Frage & Antwort

Alte Geste des Glückwünschens Warum drückt man die Daumen?

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So geht Daumendrücken richtig: Daumen in die geschlossene Faust legen und drücken.

(Foto: imago/Panthermedia)

Schwierige Prüfung, Vorstellungsgespräch oder ein wichtiges Spiel der Lieblings-Fußballmannschaft: Wenn man jemandem Glück wünscht, drückt man ihm die Daumen. Der Daumen scheint also eine wichtige Bedeutung zu haben.

Fakt ist: Der Daumen ist ein besonderer und sogar der wichtigste Finger an der menschlichen Hand. Er ist besonders beweglich und zugleich der kräftigste Finger. Dank des Daumens kann der Mensch nach Dingen greifen und sie festhalten. Doch warum werden nun ausgerechnet die Daumen in einer nonverbalen Geste gedrückt, um jemandem Glück zu wünschen? Zunächst einmal scheiden sich die Geister an der Frage, ob dafür beide Daumen gedrückt werden müssen oder nur einer. Die Antwort lautet: beide. Schließlich heißt die Redewendung: "Die Daumen drücken" und nicht "den Daumen drücken". Zudem herrscht Unklarheit darüber, wie man die Daumen richtig drückt. Daumen auf oder in die geschlossene Faust? Richtig ist: in die geschlossene Faust. Nur so kann es gelingen, jemandem Glück zu wünschen. Warum das so ist, erklärt sich, wenn man auf den Ursprung der Redewendung blickt.

Genau genommen gibt es zwei Vermutungen, woher die Redensart stammt: Eine Überlieferung besagt, dass die Germanen den Ausdruck geprägt haben. Das Volk glaube bereits daran, dass es das Schicksal positiv beeinflusst, wenn man jemandem die Daumen drückt. Für sie war der dicke Finger ein Sinnbild für Kobolde und Dämonen. Wer also den Daumen drückte, packte symbolisch die bösen Geister und hielt sie fest. So konnte man verhindern, dass der Kobold - in Gestalt des Daumens - Schabernack treibt. Eine abgewandelte Form dieser Herkunftsgeschichte besagt, dass der Daumen bei den Germanen eine Art Glücksfinger mit magischen Kräften war. Und das Glück musste man eben festhalten.

Ursprung bei Gladiatorenkämpfen?

Die andere Herkunftsgeschichte legt nahe, dass das Sprichwort seinen Ursprung im alten Rom hatte. Auch dort war das Daumendrücken bereits bekannt: Belegt ist dies durch ein Zitat des römischen Naturforschers Plinius der Ältere. Vor 2000 Jahren sammelte er das naturkundliche Wissen seiner Zeit und trug es in einer Enzyklopädie zusammen. Darin kommt folgender lateinische Satz vor: "Pollices, cum faveamus, premere etiam proverbio iubemur." Übersetzt heißt das: "Schon das Sprichwort fordert uns auf, die Daumen zu drücken, wenn wir jemandem geneigt sind". Dieser Satz lässt darauf schließen, dass es schon damals die Redewendung "Daumen drücken" gegeben hat.

Tatsächlich finden sich Quellen, die beschreiben, dass das Daumendrücken bei Gladiatorenkämpfen eine große Rolle spielte. Nach jedem Kampf entschied das Publikum, ob der Verlierer leben darf oder sterben muss. Wollten die Zuschauer ihr Mitleid mit dem besiegten Gladiator ausdrücken und dafür sorgen, dass er begnadigt wird, hoben sie die Hand und schlugen den Daumen zwischen den übrigen Fingern ein. Der dicke Finger symbolisierte für die Römer das tödliche Schwert. Mit der Geste machten sie also deutlich, dass das Schwert in die Halterung zurückgesteckt werden sollte. Streckten die Römer den Daumen hingegen aus, dann hieß das: Schwert raus, Kopf ab.

In Filmen wird dies oft falsch dargestellt. Dort halten die Zuschauer den erhobenen Daumen nach oben, um auszudrücken, dass der Gladiator am Leben bleiben soll. Daumen nach unten heißt wiederum, er soll sterben. Vermutlich bedient sich die Filmindustrie an diesen Handbewegungen, weil der Zuschauer in der heutigen Zeit die historische Daumendrück-Geste in diesem Zusammenhang nicht verstehen würde. Daumen hoch oder runter ist indes besser nachvollziehbar.

Quelle: n-tv.de

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