Frage & Antwort

Frage & Antwort, Nr. 203 Wie kommt die Luft in die Kokosnuss?

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Frische Kokosnuss von einer Plantage in Karkar, Papua-Neuguinea.

(Foto: picture alliance / dpa)

"Schon als ich klein war, verfolgte mich immer wieder die Frage: Wie kommt eigentlich die Luft in die Paprika? Und wie kommt sie in die Kokosnuss, deren Schale ja noch viel härter ist?" (fragt Janina Z. aus Filderstadt)

Eigentlich ist eine Paprika eine ziemlich unpraktische Frucht: Im Verhältnis zur Größe ist die Ausbeute für den Salat oder das Ofengemüse gering, vergleicht man es etwa mit Tomaten, Zucchini oder Gurken. Es ist einfach zu viel Luft drin! Warum sind Paprikas hohl, Tomaten aber nicht? Und wie kommt die Luft durch die noch viel härtere Schale der Kokosnuss?

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Christoph Neinhuis ist Professor für Botanik an der TU Dresden.

Beginnen wir mit der Paprika, denn dort ist der Vorgang ein recht simpler, wie uns Christoph Neinhuis von der Technischen Universität Dresden erklärt. "Sie kennen diese dünnen, weißen Stege, wenn sie eine Paprika aufschneiden", leitet der Botanik-Professor ein. "Man nennt sie Plazenta, wie bei uns Menschen auch. Über diese Plazenten werden die Samen der Früchte ernährt. Bei den meisten Beeren – und die Paprika ist eine Beere -, sind die Plazenten untereinander verbunden." Paprikas seien im Prinzip vergleichbar mit Tomaten, sagt Neinhuis. "Bei der Tomate wird der Hohlraum zwischen Plazenten und Fruchtwand mit Fruchtfleisch aufgefüllt."

Bei der Paprika hingegen, so der Experte, werde dieser Zwischenraum anders gefüllt. "Dort handelt es sich um Atemluft des Gewebes – um Gase also, die die Pflanze beim Wachstumsprozess produziert." Dieses Gas sei zwar vergleichbar mit unserer Atemluft, da es aus ähnlichen Komponenten zusammengesetzt sei. Direkt mit der Außenluft in Kontakt stünde es aber nicht.

Und … die Kokosnuss?

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(Foto: Wikipedia/Köhler)

Bei der Kokosnuss haben wir gleich zwei Mal "Luft". Denn das, was wir hierzulande im Supermarkt als Kokosnuss kaufen - braun, steinhart und faserig - ist nur der innere Kern der eigentlichen Frucht. "Die Frucht der Kokospalme besteht aus drei Schichten. Zum einen der Kern, den wir als Nuss bezeichnen, zum anderen die äußere braun-grüne Hülle, die sehr dünn ist. Und dazwischen gibt es ein sehr faseriges Gewebe, in dem Luft enthalten ist", erläutert Neinhuis.

Auch dieses braune Gewebe sei beim Wachstumsprozess lebend, grün und wasserhaltig. "Im Zuge des Reifeprozesses stirbt es jedoch ab, verliert das Wasser und schrumpft." Durch das Schrumpfen würden die Hohlräume, die entstehen, mit Luft von außen gefüllt. "Das Gewebe wird sehr locker und ist am Ende mit Luft gefüllt. So wird die Kokosnuss schwimmfähig", sagt der Botaniker. Hier ist es tatsächlich Außenluft, die ihren Weg in die Frucht findet.

Was aber ist mit dem harten Kern, der eigentlichen Nuss? Die Schale hier ist so dick und hart, dass keine Luft von außen eindringen kann. "Diese Luft wird durch Atmung erzeugt und ins Gewebe freigesetzt. Wächst die Nuss heran, dann wird ein Teil des Volumens durch Gas ausgefüllt", so Neinhuis. Ganz ähnlich also wie bei der Paprika.

Übrigens: In der Kokosnuss ist nicht nur Luft – der Kern beherbergt auch eine Flüssigkeit. Aber wie kommt die dort hinein? "Das Kokoswasser enthält zunächst die Nährstoffe, bevor diese sich in Form der weißen Kopra an der Schalenwand ablagern", sagt der Professor. Die Kokosmilch werde dadurch geschmacklich fad. "Die Flüssigkeit wird", so Neinhuis weiter, "über die Wurzeln aufgenommen und in die Früchte transportiert. Dort tritt es aus den Zellen aus und sammelt sich im Inneren der Frucht."

Quelle: n-tv.de

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