Frage & Antwort

Frage & Antwort Wie schlafen Wale?

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Erstmal Luft holen: Das muss bei Walen auch im Schlaf funktionieren.

(Foto: picture alliance / dpa)

Mein Enkelsohn hat kürzlich gelernt, dass Wale unter Wasser nicht atmen können. Jetzt fragt er mich, ob sie denn schlafen können, wenn sie zum Atmen immer wieder an die Wasseroberfläche müssen. Wie also kriegen Wale das hin? (fragt Renate P. aus Northeim)

Wale sind Säugetiere. Und das bedeutet unter anderem: Sie haben keine Kiemen, sondern atmen durch die Lungen. Sie brauchen also immer wieder eine Portion Sauerstoff aus der Luft. Unter Wasser halten Wale den Atem an - was ihnen teilweise sehr lange gelingt: Der Tauchgang eines Entenwals zum Beispiel beträgt bis zu zwei Stunden, der eines Pottwals immerhin 90 Minuten. Einige Furchenwale tauchen alle 40 Minuten auf, um Luft zu holen. Delfine - auch sie gehören zu den Walen - halten es auf der Jagd zuweilen eine Viertelstunde ohne einen Atemzug aus. Normalerweise aber lassen sie fünf bis zwölf Mal pro Minute Luft in ihr Blasloch strömen - wenn sie wach sind.

Der Schlaf ist für Wale tatsächlich eine besondere Situation, denn anders als der Mensch, atmen die Meeressäuger nicht unbewusst. Luftholen gehört bei ihnen nicht zum automatisch ablaufenden Körperprogramm. Wale müssen aktiv an die Wasseroberfläche schwimmen und atmen. Rechtzeitig. Geschieht das nicht, ersticken sie.

Schlafen mit dem halben Hirn

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Von Delfinen und Orcas weiß man: Sie schlafen mal mit der rechten und mal mit der linken Hirnhälfte.

(Foto: picture alliance / dpa)

Trotzdem schlafen auch Wale. Aber eben auf eine Weise, die gewährleistet, dass die Atmung auch in dieser Erholungsphase nicht zu kurz kommt. Bei Delfinen konnte man es nachweisen: Sie schlafen stets nur mit dem halben Gehirn. Die andere Gehirnhälfte bleibt wach. Nach etwa zwei Stunden wird getauscht, so kommt jede Hälfte mal zur Ruhe. Experten sprechen vom Halbhirn- oder Halbseitenschlaf. Er macht sich auch äußerlich bemerkbar: Die Tiere schließen im Schlaf nur ein Auge - das nämlich, welches der ruhenden Gehirnhälfte gegenüber liegt.

Die aktive Hirnseite sorgt dafür, dass Delfine auch im Schlaf Luft holen, nur etwas seltener als im Wachzustand: Schlafend atmen sie jede Minute mindestens einmal ein. Es können auch sieben Mal sein. Der Rhythmus ist grundsätzlich unregelmäßig.

Neben der Atmung hat der Halbseitenschlaf noch einen weiteren Vorteil: Feinde bleiben nicht unentdeckt. Mit dem wachen Auge werden sie auch im Schlaf weiterhin wahrgenommen. So können sich Delfine knapp unter der Wasseroberfläche tatsächlich recht entspannt ausruhen. Sie nutzen diese Möglichkeit etwa acht Stunden am Tag, allerdings mit Unterbrechungen.

Nur 90 Minuten Schlaf am Tag?

Auch von Orcas weiß man, dass sie nur mit einer Hirnhälfte schlafen. Bei Pottwalen hat man eine andere Beobachtung gemacht: Sie schlafen – zumindest zeitweise – eher wie wir: mit dem ganzen Gehirn, vollständig und tief. Allerdings nur für etwa 90 Minuten täglich. Ob die Tiere damit ihr gesamtes Schlafbedürfnis decken oder zusätzlich auch im Halbhirnschlaf wegnicken, ist noch ungeklärt.

Anderes aber ist bekannt: Neben Walen profitieren Seekühe, manche Robbenarten und auch Vögel vom Schlaf mit dem halben Hirn. So drücken auch Enten immer nur ein Auge zu. Mit dem anderen beobachten sie, was um sie herum vor sich geht. Mauersegler nutzen die halbseitige Ruhe offenbar besonders effektiv: Sie verbringen die Nacht in der Luft. Fliegend. Und Schlafend.

Übrigens: So verlockend es klingt, erlernen lässt sich der Halbseitenschlaf nicht. Der Mensch ist nicht dafür geschaffen. Es gibt jedoch Tiere, von denen man weiß, dass sie sowohl halbseitig als auch komplett wegdämmern können. So gönnen Seebären und -löwen an Land dem ganzen Gehirn eine Ruhepause, im Wasser aber bevorzugen sie den Halbhirnschlaf.

Quelle: ntv.de

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