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Auf einer Sommerwiese.
Auf einer Sommerwiese.(Foto: Thomas-Max-Müller, pixelio)
Dienstag, 07. September 2010

Wie sich Pflanzen vor Hitze schützen: Wiesen bringen schnelle Kühlung

Ähnlich wie Menschen versuchen sich auch Pflanzen vor Hitze durch Verdunstung zu schützen. Diesen Effekt untersuchen Experten und stellen fest, dass Wälder zwar langsamer als Wiesen, dafür aber nachhaltiger die Luft kühlen.

Wiesen und Wälder haben einen erheblichen Einfluss auf Hitzewellen. Während Grasland die Wärme kurzfristig mildert, kühlen Wälder die Luft erst mit Verspätung – dafür aber nachhaltig. Das hat die Auswertung von Messungen des Fluxnet-Netzwerks ergeben, das seit rund zehn Jahren in Zentral- und Westeuropa Wetterdaten aufzeichnet. Ein Team um Sonia Seneviratne von der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich stellt seine Analysen im Journal "Nature Geoscience" vor.

Klettert die Temperatur, steigt auch die Verdunstung der Pflanzen. "Weil für die Verdunstung von Wasser Energie aufgewendet werden muss, hat dies einen kühlenden Effekt", erläutert einer der beteiligten Forscher, Georg Wohlfahrt von der Universität Innsbruck. Die Verdunstung von einem Gramm Wasser schluckt etwa 2,5 Kilojoule – damit lässt sich eine 11-Watt-Energiesparlampe immerhin knapp vier Minuten betreiben. Die Pflanzen können diese Verdunstung durch die Kontrolle ihrer Spaltöffnungen steuern.

Bäume sind weniger verschwenderisch

Buchen im Nationalpark "Kellerwald-Edersee" in Hessen.
Buchen im Nationalpark "Kellerwald-Edersee" in Hessen.(Foto: picture alliance / dpa)

Ist es länger heiß, verdunsten Gräser anfangs bis zu doppelt so viel Wasser wie der Wald, zeigt die Untersuchung. Allerdings ist der Wasservorrat der Wiesen sehr viel schneller erschöpft. Dann zahlt sich die weniger verschwenderische Strategie der Bäume aus, die zudem dank ihrer tieferen Wurzeln auf einen größeren Wasservorrat zurückgreifen können. "Oberhalb von Wäldern ist es dann kühler als über dem Grasland", berichtet Wohlfahrt. "Zum Höhepunkt der Hitzewelle 2003 betrug dieser Unterschied in manchen Regionen im Mittel bis zu 3,5 Grad Celsius."

Bedeutung habe diese Analyse auch für die prognostizierte Zunahme von Hitzewellen, betonen die Forscher. "Wir haben festgestellt, dass für die Vegetation – seit wir unsere Messungen 2001 begonnen haben – durch Trockenheit keine Nachteile entstanden sind", erläutert Wohlfahrt. "In Laborversuchen konnten wir jedoch zeigen, dass noch längere und noch heißere Temperaturen nachhaltige Schäden anrichten können."

Quelle: n-tv.de