Frage & Antwort

Frage & Antwort Können Flusspferde ertrinken?

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Auch wenn sie sich viel im Wasser aufhalten: Flusspferde sind keine guten Schwimmer.

(Foto: BS Thurner Hof/Wikipedia/CC BY-SA 3.0)

Als ich die Bilder aus Tiflis sah, wo der Zoo durch eine Überschwemmung zerstört wurde und die Tiere durch die Stadt streunten, habe ich mich gefragt, ob Flusspferde eigentlich ertrinken können. Und wie ist das bei Walen und Fischen? (fragt Markus W. aus Bremen)

Ertrinken ist eine Form des Erstickens. Lungen, die mit einer erheblichen Menge Wasser gefüllt sind, können keinen Luftsauerstoff mehr aufnehmen. Das führt unweigerlich zu Atemnot, später zu Bewusstlosigkeit und Atemstillstand. Der Tod durch Ertrinken bedroht grundsätzlich alle Lebewesen, die über Lungen atmen – selbst dann, wenn ihr natürlicher Lebensraum das Wasser ist.

Auch Flusspferde nehmen "den zum Leben nötigen Sauerstoff ausnahmslos durch Lungenatmung aus der Luft auf", sagt Dr. Ragnar Kühne, Zoologischer Leiter des Zoologischen Gartens in Berlin, auf unsere Leserfrage. Das bedeutet: Auch Flusspferde können ertrinken – "dann nämlich", erklärt Kühne, "wenn sie nicht regelmäßig an der Wasseroberfläche Luft holen".

Alle fünf Minuten mal atmen

Doch das klappt bei den Tieren sogar im Schlaf. Automatisch tauchen Flusspferde selbst in ihren Ruhephasen immer wieder auf, um zu atmen. Selten bleiben sie länger als drei bis fünf Minuten unter Wasser. Bis auf 30 Minuten könnten sie ihren Tauchgang theoretisch ausdehnen, die Nasenlöcher verschließen sich dabei. Doch angenommen, reißende Fluten würden den Kopf eines Flusspferdes länger als eine halbe Stunde unter Wasser drücken, hätte das Tier wohl kaum Überlebenschancen. Es könnte sich auch nur schwer selbst retten, denn anders als man vermuten würde, sind Flusspferde keine guten Schwimmer.

In diesem Punkt haben ihnen Wale natürlich einiges voraus. Doch auch die großen Meeressäuger haben keine Kiemen, sondern atmen durch die Lungen. Wale brauchen also ebenfalls immer wieder eine Portion Sauerstoff aus der Luft. Unter Wasser halten sie den Atem an. Einigen Arten gelingt das sehr lange: Ein Entenwal kann bis zu zwei Stunden tauchen, ein Pottwal immerhin 90 Minuten, einige Furchenwale tauchen alle 40 Minuten auf, um Luft zu holen und Delfine halten es auf der Jagd auch mal eine Viertelstunde ohne einen Atemzug aus. Normalerweise aber lassen Delfine fünf bis zwölf Mal pro Minute Luft in ihr Blasloch strömen – wenn sie wach sind.

Im Schlaf wacht das halbe Gehirn

Schlafende Delfine tauchen immerhin mindestens einmal in der Minute auf. Es können auch sieben Mal sein, der Rhythmus ist unregelmäßig. Doch dafür, dass die Atmung überhaupt und stets rechtzeitig stattfindet, sorgt eine bestimmte Schlafweise der Tiere: Bei Delfinen ruht sich immer nur das halbe Hirn aus. Die andere Gehirnhälfte bleibt wach. Man spricht vom Halbseiten- oder Halbhirnschlaf. Die jeweils aktive Hirnseite sorgt dafür, dass Delfine auch im Schlaf Luft holen. Geschähe das nicht, würden auch sie ersticken bzw. ertrinken.

Auch Krokodile übrigens haben Lungen, die nicht voll Wasser laufen dürfen. Beim Tauchen verschließt sich der Rachen der Reptilien mit einer speziellen Klappe. Dieser Mechanismus bewirkt, dass Krokodile auch bei geöffnetem Maul nicht ertrinken können. Würde sie allerdings versuchen, unter Wasser zu schlucken, hätten sie schlechte Karten.

Und wie sieht es nun bei Fischen aus? Die atmen bekanntlich über Kiemen und nehmen damit den im Wasser gelösten Sauerstoff auf. Da kann nichts schiefgehen, oder? Doch, bei einigen Arten sehr wohl. "Hochseehaie können ertrinken", sagt Zoomitarbeiter Kühne. Hochseehaie sind Knorpelfische, die mit geöffnetem Maul schwimmen. Das machen sie, damit Wasser durch ihre Rachenhöhle fließt, das dann durch die Kiemenspalten wieder austritt. Dem Wasser wird Sauerstoff entzogen, der dann in die Blutbahn der Tiere gelangt. "Diese Haie", erläutert Kühne, "sind ständig gezwungen, zu schwimmen, damit genügend Wasser über die Kiemen fließt und ihr Sauerstoffbedarf gedeckt wird." Geraten Hochseehaie in Fischernetze, sodass sie unter Wasser festgehalten werden, dann ertrinken beziehungsweise ersticken auch sie – und das inmitten einer sauerstoffreichen Umgebung.

Quelle: ntv.de

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