Frage & Antwort

Frage & Antwort, Nr. 56 Lassen sich Haare austricksen?

12347245.jpg

Auf die Haardicke hat eine häufige Rasur keinen Einfluss.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Abrasierte Bein- oder Achselhaare erreichen immer nur eine bestimmte Länge. Woher weiß das Haar, dass es gerade gekürzt wurde und nun wieder in der gleichen Länge nachwachsen muss? Gibt es eine Möglichkeit, die Haare auszutricksen, sodass sie die Rasur nicht bemerken und deshalb nie mehr wachsen? (fragt Frau oder Herr Kluge aus Bielefeld)

Haare austricksen? Das ist eine interessante Idee. Und wenn jemand weiß, wie so etwas anzustellen wäre, dann sicherlich eine Friseurmeisterin. Deshalb geben wir die Frage an Kirsten Meinke weiter.

Immerhin, die Potsdamerin nimmt uns nicht sofort jegliche Hoffnung. Zunächst einmal erklärt sie uns, worin sich die einzelnen Haararten - also Kopfhaare, Barthaare, Achselhaare, Schamhaare, Nasenhaare, Ohrenhaare, Wimpern, Augenbrauen, Brusthaare und die Haare auf Armen und Beinen - unterscheiden: nämlich in Länge und Konsistenz.

Zu wenig Zeit, um weiter zu wachsen

Dass Beinhaare nicht über eine bestimmte Länge hinauswachsen, liegt schlicht und einfach daran, dass ihre Wachstumsphase begrenzt ist und sie nicht genug Zeit haben, um auch mal doppelt so lang zu werden. "Wie lange ein Haar wächst", erklärt Meinke, "ist genetisch festgelegt. Beinhaare wachsen nicht länger als drei Monate. Dann fallen sie aus. Kopfhaare wachsen bei Europäern sechs bis sieben Jahre, bei Asiaten acht Jahre lang. Bei Barthaaren ist nach sechs Jahren Schluss, bei Wimpern schon nach 100 bis 150 Tagen."

Doch es haben alle Haare auch etwas gemeinsam, und dieser Hinweis Meinkes ist ernüchternd: "Solange man mechanisch auf Haare einwirkt, also etwa durch eine Rasur, wachsen sie immer wieder nach. Haare lassen sich eben nicht austricksen." Schade. Aber irgendwie hatten wir das ja schon geahnt.

Optische Täuschung beim Haarwuchs

Dabei spielt übrigens auch eine Rolle, dass sich alle Haare einer Haarart -  nehmen wir die Beinbehaarung als Beispiel - in unterschiedlichen Wachstumsphasen befinden. "Kein Haar ist in der gleichen Wachstumsphase wie ein anderes", betont die Friseurmeisterin. "Wir haben so viele Haarwurzeln, dass wir gar nicht nachvollziehen können, welches Haar sich gerade in der sogenannten Ruhephase befindet und damit kurz vor dem Ausfall steht, welches sich im Wachstum befindet und welches zwischen beidem in der Übergangsphase ist." Dass für uns nach einer Rasur alle Haare wieder zu wachsen scheinen und dies auch noch in der gleichen Länge, vergleicht Meinke anschaulich mit einer "optischen Täuschung". "Uns fällt einfach nicht auf, welche Haare im Moment nachwachsen und welche nicht", sagt sie. "Auf dem Kopf können wir aber gut erkennen, dass wir dort nicht nur viele lange Haare, sondern durchaus auch einige Stoppeln haben."

Das bedeutet: Selbst wenn die Haare bemerken würden, dass sie gerade geschnitten wurden, hätten wir mit der Rasur nicht die Haare erreicht, die kurz zuvor ausgefallen sind. Deren Wurzeln sind noch vorhanden und intakt, und so wüchsen diese Haare auf jeden Fall nach.

Schluss mit dem Ammenmärchen

Anders als in unserem Gedankenspiel bekommen Haare in der Realität aber nichts von einem Schnitt mit. Die Haarwurzeln wissen nicht, was mit dem Haar über der Hautoberfläche geschieht. Deswegen ist es, wie Meinke ergänzt, auch ein "Ammenmärchen, dass Haare durch häufiges Schneiden bzw. Kurzhalten dicker werden. Denn", so führt sie aus, "rasiertes Beinhaar wurde stumpf abgeschnitten und sieht daher einfach dicker aus als neues Haar, das nach einer Wachsbehandlung nachwächst."

Wer seiner Körperbehaarung nachhaltig zu Leibe rücken will, dem hilft also kein Griff in die Trickkiste. "Da bleibt nur die dauerhafte Epilation", bemerkt Meinke abschließend. "Die Haarwurzeln müssen vernichtet und verödet werden, sei es durch Stromschläge oder durch eine Laserbehandlung." ? Bei dieser Vorstellung mögen so manch einem die Haare zu Berge stehen. Eine haarige Angelegenheit ist es allemal.

Quelle: n-tv.de