Frage & Antwort

Frage & Antwort, Nr. 555 Gibt es mehr Wanzen als sonst?

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Eine Baumwanze in freier Natur.

(Foto: imago/blickwinkel)

Wanzen sind Krabbeltiere, die bei vielen Menschen Ekel erregen oder zumindest als störend empfunden werden, vor allem, wenn sie massenhaft auftreten. Aber warum krabbeln gerade so viele herum?

Wanzen sitzen auf Fensterscheiben, Balkonen und sogar in Wohnungen und sind alles andere als schön anzusehen. Die Krabbeltiere gibt es weltweit in 40.000 verschiedenen Arten. Rund 3000 davon leben in Europa und ungefähr 1000 verschiedene Arten sind in Deutschland zu Hause. Gerade begegnet man tatsächlich auch hierzulande besonders vielen Exemplaren dieser Gattung.

"Der lange, warme und vor allem trockene Sommer hat dazu geführt, dass es in diesem Jahr wesentlich größere Populationen als sonst gibt", erklärt Entomologe und Umweltgutachter Claus Wurst n-tv.de. Die günstigen Bedingungen haben nämlich dazu geführt, dass die nun auffälligen eingeschleppten Wanzenarten (die Marmorierte Baumwanze aus China, die Amerikanische Zapfenwanze aus Nordamerika) in diesem Jahr zwei Generationen hervorbringen konnten. Dazu kommt das reiche Fruchtjahr, das eine hervorragende Nahrungsgrundlage für die Marmorierte Baumwanze darstellt.

"Von einer Wanzen-Plage kann man allerdings nicht sprechen", so der Experte weiter. "Denn bei den nun auffälligen Wanzen handelt es sich um Arten, die für den Menschen völlig harmlos sind." Auch wenn gleich mehrere Wanzen auf Fensterbänken sitzen oder schon auf dem Boden in der Wohnung umherlaufen, suchen die Tiere nicht die Nähe zu Menschen, sondern nach einem geeigneten Ort, um die kühler werdenden Nächte zu überstehen.  

Wanzen im Haus

Die Grüne Stinkwanze oder die Graue Gartenwanze, die besonders häufig in unseren Breiten auftreten, sind nicht nur wegen ihres Aussehens verpönt. Sie sondern auch bei Kontakt oder Angst ein stark riechendes Sekret ab, das sich hartnäckig auf Haut und Haaren hält, aber ansonsten harmlos ist. Dieses Wehrsekret schützt die Tiere gut vor Fressfeinden.

Mit mangelnder Hygiene haben Wanzen im Haus nichts zu tun. Man braucht auch keine Angst davor zu haben, dass sie sich in der Wohnung weiter vermehren oder wie Motten an Kleidung herumknabbern. Viele Arten ernähren sich ausschließlich von Pflanzensaft. Dennoch fragt man sich, wie man die lästigen Krabbeltiere wieder loswird.

Bloß nicht breittreten

"Auf keinen Fall sollte man die Wanzen zerquetschen oder zertreten", betont Wurst. "Bei einigen Arten ist es nämlich so, dass, wenn sie zerdrückt werden, ein sogenanntes Aggregationspheromon, also ein Versammlungslockstoff abgesondert wird. Das bedeutet, dass dann noch mehr Tiere angelockt werden", so der Experte, der gleichzeitig zu Geduld und Ruhe aufruft. "In spätestens 14 Tagen, wenn es spürbar kälter geworden ist, hat sich das Problem von ganz allein wieder erledigt", prophezeit Wurst.

Wer die Tiere trotzdem lieber aus der Wohnung schafft, der sollte dafür ein Glas oder einen Becher und eine Pappe oder ein stabiles Stück Papier benutzen. Die Tiere können damit nicht nur vorsichtig eingefangen, sondern auch völlig stressfrei für alle Beteiligten nach draußen befördert werden.

Übrigens: Auch wenn viele heimische Wanzenarten keine besonders guten Flieger sind, sind Wanzen der eingeschleppten Arten schon im achten Stockwerk eines Hochhauses gefunden worden. Der Drang, ein warmes Plätzchen für die Nacht zu finden, scheint ziemlich groß zu sein.

Quelle: n-tv.de

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