Frage & Antwort

Frage & Antwort Wer hat das Geld erfunden?

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Einmal aus dem Vollen schöpfen ... Davon träumen nicht nur Lotto-Spieler.

(Foto: picture alliance / dpa)

Geld regiert die Welt, es stinkt nicht, aber Geld allein macht auch nicht glücklich, und wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert. – Wie man es auch dreht und wendet: Geld ist ein zentrales Thema der Menschheit. Wer hat uns das eingebrockt?

Man kennt ja diesen nicht ganz ernst gemeinten Spruch: Wer hat das Geld erfunden und warum so wenig? - Ich nehme an, wenn es mehr wäre, wäre es auch nicht gerechter verteilt. Aber kann man den ersten Teil der Frage beantworten? Weiß man, wo Geld zuerst in Umlauf kam? (fragt Werner M. aus Warstein)

Die Antwort auf diese Frage hängt ein wenig davon ab, was man unter Geld versteht. Denn im Grunde sind das nicht nur Münzen und Scheine. Geld ist alles, was man tauschen kann. Allerdings muss es als Tauschmittel anerkannt sein. So betrachtet, gibt es Geld wohl schon so lange, wie es Handel gibt. Und der setzte offenbar sehr früh ein: Wenn Archäologen auf Muschelschalen oder Feuersteine stoßen an Orten, wo diese natürlicherweise nicht vorkommen, deuten sie dies als Hinweis auf ur- oder frühgeschichtlichen Handel. Demnach gab es solche Tauschgeschäfte auf jeden Fall schon in der Jungsteinzeit. Bereits vor 7000 Jahren gelangten Feuersteine aus Bayern in die Gegend um Prag.

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Die Kaurimuschel war ein in Afrika, Süd- und Ostasien und der Südsee weit verbreitetes vormünzliches Zahlungsmittel.

"Naturalien und Schmuck, alle möglichen mineralischen, pflanzlichen oder tierischen Produkte, so zum Beispiel auch die bekannten Kaurimuscheln, sind die ältesten Geldformen", antwortet Alexander Engel vom Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Universität Göttingen auf unsere Leserfrage. "Erfunden im eigentlichen Sinn hat diese Geldform niemand."

Schnecken und Muscheln tauschte man in Afrika und China, Ringe und Schmuck im Südpazifik, in Mikronesien zahlte man mit Steinen, in Nordamerika mit Pelzen. Auch Pfeilspitzen, Reis und Salz waren als Tauschmittel geschätzt. In Tibet wurde noch bis 1950 oft mit Gerste oder Weizen bezahlt.

Tauschpartner gesucht

Wichtig war in jedem Fall, dass das Tauschmittel nicht verderben konnte und dass es nicht im Übermaß vorhanden war. Beides hätte seinen Wert geschmälert. Doch auch, wenn diese Bedingungen erfüllt waren, hatte die Sache mitunter einen Haken: "Was geschieht, wenn A einen Gegenstand hat, den B gern hätte, B aber nicht etwas ebenso Wertvolles, das A gern hätte?", formuliert Engel das Problem des direkten Warentauschs. Man fand einfach nicht immer den richtigen Tauschpartner. Deswegen dachten die Menschen über ein Tauschmittel nach, das alle annehmen konnten.

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Mittelalterliches Hacksilber. Münzen erwiesen sich als weitaus praktischer.

(Foto: Bullenwächter/Wikipedia/CC BY-SA 3.0)

"Im Lauf der Zeit wurde Edelmetallgeld immer wichtiger", erläutert Engel. "Es verdrängte die Naturalgeldformen, zumindest in Europa." Wie beim Natural- oder Schmuckgeld auch, tauschte man das Edelmetall in unterschiedlichen, angemessenen Mengen – je nachdem, was man dafür im Gegenzug bekam. So wurde es üblich, Edelmetallstücke zu verwenden, die man auf das passende Gewicht kleinhackte. "Daher kommt übrigens", sagt Engel, "die Bezeichnung Rubel, das Abgehauene. Der Begriff verweist auf Hacksilber."

