Boden oder Abwasser überlebt er jahrelang. Und er ist weltweit verbreitet – laut "Spektrum" mittlerweile eben auch in den Ozeanen. Die Folgen sind fatal: Bei Meerestieren führt der Parasit dem Bericht zufolge meist zu einer chronischen, schleichenden Erkrankung. Sie schwächt den Organismus zunächst einmal. Doch kommen nun noch andere Belastungen hinzu, seien es verunreinigte Abwässer oder eine weitere Krankheit, schlägt die Toxoplasmose durch. An die Mittelmeerküste gespülte Delfine trugen den Erreger in sich, ebenso Seeotter in Kalifornien und diverse andere Meeressäuger.

Doch wie eigentlich gelangt Toxoplasma gondii in ihren Lebensraum? Für Forscher kommen da, so "Spektrum", zwei Wege in Frage: Unzureichend gereinigte Abwässer aus Klärwerken sind der eine, Starkregen, der die Keime vom Land ins Meer spült, der andere Weg. Und natürlich ist es nicht nur der im Katzenkot befindliche Erreger, der auf diese Weise in den Ozeanen neue Wirte findet. Die Forscher sind auch auf diverse andere Krankheitskeime gestoßen. In einem erschreckenden Ausmaß, so heißt es in dem Bericht, kommen bei den Meerestieren vom Land stammende Erreger vor, die gegen Antibiotika resistent sind.

Auch der Mensch ist bedroht

Das ist ein großes Problem, denn es könnte auf den Menschen zurückfallen: Experten befürchten, dass die Meeressäuger für die Erreger zu Brutstätten werden, in denen sie neue Mutationen hervorbringen. Dann entstehen womöglich Keimvarianten, gegen die man noch keine wirkungsvollen Medikamente hat und die daher auch dem Menschen gefährlich werden könnten. Über die Nahrungskette könnten die Erreger zu den Menschen gelangen - oder ganz einfach über einen Urlaub am Meer.

Um diese Bedrohung zu verringern, wäre eine weltweit gute Reinigung und Filterung von Abwässern, die in Kanäle, Flüsse und Meere geleitet werden, vonnöten. Auch Grünstreifen und Feuchtgebiete zwischen Flüssen und Weideflächen würden helfen. Und es gibt noch eine weitere Maßnahme: Jeder Mensch sollte mit Antibiotika vorsichtig umgehen, sie nur dann einsetzen, wenn sie wirklich nötig sind, und sie keinesfalls über die Toilette entsorgen.

Dass in den letzten Jahren immer mehr vom Land kommende Keime in den Weltmeeren gefunden wurden, kann auch einen ganz banalen Grund haben: Erst in letzter Zeit werden die Tiere überhaupt auf die Erreger untersucht. So ergeben sich automatisch mehr Befunde. Fest steht aber, dass die Meeresbewohner heute ohnehin schon vielen Stressfaktoren ausgesetzt sind, seien es Lärm, Chemikalien, extensive Fischerei mit ungewolltem Beifang oder die Versauerung der Ozeane. Die vom Land kommenden Erreger sind eine zusätzliche Gefahr - in Kombination mit anderen Belastungen auch tödlich.

Quelle: n-tv.de, asc

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