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875.000 Infizierte in Lateinamerika Wie gefährlich ist das Chikungunya-Virus?

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Ein Bild von Anfang November aus Managua in Nicaragua: Mückenbrutstätten werden mit Chemikalien bekämpft. Aktuell meldet das Land mehr als 800 Verdachtsfälle von Chikungunya-Fieber. Gut 60 Fälle wurden dort bislang bestätigt.

(Foto: AP)

Hunderttausende Menschen in Mittel- und Südamerika sind vom Chikungunya-Fieber betroffen. Dabei trat das Virus bislang vorwiegend in anderen Teilen der Welt auf. Wie verbreitet sich die Krankheit? Wie gefährlich ist sie? Kann man sich schützen? Hier die Antworten.

Der Übertragungsweg: Chikungunya-Fieber ist eine Tropenkrankheit. Das entsprechende Virus wird durch Stechmücken übertragen, insbesondere durch Gelbfieber- und Asiatische Tigermücken. Die Insekten nehmen das Virus auf, wenn sie zum Beispiel infizierte Nagetiere oder Affen stechen. Danach können sie es an den Menschen weitergeben. Üblicherweise wird das Virus nicht von Mensch zu Mensch übertragen, in einigen Fällen jedoch erfolgte die Infektion erwiesenermaßen auf diesem Weg.

Die betroffenen Regionen: Verbreitet ist das Chikungunya-Virus in den wärmeren Regionen der Welt, wo die übertragenden Mücken üblicherweise leben. Das ist im südlichen und südöstlichen Asien, auf den Inseln des Indischen Ozeans und in Teilen Afrikas. Seit etwa einem Jahr breitet sich das Virus nun auch auf den Karibikinseln aus. Mittlerweile hat es von dort das amerikanische Festland erreicht. Sowohl in Florida (USA) als auch in allen Staaten Mittel- und Südamerikas sind Fälle von Chikungunya-Fieber aufgetreten. Insgesamt sind dort rund 875.000 Menschen erkrankt. Manche von ihnen waren aus einem betroffenen Gebiet eingereist und dort von einer infizierten Mücke gestochen worden. In Mexiko wurde vergangene Woche erstmals von einem Patienten berichtet, der das Virus nicht importiert hatte. Er infizierte sich vor Ort.

Das Verbreitungsgebiet der Asiatischen Tigermücke wächst. Durch den Klimawandel fühlt sich die Mücke auch in Europa zunehmend wohl. Seit Längerem schon findet man sie in Italien, Spanien und Südfrankreich. Auch in Deutschland ist sie mittlerweile zu Hause: Seit einigen Jahren gibt es sie in Baden-Württemberg und Bayern. Als 2007 bei fast 200 Menschen in Italien das Chikungunya-Fieber diagnostiziert wurde, hatte sich das Virus lokal ausgebreitet. In Deutschland wurden bislang nur importierte Infektionen beobachtet.

Die Symptome: Etwa drei bis zwölf Tage nach dem infizierenden Mückenstich entwickelt sich ein rasch ansteigendes Fieber. Hinzu kommen starke, meist beidseitige Gelenkschmerzen. Die Patienten können sich in der Folge kaum noch aufrecht halten. Daher rührt der Name des Chikungunya-Fiebers: Chikungunya bedeutet in der Sprache der Makonde "der gekrümmt Gehende". Weitere Symptome sind Muskelschmerzen, Kopfschmerzen, eine Bindehautentzündung, punktförmige Hautblutungen und in etwa der Hälfte der Fälle ein Hautausschlag.

Die Behandlung: An Mitteln gegen das Chikungunya-Fieber wurde bislang kaum geforscht. Daher können allenfalls die Symptome gedämpft werden. Das geschieht mit Schmerzmitteln.

Die Heilungschancen: Das Chikungunya-Fieber gilt nicht als lebensgefährliche Erkrankung. Normalerweise klingt es nach etwa ein bis zwei Wochen von selbst ab und hinterlässt keine bleibenden Schäden. In etwa fünf bis zehn Prozent der Fälle allerdings können die Gelenkschmerzen monate- oder gar jahrelang andauern. Komplikationen in Form von Hepatitis, Herzentzündungen, Hirnhautentzündungen oder neurologischen Schäden sind in seltenen Fällen möglich. Dass das Fieber mit Blutungen einhergeht - wie es von Ebola bekannt ist -, geschieht beim Chikungunya-Virus sehr selten. Bei der aktuellen Epidemie in Mittel- und Südamerika sind auf Guadeloupe, Martinique und St. Martin 138 Menschen am Chikungunya-Fieber gestorben.

Die Schutzmaßnahmen: Gegen das Chikungunya-Fieber gibt es noch keinen Impfstoff. Die übertragenden Mücken sind auch tagsüber aktiv. Deswegen gelten langärmelige Shirts und Hosen sowie mückenabweisende Mittel als beste Maßnahmen, um das Risiko, von einer infizierten Mücke gestochen zu werden, zu senken. Nachts schützt man sich am besten mit einem Moskitonetz. In den Epidemiegebieten müssen Mückenbrutstätten im Umfeld von Wohnungen beseitigt werden.

Quelle: ntv.de, asc