Frage & Antwort

Frage & Antwort, Nr. 384 Ist Fingerknacken schädlich?

57452555.jpg

Knick, knack.

(Foto: picture alliance / dpa)

Ich kann es nicht mehr hören! Dieses Geräusch, wenn mein Kollege die Finger knacken lässt, ist furchtbar. Ich sage ihm immer, dass er dadurch irgendwann Arthrose bekommt. Stimmt das? (fragt Arina T. aus München)

Tatsächlich bereitet vielen, wie auch unserer Leserin, schon das Geräusch Schmerzen: Wenn der Kollege einmal kräftig die Finger dehnt und ein lautes Knack-Konzert den Raum erfüllt. Immer wieder hört man, das Knacken schade den Knochen. Löst häufiges Knacken der Finger gar Arthrose oder Rheuma aus? Es kursieren wahre Gruselgeschichten, die vor allem von denen weitergetragen werden, die das Geräusch verabscheuen.

Doch, um es kurz zu machen, es gibt keinen Anlass zur Sorge. Eindeutige Hinweise darauf, dass das Knacken langfristig gesundheitsschädlich ist oder den Gelenken schadet, gibt es nicht. Entsprechende Untersuchungen verliefen ergebnislos. So überprüfte etwa eine Studie aus dem Jahr 2011, ob unter mehr als 200 Arthrose-Patienten mehr "Finger-Knacker" sind als solche, die nicht mit den Fingern knacken. Dabei fanden die Forscher heraus, dass der Anteil beider Gruppen etwa gleich groß ist.

Eine andere Studie fand bereits 1990 zwar heraus, dass jahrelanges, regelmäßiges Knacken der Finger dazu führen kann, dass die Funktionalität der Hand leicht eingeschränkt wird. Nach Angaben der Wissenschaftler äußert sich dies vor allem in angeschwollenen Händen sowie einer geringeren Griffstärke. Doch bei dieser Studie gilt es zu beachten, dass auch weitere Faktoren eine Rolle spielen könnten. So waren die "Fingerknacker" überdurchschnittlich häufig Menschen, die schwere körperliche Arbeit verrichten, sie tranken deutlich mehr Alkohol als die Vergleichsgruppe und rauchten mehr.

Kein Schaden - aber Nutzen?

Eindeutig ist der Zusammenhang zwischen Gelenke-Ploppen und eingeschränkter Handfunktionalität also nicht. Man könnte eher andersherum argumentieren: Diese Angewohnheit ist so weit verbreitet - hätte sie wirklich ernsthafte Konsequenzen, wäre es mehr als nur ein Randthema und stünde auch viel mehr im Fokus der Medizin.

Wenn es also nicht schadet - vielleicht nützt es ja sogar? Wer mit den Fingern knackt, sagt häufig, dies sei wichtig, um die Gelenke zu entspannen. Doch auch hier gilt: Nachgewiesen ist das nicht. Wer das als Argument dafür anführen will, seinen Kollegen weiterhin mit dem beherzten Knacken auf den Geist gehen zu können, muss sich etwas Besseres einfallen lassen.

Übrigens: Theorien, was genau das Fingerknacken verursacht, gibt es viele. Erst vor Kurzem haben sich kanadische Forscher den Vorgang genauer unter dem Kernspintomographen angesehen. Sie berichten, das Geräusch werde durch die Bildung eines Hohlraums im Gelenk verursacht. "Es ist ein bisschen so, als ob ein Vakuum gebildet wird", sagte der leitende Forscher in der Studie, Greg Kawchuk. Allerdings wurde nur eine Person beobachtet. Verallgemeinern lässt sich diese Untersuchung also nicht.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema