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Tsunami-Warnung per SMS Zwei Minuten müssen reichen

von Hommy Dara

Sie sind unvergessen, jene Bilder, die rund um den Globus gingen und uns die ganze Macht der Natur zeigten: Der Tsunami vom Zweiten Weihnachtstag 2004. Die damalige Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn investierte rund 50 Millionen Euro in ein deutsches Warnsystem, das vom Geoforschungsinstitut Potsdam geleitet wird. Vorteil: Die Wissenschaftler haben die Möglichkeit, recht schnell an Informationen über See- und Erdbeben zu kommen. Nachteil: Sie können nur offizielle Stellen in den betroffenen Ländern warnen, die dann ihrerseits entscheiden müssen, ob sie die Bevölkerung warnen oder nicht. Tun diese das nicht, sind die Potsdamer machtlos.

Zwei deutsche Wissenschaftler und Investoren entwickelten eine simple, aber effektive Idee. Der Physiker Eduard Heindl und der Psychologe Wolfram Reiners setzen auf eine Technologie, die bereits da ist. "Heutzutage hat fast jeder ein Handy", sagt Reiners, "selbst wenn er keins hat oder es ausgeschaltet ist, dann hat sein Nachbar eins." Die Warnung kommt nämlich per SMS auf das Handy. In Tübingen verarbeitet ein Hochleistungsrechner die seismischen Daten und bewertet die Gefahr eines Tsunamis. Droht eine Flutwelle, sendet das System Warnungen per SMS aus - und das innerhalb von 15 Minuten. "Sollte das Beben in Küstennähe stattgefunden haben, bleiben vielleicht zwei Minuten, aber die reichen, um sich zu retten", so Reiners, der Anfang Oktober Asien besuchte.

Das Warnsystem per SMS gilt als erste deutsche Erfindung, die das Dilemma der mangelhaften Informationsstruktur lösen könnte. Experten warnen seit langem, dass ein so genanntes "stilles Seebeben" (für Menschen nicht spürbar), insbesondere in der Nacht, verheerende Folgen haben kann, weil zu dieser Zeit kaum jemand Radio hört oder fern sieht.

Am 26. Dezember 2004 hatte ein Seebeben der Stärke 9,5 auf der Richterskala einen Tsunami im Indischen Ozean ausgelöst, der mehr als 200.000 Menschen das Leben kostete. Während die Erdbebenwarten in Colorado und Hawaii schnell erkannten wohin die Reise geht, schafften sie es nicht die Behörden zu warnen. Die waren nämlich verwaist. Der Zweite Weihnachtstag ist zwar in Asien kein Feiertag - aber es war damals ein Sonntag.

Quelle: n-tv.de