Frage & Antwort

Frage & Antwort, Nr. 290 Warum macht Süßes Durst?

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Warum müssen manche Menschen nach dem Eis zu Wasser greifen? Einfache Frage, komplexes Thema.

(Foto: picture alliance / dpa)

Wenn ich Eiscreme oder Schokolade esse, bekomme ich immer Durst. Es muss wohl mit dem Zucker zu tun haben. Aber warum ist das so? Warum macht Süßes durstig? (fragt Sebastian N. aus Backnang)

Dieses Phänomen kennt nicht jeder. Während salzhaltige Speisen grundsätzlich zum Trinken auffordern, ist das Durstgefühl nach Süßem bei gesunden Menschen unterschiedlich stark ausgeprägt. Manchen ist es völlig fremd, andere hingegen wissen, dass sie nach der Eiscreme immer auch einige Schluck Wasser benötigen. Wo diese Unterschiede herkommen, ist unbekannt. Denn auch die Frage, wie sich dieser spezielle Durst entwickelt, der mit dem Genuss von Süßigkeiten einhergeht, konnten Wissenschaftler noch nicht abschließend beantworten.

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Schokolade macht glücklich - und manchen auch durstig.

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Man kommt der Sache näher, wenn man sich mit dem Durst an sich beschäftigt. "Durst ist eine Reaktion des Körpers auf eine Verschiebung der Teilchenkonzentration im Körper", erklärt Thorsten Siegmund, Leitender Oberarzt für Endokrinologie, Diabetologie und Angiologie am Klinikum München Bogenhausen. "Die Körperflüssigkeit hat nämlich eine bestimmte Teilchenzusammensetzung. Dazu gehören unter anderem jede Menge Blutsalze wie Natrium, Kalium, Chlorid et cetera. Weicht die Zusammensetzung vom Optimum ab, reagiert der Körper mit bestimmten Mechanismen, um sie wieder in den Normalbereich zurückzuführen."

Hormone sorgen für Ausgleich

Wie Siegmund ausführt, gibt es zwei Regulationszentren im Körper – eines im Gehirn, ein anderes in den Nieren –, die permanent messen, wie es um die Teilchenzusammensetzung in der Körperflüssigkeit bestellt ist. Sind einzelne Blutsalze oder andere Bestandteile im Überschuss vorhanden, reguliert der Organismus den Salz- und Wasserhaushalt mithilfe zweier Hormone: "ADH und Aldosteron sorgen dafür, dass mehr Flüssigkeit im Körper gehalten wird", erläutert der Internist. "So kann die ideale Teilchenkonzentration wieder hergestellt werden. Das ist eine normale Regulation." Fehlt dem Körper Flüssigkeit, so senden die Regulationszentren ein deutliches Signal: Durst!

Wer an Diabetes mellitus erkrankt ist, kennt dieses Signal sehr gut. Da der Körper den mit der Nahrung zugeführten Zucker bei Diabetes mellitus nicht optimal verstoffwechseln kann, steigt der Blutzuckerspiegel stark an. Doch die vermehrte Glucose ist ein Störfaktor im Gleichgewichtssystem. "Irgendwann, wenn die Konzentration zu groß wird, wird die Glucose über die Niere ausgeschieden", führt Siegmund aus. Das heißt, der Körper entledigt sich des Zuckers durch den Urin. So geht mit dem Zucker allerdings auch viel Wasser verloren. Die Folge: Der Körper trocknet aus. "Durch den Wasserverlust konzentrieren sich dann alle anderen Teilchen im Körper sehr", sagt Sigmund. "Geht der Blutzucker zu hoch, entwickelt der Mensch daher automatisch Durst, denn was durch Ausscheidung verloren geht, soll durch Trinken nachgefüllt werden."

Warum Diabetiker nach dem Verzehr von Süßem übermäßigen Durst entwickeln und literweise trinken, ist also bekannt. Mit dem Quäntchen Durst, das ein Nichtdiabetiker nach einem Schokoriegel verspürt, ist das nicht vergleichbar. Doch auch wenn die Regulation des Blutzuckers im Körper intakt ist, steigen die Blutzuckerwerte durch Süßigkeiten an – in einem normalen Ausmaß.

Nicht jedes Getränk hilft

So kommt Siegmund abschließend auf die Leserfrage zurück: "Man muss davon ausgehen, dass sich beim gesunden Menschen durch die Glucose, die mit den Süßigkeiten über den Magen in den Körper gelangt, die Teilchenkonzentration geringfügig ändert. Und dann können die vorhin angesprochenen Regulationszentren mit ihren extrem sensitiven Rezeptoren ein Durstgefühl auslösen."

Allerdings könnte es sein, dass bei diesem Durst noch ein weiterer Effekt zum Tragen kommt: "Er kann auch mit der Sensorik im Mund zusammenhängen. Möglicherweise sorgt der Zucker auf der Mundschleimhaut über Nervenverknüpfungen dafür, dass der Körper meint, er müsse einen Verdünnungseffekt herbeiführen."

So einfach die Frage auch ist, so komplex ist das Thema insgesamt. Eines jedoch ist klar: Wer nach Kuchen, Eis und Keksen Durst verspürt, sollte nicht zu Limonade greifen. Auch Säfte oder gesüßter Tee sind wenig zielführend. Der beste Durstlöscher ist dann Wasser.

Quelle: n-tv.de

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