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"Ich habe die besten Wörter" Wie sich Trumps Sprache verändert hat

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Donald Trump scheint im seinen Äußerungen sanfter zu werden.

AP

Donald Trump verfehlt im US-Wahlkampf mehr als einmal den guten Ton. Dennoch geht er als Gewinner hervor. Wie sich die Art seiner Äußerungen seitdem verändert hat, untersuchen amerikanische und deutsche Sprachforscher.

Eines der berühmt-berüchtigten Zitate von Donald Trump - und derer gibt es viele - ist dieses: "Ich bin sehr gebildet. Ich kenne Wörter. Ich habe die besten Wörter." Zu diesen Wörtern gehörten im Wahlkampf wüste Beschimpfungen und abwertende Adjektive. Seine Sprache wurde oft als rassistisch oder auch sexistisch beschrieben. So sagte er etwa über mexikanische Einwanderer: "Sie bringen Drogen, sie bringen Kriminalität, sie sind Vergewaltiger, und einige, nehme ich an, sind auch nette Leute."

Seit seinem Sieg bei der US-Präsidentschaftswahl vom 8. November wirkt Trump auf viele etwas gezügelter. Seine aggressiven verbalen Angriffe scheinen zurückgefahren. Aber stimmt der Eindruck? Sprach- und Kommunikationswissenschaftler aus Mainz, Siegen, Mannheim und dem amerikanischen Berkeley haben sich jeweils Interviews, Reden und Tweets von Trump vor und nach dem Wahlsieg des 70-Jährigen angeschaut. Sie meinen: Sein markanter Redestil ist geblieben. Doch die Wortwahl ist jetzt öfter eine andere. Eine Analyse:

Lieblingswörter: Trump sprach vor der Wahl häufig von "wir" und "sie" - Zeichen eines Weltbilds mit scharfen Grenzen zwischen dem Eigenen und dem Fremden. Nach der Wahl stellt er sich mit "ich" massiv selber in den Vordergrund, wie eine Korpusanalyse von Ulrike Schneider, Anke Lensch und Matthias Eitelmann vom Fachbereich Englisch und Linguistik der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz zeigt. In der Rede zur Einwanderung am 31.08.2016 sagt er: "Das Ergebnis ihres Fehlverhaltens war die Freilassung von Tausenden und Tausenden gefährlicher krimineller Ausländer, die nach Hause in ihre Länder hätten geschickt werden sollen. Stattdessen haben wir sie überall." - "Ich denke mein größter Vorteil ist mein Temperament, denn ich habe ein Temperament, mit dem wir gewinnen", ist im Interview in der Sendung "60 Minutes" vom 13.11.2016 zu hören.

Lieblingsthema: Im Wahlkampf ging es Trump um Bedrohung durch Mexikaner und Muslime, um ein ausblutendes Land und eine im Sterben liegende Nation - das sagt die Sprachwissenschaftlerin Elisabeth Wehling, die im kalifornischen Berkeley forscht. Doch schon in der Dankesrede vom 9. November sei es ihm darum gegangen, die Nation zu einen. "Jetzt ist es an der Zeit für Amerika, die Wunden der Trennung zu schließen; wir müssen zusammenfinden. Ich sage zu allen Republikanern und Demokraten und Unabhängigen überall im Land, es ist Zeit für uns, als vereintes Volk zusammenzukommen."

Wertung: Seit der Wahl lobt Trump auch sehr gerne - oder straft krass ab. Dabei gebe er sich wie ein strenger Vater, meint Wehling. Diese Art der Bewertung und Einteilung sei raffiniert, weil Trump so vielen Menschen das Gefühl gebe, er biete Orientierung. "Das Theater muss immer ein sicherer und spezieller Ort sein. Das Ensemble von "Hamilton" war letzte Nacht sehr unhöflich zu einem sehr guten Mann, Mike Pence. Entschuldigt euch!" - Tweet am 19.11.2016, nachdem Darsteller des Musicals "Hamilton" sich an den gewählten Trump-Vize im Publikum gewandt hatten.

Politische Gegner: Hillary Clinton wird von Trump vor der Wahl vergegenständlicht ("Marionette"), entpersonifiziert ("Katastrophe") und bekommt das Adjektiv "korrupt". Nach der Wahl ist sie "Secretary Clinton" und "sehr, sehr stark und sehr intelligent". Das zeigen die Linguistinnen Eva Gredel und Konstanze Marx von der Universität Mannheim auf. "Das ist das Vermächtnis von Hillary Clinton: Tod, Zerstörung, Terrorismus und Schwäche" so Trump auf der Parteiversammlung am 21.07.2016. "Hillary hat sehr lange und sehr hart gearbeitet, über einen langen Zeitraum hinweg, und wir sind ihr großen Dank schuldig für ihren Dienst für unser Land", ist bei seiner Dankesrede zu hören.

Satzlänge: Trump spricht in kurzen, oft sehr kurzen Sätzen, mit den wichtigsten Begriffen am Ende. Das hat sich auch nach dem Wahlsieg nicht geändert, wie die Korpusanalyse der Mainzer Sprachwissenschaftler zeigt. Der durchschnittliche Satz ist nur neun Wörter lang. Übrigens sind auch seine Wörter simpel: Im Schnitt umfasst ein Wort nur vier Buchstaben. "Großartige Menschen. Ich habe so viel von ihnen gelernt. Sie waren wunderbar in jeder Hinsicht. Ich hatte wirklich großartige Eltern" sagte der 70-Jährige ebenfalls bei seiner Dankesrede.

Wiederholungen: Die Reden von Trump sind gespickt mit Wiederholungen. Mit diesen Wörtern oder Phrasen hangele sich Trump gerne an seinem Beitrag entlang, meint Antje Wilton, Professorin für Englische und Angewandte Sprachwissenschaft an der Universität Siegen. Sie kann bei diesem Mittel keinen Unterschied zwischen vor und nach dem Sieg feststellen. "Menschen geben fantastische Karrieren auf, um sich euch Leuten auszusetzen und vielen anderen Leuten auszusetzen. Aber sie geben viel auf. Ich meine, einige geben fantastische Unternehmen auf, um für vier oder vielleicht acht oder wie lange der Zeitraum auch ist, zu sitzen. Aber ich denke, wir werden einiges an fantastischem Talent sehen, fantastisches Talent kommt." - zitiert die "New York Times" vom 23.11.2016 den zukünftigen US-Präsidenten, der über sein Kabinett spricht. Das Wort "tremendous" (fantastisch) kommt sehr häufig vor.

Phrasen: Viele Menschen fühlen sich von Trump direkt angesprochen, weil sie meinen, seine einfache Sprache zu verstehen - dabei benutze Trump wahnsinnig viele Elemente, welche die Sache unspezifisch machen, erklärt Wilton. Sie zählt auf: "Ich denke", "ich meine", "ihr wisst", "also", "seht". Er wirke nur volksnah, direkt und klar, meint Wilton. In dem Interview der "Washington Post" am 02.09.2016 sagte Trump: "Ich meine, das ist ein Problem, für ihn. Aber sehen Sie, er wird das tun, was er tun muss, aber ich denke, ich werde in Ohio sehr gut sein."

Quelle: n-tv.de, Doreen Fiedler, dpa

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