Frage & Antwort

Frage & Antwort Wann sieht man etwas mit Argusaugen?

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Misstrauische Zeitgenossen, die "alles" sehen wollen, schauen "mit Argusaugen".

(Foto: imago/Science Photo Library)

Warum soll man etwas mit Argusaugen betrachten? (fragt Peter L. aus Würzburg)

Wer jemanden dazu aufruft, etwas mit Argusaugen zu betrachten, der zählt auf einen kritischen, scharfen und vielleicht sogar unablässigen Blick. Etwas oder jemand soll streng und argwöhnisch beobachtet werden. Die heute noch oft benutzte Redewendung hat ihre Ursprünge in der Sagenwelt der griechischen Götter – und natürlich geht es um Liebe, Lust und Eifersucht.

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Argos hatte Augen überall am Körper.

(Foto: imago stock&people)

Zeus, der stets sterblichen oder unsterblichen Schönheiten nachstellte, hatte ein Auge auf Io, die schöne Tochter des Flussgottes Inachos, geworfen. Noch bevor er Io entführen und sich mit ihr vergnügen konnte, bemerkte seine Frau, die Göttin Hera, das Vorhaben ihres Mannes. Um Io vor dem Zorn der eifersüchtigen Hera zu schützen und seine Pläne zu vertuschen, verwandelte er Io in eine silberglänzende Kuh.

Ungeheuer mit 100 Augen

Doch auch das bekam Hera mit. Sie fordert die Kuh als Geschenk von ihrem Mann. Dieser konnte ihr diese Forderung nicht abschlagen und Io befand sich nun in den Händen von Hera. Diese führt sie zu Argos, der die Kuh von nun bewachte. Argos, ein riesiges Ungeheuer mit 100 Augen am ganzen Leib, bewachte die Kuh aufmerksam ohne Unterbrechung. Das war für ihn leicht möglich, denn er konnte mit seinen vielen Augen nicht nur in alle Richtungen blicken, sondern er musste auch immer nur ein Augenpaar zu einer bestimmten Zeit zum Schlafen schließen. Argos entging also nichts – fast nichts.

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Juno (Hera) verteilt die Augen des Argos auf den Schwanzspitzen von Pfauen. (Peter Paul Rubens um 1610)

Denn Zeus hatte es trotz der scharfen Bewachung geschafft, sich mit Io in Gestalt eines Stieres zu vereinen. Nun wollte Zeus seine Io umso mehr. Um sie Argos Augen zu entreißen, beauftragte er Hermes damit, Argos zu töten. Hermes schläferte Argos mit seinem betörenden Flötenspiel ein, erschlug das Ungetüm hinterhältig mit einem Felsen und enthauptete ihn.

Die Augen auf dem Pfauenschwanz

Io erkannte die Gunst der Stunde. Sie floh in Kuhgestalt über das nach ihr benannte Meer (Ionisches Meer) bis nach Ägypten. Erst als Zeus seiner Frau schwor, endlich von Io abzulassen, ließ sich Hera erweichen und gab Io ihre menschliche Gestalt wieder. Die Augen von Argos pflanzte sie auf die Schwanzfedern des Pfaus, der sich von nun an mit Argusaugen schmückte.

Übrigens: Argos und Argus meinen dasselbe. Die unterschiedliche Schreibweise Argus ist lediglich die latinisierte Form des griechischen Argos.   

Quelle: n-tv.de

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