Frage & Antwort

Frage & Antwort, Nr. 171 Kann Chili die Zunge verbrennen?

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Die "Bhut Jolokia" aus Indien gilt als die schärfste Chili der Welt.

(Foto: picture alliance / dpa)

Ich esse gern Chili, muss mir aber immer wieder anhören, dass die Gefahr besteht, dass ich bald gar nichts mehr schmecken werde. Kann Chilischärfe tatsächlich die Zunge verbrennen oder schädigen? (fragt Hans C. aus Halle/Saale)

"Nein, das ist nicht möglich. Die Chilischärfe, das sogenannte Capsaicin, wird nicht über Geschmacksrezeptoren wahrgenommen, sondern über Schmerzrezeptoren auf der Zunge, die den Impuls zum Gehirn weiterleiten. Diese Rezeptoren reagieren auch auf Hitze", erklärt Katrin Kirchhof, Fachärztin für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde in Berlin.

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Wenn das Essen so scharf ist, das es einen quält, sollte man es stehen lassen.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Das Capsaicin, das zu den Alkaloiden gehört, ist verantwortlich für den außergewöhnlichen Effekt, den der Konsum von Chili mit sich bringt. Schon eine geringe Dosis Capsaicin führt dazu, dass die Schmerzrezeptoren auf den Schleimhäuten im Mund, im Gesicht und im Verdauungstrakt aktiviert werden. Danach können körperliche Reaktionen wie auf Hitze- oder Schmerzreize beobachtet werden. Außerdem kann es zu Schweißausbrüchen, erhöhtem Speichelfluss, Niesen, Augentränen, Husten, Schluckauf und Nasenlaufen kommen. Das alles sind Schutzreaktionen des Körpers, der auf verschiedene Weise versucht, eine Entgiftungsoffensive zu starten. Auch die Ausschüttung von körpereigenen Glückshormonen gehört dazu.

Isst man trotz der körperlichen Reaktionen weiter, kann sich die Zunge nach einiger Zeit taub anfühlen und die Schärfe ist auf der Zunge kaum noch wahrnehmbar." In diesem Fall sind die Schmerzrezeptoren auf der Zunge so massiv angeregt worden, dass die mit ihnen verbundenen Nervenfasern für einige Zeit regelrecht depolarisiert sind und wir den Geschmack für einen Moment nicht mehr wahrnehmen können", so Kirchhof weiter. Zu dauerhaften Schädigungen kommt es jedoch durch den Genuss von Chili nicht. Chili kann auch keine Magengeschwüre verursachen.

Scharf ist nicht gleich scharf

Geschmäcker sind verschieden. Das gilt auch bei der Wahrnehmung von Chilischärfe. Was für den einen gerade mal ein wenig scharf ist, kann für den anderen bereits ein Zuviel an Chilischärfe mit den bereits aufgeführten Körperreaktionen bedeuten. Laden Sie Gäste zum gemeinsamen Essen ein, sollten Sie die Chilisauce extra reichen.

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Oftmals wird sehr scharfes Essen mit sauerer Sahne gereicht.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Ist jemand doch von zu viel Schärfe überrascht worden, gibt es einige Tipps, wie man die Schmerzen im Mund lindern kann: Capsaicin ist fettlöslich. Den Mund mit einem kräftigen Schluck Speiseöl spülen nimmt also schnell den Schmerz. Das Öl muss nicht geschluckt werden. Auch ein Esslöffel Honig langsam im Mund zergehen zu lassen, kann Linderung schaffen. Zudem können Milch, Joghurt oder Buttermilch den Schmerz im Mund lindern. Sind alle diese Sachen nicht griffbereit, kann man auch ein Stück Brot zerkauen. Auf gar keinen Fall sollte man nach einem zu heftigen Chiligenuss Wasser oder andere Kaltgetränke zu sich nehmen, denn durch diese werden die Scharfmacher nur noch weiter verteilt.

Übrigens: Der Scharfmacher Capsaicin wird auch in verschiedenen homöopathischen Tropfen zum Beispiel gegen Erkältungssymptome verwendet. Hier wird der Effekt der Hitze und des Taubheitsgefühls ausgenutzt. Auch eine mit Chili gewürzte Suppe kann die Heilung bei Erkältungen unterstützen.

Quelle: n-tv.de

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