Frage & Antwort

Frage & Antwort, Nr. 276 Warum macht Alkohol Doppelbilder?

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Durch Alkohol können sowohl das Scharfstellen als auch das räumliche Sehen eines Objektes eingeschränkt werden.

(Foto: picture alliance / dpa)

Warum sehe ich doppelt und schwanke durch die Gegend, wenn ich zu tief ins Glas geguckt habe? (fragt Wolfgang R. aus Göttingen)

Alkohol ist ein Nervengift und steht auf Platz eins der gefährlichsten Drogen. Er wirkt in hohen Dosen vor allem im Gehirn. Als Getränk konsumiert, verteilt sich Alkohol hauptsächlich über den Dünndarm, aber auch über den Magen und die Mundschleimhaut im gesamten Körper, also auch im Gehirn.

"Alkohol wirkt bei der akuten Intoxikation vor allem auf das Kleinhirn und den Hirnstamm, wichtig für die Gleichgewichtskontrolle, das Sprechen und die Wachheit", erklärt Professor Cornelius Weiller, Direktor der Neurologischen Universitätsklinik Freiburg. "Störungen des Kleinhirns können zu Unsicherheit, Lallen und durchaus auch zu Doppelbildern führen", so Weiller weiter.

Wie entstehen Doppelbilder?

Sehen ist ein hochkomplexer Vorgang. Die Bilder, die vom rechten und linken Auge aufgenommen werden, überlappen sich. Doch sie sind geringfügig verschieden, weil sie aus zwei leicht unterschiedlichen Winkeln aufgenommen werden. Das Gehirn fügt die beiden Bilder blitzschnell zu einem dreidimensionalen Bild zusammen. Voraussetzung dafür ist ein paralleler Blick, also nichtschielende Augen und die synchrone Bewegung beider Augen.

Erfolgt die Überlappung beider Bilder nicht korrekt, weil die Augen nicht in der korrekten Sehachse stehen oder sich nicht parallel zueinander bewegen, dann erzeugt das Gehirn aus dem Sinneseindruck jedes Auges ein einzelnes Bild, anstatt beide zu einem zu kombinieren. Die Folge: Man sieht doppelt.

Alkohol behindert Arbeit im Gehirn

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Wenn der Promillespiegel im Körper zu hoch ist, schaltet der Körper einfach ab.

(Foto: picture alliance / dpa)

Es wird vermutet, dass Alkohol die Nervenzellen im Kleinhirn, die an der Augenbewegung beteiligt sind, beeinträchtigt. Normalerweise werden die Nervenzellen durch chemische Botenstoffe aktiviert beziehungsweise gehemmt. Einer der sogenannten Neurotransmitter ist die Gamma-Aminobuttersäure (GABA), die die Reizübertragung sinnvoll an bestimmten Stellen der Nervenzellen hemmt, um sich dann von den Rezeptoren der Nervenzellen wieder zu lösen. Dann werden die Neurotransmitter im Gehirn abgebaut.

Alkohol, der ebenfalls und sogar zusammen mit GABA an die Nervenzellen andocken kann, bewirkt, dass sich GABA nicht mehr rechtzeitig löst und länger als nötig die Aktivität der Nervenzelle hemmt. Der Alkohol bringt damit die auf Sekundenbruchteile exakt koordinierte Aktivität der Nervenzellen, die die Augenbewegung steuern, durcheinander. Das führt zum berüchtigten Doppeltsehen. Ab welchem Alkoholspiegel das passiert, ist individuell verschieden und hängt von mehreren Voraussetzungen wie Körpergröße und Gewicht ab. Schwindel oder Lallen nach übermäßigem Alkoholkonsum entstehen im Prinzip genauso.

Wer tatsächlich einmal zu tief ins Glas geschaut hat und Schwindel, Lallen oder Doppelbilder feststellt, sollte das alkoholische Getränk sofort stehenlassen und auf Wasser setzen. Das kann die Dehydrierung, die Alkohol im Körper anregt, verringern und so auch die unangenehmen und manchmal sogar gefährlichen Symptome lindern. Der Promillewert, der im Körper einmal erreicht wird, kann jedoch durch Wasser nicht gesenkt werden.

Übrigens: Laut aktuellem Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung trinkt jeder Deutsche im Durchschnitt zehn Liter reinen Alkohol pro Jahr. Rund 9,5 Millionen Bundesbürger trinken regelmäßig in gesundheitlich riskanten Mengen; zwischen 1,3 und 2,5 Millionen Deutsche gelten als alkoholabhängig, Zehntausende sterben jedes Jahr an den Folgen ihres Alkoholmissbrauchs.

Quelle: n-tv.de

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