Wissen

Sieben Monate danach Zweiter Booster erhöht Impfschutz deutlich

Eine Frau zieht eine Dosis des Corona-Impfstoffes von Biontech/Pfizer auf.

Möglicherweise gebe es eine Obergrenze für einen maximalen Antikörperspiegel, schlussfolgern die beteiligten Forschenden.

(Foto: picture alliance/dpa)

Noch immer herrscht Uneinigkeit über den Nutzen einer vierten Corona-Impfung. Die Daten von Forschenden aus Großbritannien zeigen nun, dass sich die Immunantwort damit deutlich steigern lässt. Die Zahl der Antikörper ist sogar höher als nach dem ersten Booster.

Die vierte Dosis eines Covid-19-Impfstoffs führt zu einem sehr guten Immunschutz. Das hat ein britisches Forschungsteam herausgefunden. Die Immunantwort nach einem zweiten Booster kann sogar über den nach einer dritten Dosis erreichten Höhepunkt hinausgehen, geht aus den Ergebnissen einer Studie hervor, die in der Fachzeitschrift "The Lancet" veröffentlicht wurden.

In Großbritannien wird ein zweiter Booster für alle Menschen über 75 Jahre, Bewohnerinnen und Bewohner von Altersheimen und über 12-Jährige mit Immunschwäche angeboten. Die Forschenden des Southampton Biomedical Research Centre untersuchten die Immunantwort von 133 Studienteilnehmenden, die im Durchschnitt sieben Monate nach einer dritten Impfung mit dem Biontech-Wirkstoff eine vierte Corona-Impfung verabreicht bekamen. Ihre zwei vorherigen Dosen hatten die Probandinnen und Probanden entweder mit dem Biontech-Vakzin oder dem Astrazeneca-Impfstoff erhalten.

Die eine Hälfte der Teilnehmenden bekam als vierte Impfung die volle Dosis des Biontech-Vakzins verabreicht, die andere eine halbe Dosis des Herstellers Moderna. Nach 14 Tagen untersuchten die Forschenden die Zahl der Antikörper. Das Ergebnis: Biontech-Geimpfte hatten im Schnitt 1,6-Mal mehr Antikörper als vier Wochen nach dem ersten Booster. Bei der Moderna-Gruppe war der Wert sogar doppelt so hoch.

"Wir haben gezeigt, dass eine vierte Dosis von Covid-19-Impfstoffen sowohl die Antikörper als auch die zelluläre Immunität erheblich steigern kann, wenn wir sie mehr als sechs Monate nach der dritten Dosis verabreichen", sagt Studienleiter Saul Faust.

Übereinstimmung mit Studien aus Israel

Darüber hinaus stieg der Anteil von Antikörpern und T-Zellen verglichen mit dem Tag vor dem zweiten Booster nach zwei Wochen erheblich an. "Unsere Ergebnisse zur Immunogenität stimmen auch mit den wenigen Beobachtungsbelegen zur Wirksamkeit des Impfstoffs aus Israel überein, die auf einen erhöhten Schutz gegen symptomatische Infektionen und schwere Erkrankungen durch eine Auffrischimpfung mit der vierten Dosis hindeuten", schreibt das Team.

Die Forschenden gehen jedoch davon aus, dass die erneute Auffrischung bei Menschen, deren Immunantwort zuvor ohnehin hoch war, nur begrenzt zu einer Steigerung des Impfschutzes führt. Ähnliches gelte für Genesene einer Covid-Infektion, so Faust. "Das deutet darauf hin, dass es möglicherweise eine Obergrenze gibt, einen maximalen Antikörperspiegel mit den Auswirkungen der T-Zell-Antwort", sagt er.

Mehr zum Thema

Für den britischen Gesundheits- und Sozialminister Sajid Javid bestätigte die Studie die Notwendigkeit von Auffrischungsimpfungen. "Dies ist ein weiterer Beweis dafür, wie wichtig es ist, dass sich Menschen für ihre Auffrischung melden, sobald sie berechtigt sind", wird Javid in einer Pressemitteilung zitiert.

In Deutschland empfiehlt die Ständige Impfkomission (STIKO) eine vierte Corona-Impfung für Menschen über 70 Jahren und andere mit besonderem Risiko für eine schwere Erkrankung. Ältere und andere Risikogruppen sollten nicht darauf warten, bis ein an die Omikron-Variante angepasster Impfstoff kommt, sagt der STIKO-Vorsitzende Thomas Mertens.

(Dieser Artikel wurde am Dienstag, 10. Mai 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de, mdi

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen