Frage & Antwort

Frage & Antwort, Nr. 144 Gehirnerschütterung bei Spechten?

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Buntspechte sind die am häufigsten vorkommende Spechtart.

(Foto: picture alliance / dpa)

Mit unglaublicher Geschwindigkeit und Wucht schlagen Spechte auf Baumstämme ein. Das kann doch nicht gesund sein. Warum bekommt ein Specht weder Kopfweh noch Gehirnerschütterung? (fragt Rose M. aus Pforzheim)

Spechte sind ganz besondere Vögel. Der Helmspecht etwa schlägt bis zu 12.000 Mal am Tag mit seinem Schnabel gegen Holz. Durch die Analyse der Klopfgeräusche, die weithin durch den Wald schallen, wenn ein Specht bei der Arbeit ist, haben Forscher herausgefunden: 20 Schläge pro Sekunde sind möglich. Die Geschwindigkeit ist jedoch von Art zu Art unterschiedlich. Ein Kleinspecht mit relativ geringer Körpergröße etwa hat eine deutlich höhere Frequenz als größere Arten wie der Schwarzspecht.

Es wäre wenig verwunderlich, wenn einer dieser Vögel irgendwann benommen vom Baum purzeln würde – doch das geschieht nicht. Warum trägt das Spechthirn keinen Schaden durch diese unglaubliche Belastung davon?

Muskeln und kaum Hirnflüssigkeit

Der Ornithologe Jens Scharon kennt die Antwort: "Die Spechte sind von ihrem Körperbau daran angepasst, an die Bäume zu klopfen." Zwei Dinge seien es vor allem, die dafür sorgen, dass der Vogel unversehrt bleibt. "Zunächst einmal hat er auffallend starke Muskeln um den Schädel", sagt der Mann vom NABU. Diese würden wie Stoßdämpfer wirken und die Erschütterung abfangen, wenn die Tiere gegen Bäume hämmern.

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Jens Scharon ist Ornithologe. Er kennt sich aus mit Vogelhirnen.

(Foto: NABU / Scharon)

"Zudem hat man festgestellt, dass Spechte im Vergleich zu anderen Vogelarten sehr wenig Gehirnflüssigkeit haben. Das heißt: Deren Hirn sitzt sehr fest und starr im Schädel, sodass es beim Klopfen gar nicht solch enormen Belastungen ausgesetzt ist." Kopfweh oder Gehirnerschütterung kennen Spechte also nicht.

Aber wo gehämmert wird, da fliegen auch Späne: Müssen sich die Vögel nicht vor Holzsplittern in den Augen sorgen? Auch hier weiß der Vogelexperte weiter: "Kurz bevor die Vögel mit dem Schnabel auf das Holz treffen, schließen sie ihre Augen – so bleiben sie unversehrt."

Bleibt noch die Frage, warum Spechte überhaupt ihre Schnäbel gegen Bäume klopfen. "Sie zimmern sich auf diese Weise nicht nur ihre Nisthöhlen und markieren ihr Revier gegenüber angrenzenden Artgenossen, sondern begeben sich auch auf die Suche nach Insekten, die sich unter der Rinde verbergen und locken Weibchen zur Fortpflanzung an", sagt Scharon.

Übrigens: In Deutschland sind acht Spechtarten heimisch. Der Buntspecht ist derjenige, der am weitesten verbreitet ist. Einige Arten sind stark gefährdet, wie etwa der Grauspecht, der Dreizehenspecht oder der Weißrückenspecht. Diese kommen vor allem im Süden Deutschlands vor, und ihre Lebensräume sind häufig eng an spezielle Waldbestände, Streuobstwiesen oder Biotope gebunden.

Quelle: ntv.de

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