Frage & Antwort

Frage & Antwort Wie träumen Blinde?

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(Foto: picture-alliance/ dpa)

Wie oder was träumt ein Mensch, der von Geburt an blind ist - also noch nie irgendetwas gesehen hat? (fragt Petra Fischer aus La Vega)

Bis vor nicht allzu langer Zeit galt es als "feste Lehrmeinung", dass von Geburt an blinde Personen keine "optischen" Träume haben. Die Wissenschaft ging davon aus, dass bei solchen Menschen in den Träumen vielmehr alle anderen Sinneseindrücke verarbeitet werden - Riechen, Hören, Tasten. Allerdings handelt es sich dabei durchaus um Träume mit Handlungen, in denen der Träumer selbst und auch andere Personen agieren, in denen der Träumer Gefühle verspürt. Also ganz "normale" Träume, abgesehen vom Fehlen optischer Eindrücke.

"In letzter Zeit ist man der Frage etwas gründlicher nachgegangen", erklärt Prof. Michael Wiegand, Leiter des Schlafmedizinischen Zentrums am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München. Erstaunt stellten die Wissenschaftler fest, dass zwar nicht alle, aber manche Blinde durchaus eine Art optischer Wahrnehmung im Traum haben. Wiegand hat einen Beweis: "Sie sind in der Lage, Personen oder Gegenstände, die im Traum vorgekommen sind, zu zeichnen - wenn auch einigermaßen ungelenk."

Selbstgemachte Farben

Prof. Michael Wiegand

Prof. Michael Wiegand

Zugleich konnten die Mediziner anhand der im Schlaflabor aufgezeichneten Hirnströme erkennen, dass die für die Verarbeitung optischer Sinneseindrücke zuständigen Bereiche der Hirnrinde während dieser Träume aktiv sind.


"Das bedeutet", erklärt Wiegand, "dass von Geburt an blinde Personen über die anderen Sinneskanäle so viele Informationen über die Beschaffenheit, äußere Form etc. von Gegenständen und Personen erhalten, dass das Gehirn selbständig in der Lage ist, daraus quasi einen Seheindruck zu 'produzieren' und auch als Zeichnung wiederzugeben."

Manche Blinde berichten in Gesprächen auch über so etwas wie Farbeindrücke. Sie sind jedoch nicht fähig, diese zu erklären oder gar darzustellen - verständlicherweise. Mit unserem Farbspektrum hat das wahrscheinlich wenig zu tun, meint der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie: "Offenbar kann das Gehirn den selbstproduzierten 'Seheindrücken' auch selbstgemachte Farben hinzufügen - die vermutlich ganz 'privater' Natur sind und nichts zu tun haben mit den Farben, die die Dinge in der 'realen Welt' haben."

Quelle: n-tv.de