Frage & Antwort

Frage & Antwort, Nr. 31 Welcher Boden ist der beste bei Beben?

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Immer wieder kommt es in Istanbul und Umgebung zu Erdbeben.

(Foto: picture-alliance / dpa)

"Auf welchem Untergrund ist man bei einem Erdbeben am sichersten? Hält man sich besser auf Sandboden, auf Lehmboden oder auf einem steinigen Untergrund auf?" (fragt Irmgard Sile aus Istanbul)

Es ist sicher kein Zufall, dass uns diese Frage aus Istanbul erreichte. Immer wieder kommt es in Istanbul und Umgebung zu Erdbeben. Woran das liegt? Fangen wir vorne an: Die äußere Schale der Erde setzt sich aus mehreren riesigen Schollen zusammen, den so genannten Litosphärenplatten. Diese sind ständig in Bewegung. Meist ist das für die Weltbevölkerung nicht wahrnehmbar. Wenn sich aber zwei Platten mit einem starken Ruck aneinander reiben oder eine Platte plötzlich auf oder unter eine andere rutscht, spüren das auch Menschen - jedenfalls die, die an den Plattenrändern leben. Die Erde bebt. Rund 90 Prozent aller Beben gehören zu diesen tektonischen Beben.

Keine Vorhersagen möglich

Istanbul nun liegt nördlich der Nordanatolischen Verwerfung, die sich von Anatolien bis zum Marmarameer hinzieht. Die kleine Anatolische Platte wird hier zwischen der nordwärts driftenden Arabischen Platte und der Eurasischen Platte nach Westen verschoben.

Lage der Nordanatolischen Verwerfung und Dokumentation dortiger Erdbeben

Lage der Nordanatolischen Verwerfung und Dokumentation dortiger Erdbeben

Dadurch entstehen Spannungen, die sich in schweren Erdbeben entladen. Mit 60-prozentiger Wahrscheinlichkeit - so die Prognose von Wissenschaftlern - kommt es bis zum Jahr 2025 zu einem starken Beben in Istanbul.

Die Möglichkeit, die Bevölkerung rechtzeitig zu warnen, besteht nicht. Erdbebenstärken lassen sich messen und auch das Zentrum eines Bebens lässt sich bestimmen. Aber ein Erdbeben zuverlässig vorherzusagen, gelingt noch nicht. Umso wichtiger ist es, in stark gefährdeten Gebieten vorzubeugen und sich darüber zu informieren, wie man sich im Falle eines Bebens verhalten sollte. Das GeoForschungsZentrum (GFZ) in Potsdam hat zu diesem Zweck ein Merkblatt auf seiner Homepage veröffentlicht. Auch das deutsche Generalkonsulat in Istanbul hat die wichtigsten Maßnahmen im Internet zusammengestellt.

Warnung vor weichem, sandigen Boden

"Achten Sie bei der Auswahl Ihrer Wohnung darauf, dass sie sich in einem erdbebenfesten Gebäude befindet", schreibt das Generalkonsulat. Das GFZ Potsdam warnt konkret vor Gebäuden in Hanglage und empfiehlt, auf die Beschaffenheit des Untergrunds zu achten. Das Gebäude sollte weder auf unterirdischen Hohlräumen noch auf "weichem, sandigen Boden stehen."

Aha, mit diesem Hinweis erhalten wir eine erste Antwort auf unsere Ausgangsfrage. Und tatsächlich bestätigt Erdbeben-Experte Prof. Dr. Peter Bormann vom GFZ Potsdam: "Nicht bindige Sandböden sind gefährlich. Sie können bei einem Erdbeben zu großen Rutschungen führen, vor allem an Hängen." Gleiches gilt, so führt Bormann aus, für Kies-, Schotter- und Geröllböden. "Hier kann es zu Gerölllawinen kommen. Auch Erd- und Schlammrutschungen sind möglich. Dabei besteht die große Gefahr, dass Menschen und Gebäude verschüttet werden."

Gibt es denn einen vergleichsweise sicheren Untergrund? "Am besten", so Bormann, "ist bei einem Erdbeben fester Felsenuntergrund. Auch bindiger Lehmboden ist gut."

All dies ist vor allem bei Häusern zu berücksichtigen. "Steht ein Gebäude auf instabilem Grund, kann das sehr kritisch werden", warnt Bormann. "Da besteht Einsturzgefahr!" Auf horizontalen Böden im Freien dagegen sei die Situation für Menschen nicht ganz so bedenklich. "Selbst wenn man dann in eine Spalte rutschen sollte, die sich auftut, besteht kaum Lebensgefahr", sagt Bormann. - Na, das klingt ja beinahe beruhigend.

Allerdings, so warnt das GFZ Potsdam, sollte man nicht versuchen, während eines Erdbebens ins Freie zu rennen - es sei denn, man befindet sich zu Beginn der Erschütterung im Erdgeschoss des Hauses in der Nähe einer Außentür. Der Versuch, das Gebäude während des Bebens zu verlassen, ist am gefährlichsten. Es droht die Gefahr, durch fallende Gegenstände oder Glassplitter verletzt zu werden. Der Experte rät, möglichst sofort Schutz unter einem stabilen Möbelstück zu suchen, zum Beispiel unter dem Tisch. Dort sollte man sich so lange festhalten wie die Erschütterung dauert, selbst dann, wenn sich das Möbelstück bewegt. Alternativ kann auch ein Türrahmen als Zufluchtsort dienen. Auf keinen Fall sollte man Treppen oder Fahrstuhl benutzen und erst recht nicht aus dem Fenster oder vom Balkon springen. Die wichtigste Maßnahme ist die, die womöglich am schwersten zu verwirklichen ist. Sie lautet: "Keine Panik! Bleiben Sie ruhig!"

Quelle: n-tv.de