Münzen: die praktische Portion

So weit, so gut. Doch es war einigermaßen mühsam, das wertvolle Metall immer erst kleinhacken und wiegen zu müssen, wollte man es gegen Ware tauschen. Um diese Prozedur zu umgehen, prägte man fortan Münzen. "Portioniertes Edelmetall war praktischer", erklärt der Wissenschaftler. "Die Stempelung der Münzen ist gleichsam eine Garantie, dass diese einen bestimmten Wert haben", so der Experte. "Das erspart einem das Wägen der Klumpen." Münzen haben eine immer gleiche Größe, das immer gleiche Gewicht - und sie können gezählt werden.

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Münze aus der Zeit von Krösus, Mitte des 6. Jahrhunderts v. Chr.

(Foto: Classical Numismatic Group, Inc. http://www.cngcoins.com/Wikipedia/CC BY-SA 2.5)

Die ältesten bekannten Münzen stammen aus Lydien, der heutigen Westküste der Türkei. Sie wurden, wie Engel erzählt, im ausgehenden 7. Jahrhundert vor Christus geprägt. (Der letzte König Lydiens war, nebenbei bemerkt, Krösus. Er wird auch heute noch gern mit Geld in Verbindung gebracht.) "In der Antike wurde Münzgeld schnell gebräuchlich", führt Engel aus. "In Europa galt es bis ins 19., im Grunde sogar bis ins 20. Jahrhundert hinein als das eigentliche Geld." Doch daneben entwickelten sich weitere Geldformen.

Papiergeld kam später

Im Oberitalien des 12. und 13. Jahrhunderts nämlich entstanden Wechsel - also Zahlungsanweisungen, mit denen Geldbeträge zwischen unterschiedlichen Orten mit unterschiedlichen Währungen transferiert werden konnten. Letztlich wurden damit Beträge zwischen Konten verschiedener Kaufleute oder Bankiers hin- und hergebucht. Zugleich konnten die Wechsel übertragen, das heißt ge- und verkauft werden. Ab dem 17. Jahrhundert zirkulierten sie in der ganzen europäischen Kaufmannschaft. Engel bringt auf den Punkt, was das bedeutete: "Es war der Beginn des bargeldlosen Zahlungsverkehrs."

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Chinesisches Papiergeld der Hongwu-Ära von etwa 1380.

Doch wo blieb das Papiergeld? In China hatte man es schon im 10. Jahrhundert erfunden. "In Europa gewinnt Papiergeld erst nach den Wechseln an Bedeutung", weiß der Experte. "Banknoten waren Quittungen für eingezahltes Münzgeld. Sie dienten als Stellvertreter für das, was man als eigentliches Geld verstand." Dennoch verselbständigte man das Papiergeld irgendwann. "Ab dem 19. Jahrhundert drängte es in den Vordergrund", so Engel. "Nominell konnte eine Note zwar gegen Edelmetall getauscht werden, das Papiergeld war aber nur noch teilweise durch Edelmetallreserven gedeckt." Heute ist es das gar nicht mehr.

Das also ist die Geschichte des Geldes. Die Abkehr vom direkten Warentausch hin zu heute üblichen Geldformen hat durchaus ihre Vorteile: Von Münzen und Scheinen weiß man, wie viel sie wert sind, sie lassen sich aufbewahren, und man kann sie auch zu einem späteren Zeitpunkt nutzen. Das alles stimmt vielleicht ein wenig milder, wenn das nächste Mal die Frage aufkommt, wer den Menschen die Sache mit dem Geld eigentlich eingebrockt hat …

Übrigens: Das erste "Falschgeld" soll es schon 2000 v. Chr. gegeben haben. Als Muscheln das erste Zahlungsmittel in China waren, gab es offenbar Fälle, in denen sie aus anderen Materialien nachgeahmt wurden. Man formte sie aus Knochen oder Stein.

Quelle: ntv.de

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