Frage & Antwort

Bloß keine Zugluft im Schlaf Warum deckt man sich auch bei Hitze zu?

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(Foto: imago images / Westend61)

Völlig nackt, im Pyjama oder in Unterwäsche: Jeder schläft anders. Doch nur ganz wenige verzichten ganz aufs Zudecken, selbst wenn im Sommer die Temperaturen hoch sind. Aber was bringt das?

Sommer, Sonne, Schlafprobleme könnte der neue Dreiklang für die warme Jahreszeit lauten. Hohe Temperaturen, die auch in der Nacht nur geringfügig sinken, rauben vielen Menschen den Schlaf. Trotz Hitze können die meisten Menschen gar nicht oder nur schwer ein- und durchschlafen. Dennoch decken sich die meisten Menschen zu. Warum das so ist, fragt n-tv.de Professor Ingo Fietze vom Schlafmedizinischen Institut der Charité in Berlin. "Wir decken uns ungefähr ein dreiviertel Jahr lang zu, um eine Wohlfühltemperatur und eine Wohlfühlklima beim Einschlafen zu haben. Allgemein sind das 29 Grad Celsius unter der Decke beziehungsweise auf der Haut", erklärt Fietze.

Es gibt also eine gewisse Gewöhnung, sich beim (Ein-)Schlafen zuzudecken. Diese bezieht sich nicht nur auf die Temperatur, sondern auch auf das Gefühl, das damit verbunden ist. Mit einer Decke, auch wenn es sich im Sommer nur um ein dünnes Laken handelt, fühlen sich die meisten Menschen geborgener und geschützter. Es sich im Bett gemütlich zu machen und in etwas einkuscheln zu können, scheint zudem der Startschuss zu einer allgemeinen Entspannung zu sein, die für das Einschlafen nötig ist. Das klappt allerdings nur, wenn die Umgebungsbedingungen weitestgehend dem entsprechen, was man gewöhnt ist.

Körper kühlt im Schlaf ab

Der Körper fährt im Schlaf nicht nur seinen Stoffwechsel, sondern auch die Körperkerntemperatur um ein halbes bis ein Grad herunter. Aus diesem Grund gelten Raumtemperaturen im Schlafzimmer zwischen 16 und 18 Grad hierzulande als ideal. In lauen Sommernächten werden diese Temperaturen recht schnell weit überschritten. Ist man dennoch zugedeckt, steckt man zur Regulierung der Temperatur nicht nur die Beine oder Arme unter der Decke hervor, sondern strampelt sich auch unter einer dünnen Decke ganz frei. Je mehr Haut dann völlig frei liegt, umso größer ist die Gefahr, sich zu unterkühlen oder sogar zu erkälten. "In der Traumschlafphase, der sogenannten REM-Schlafphase, ist der Körper wie gelähmt", erklärt Schlafmediziner Fietze diesen Zusammenhang. "Dann ist die Temperaturregulation des Körpers völlig ausgeschaltet." Wird die Wohlfühltemperatur auf der Haut dann über einen bestimmten Zeitraum hinweg unterschritten, kann es zu einer Unterkühlung kommen.

Zugluft durch aufgestellte Ventilatoren, Klimaanlagen oder geöffnete Fenster verkürzt diesen Prozess  zusätzlich. Trifft diese auf verschwitzte Schultern und einen feuchten Hals, dann muss man sich am nächsten Morgen nicht darüber wundern, wenn der Hals steif ist und die Schultern schmerzen. Der Schlafexperte rät deshalb von künstlicher Kühlung ab. Sein Rat: Kühlende Stoffe als Zudecke oder Nachtwäsche zu benutzen. Die vermeintlich beste Kühlung liefert Seide. Allerdings sind Pyjamas und Bettwäsche daraus nicht nur sehr teuer, sondern auch überaus empfindlich. Seide ist weder schweißecht noch sonnenstabil. Tierschützer lehnen zudem Seidenprodukte wegen der Herstellungsart kategorisch ab. Eine Alternative dazu ist Bettwäsche aus Satin, Perkal oder Seersucker. Auch Leinen gilt als kühlendes Gewebe. Es kommt oftmals als Mischgewebe vor und ist fast unverwüstlich.

Übrigens: Immer mal wieder hört man davon, dass man durch Nacktschlafen Körpergewicht verliert. Dafür gibt es keine wissenschaftlich zuverlässigen Daten. Jeder Mensch verliert ein halbes bis eineinhalb Kilogramm pro Nacht. Das liegt vor allem an dem Flüssigkeitsverlust. Wer es gewohnt ist, sowohl im Sommer als auch im Winter nackt zu schlafen, sollte nicht auf eine geeignete Decke verzichten. Da der Schweiß, immerhin rund ein Liter pro Nacht, direkt in Laken und Bettwäsche dringt, müssen diese wesentlich öfter gewechselt werden.

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Quelle: n-tv.de

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