Frage & Antwort

Frage & Antwort Wird die Sahara wieder grün?

Vor 9000 bis 6000 Jahren war die Sahara grün. Es war wärmer. Jetzt wird es durch den Klimawandel insgesamt wärmer. Wird die Sahara damit auch wieder grün? (fragt Julius P. aus Stuttgart)

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Die Sahara ist mit neun Millionen Quadratkilometern die größte Wüste der Erde.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Die Antwort ist leicht: Man weiß es nicht. "Dieser Analogieschluss ist umstritten", sagt Martin Claußen, Direktor am Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg und Professor für Allgemeine Meteorologie am Meteorologischen Institut der Universität Hamburg. Kompliziert wird es beim Hintergrund. Unbestritten ist, dass es eine grünere Sahara gab vom sogenannten frühen Holozän, also vor etwa 11.600 Jahren, bis zum mittleren Holozän. Dann, vor etwa 5500 Jahren, dehnte sich die Sahara auf ihre heutige Größe aus.

Unklar ist, wie rasch das passierte, erklärt Martin Claußen: "Es gibt Hinweise, dass die Sahara sich vor 5500 Jahren schnell, innerhalb weniger hundert Jahre ausgedehnt hat, aber es gibt auch Hinweise, dass Trockenphasen und Feuchtphasen wechselten, bevor die Sahara vor rund 4000 Jahren ihre heutige Gestalt annahm."

Warum war die Sahara grüner?

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In Wüsten bedeckt die Vegetation weniger als 5 Prozent der Oberfläche.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Es gibt durchaus Forscher, die den Analogieschluss ziehen und eine grüne Sahara erwarten. Claußen streicht eher die Unterschiede zwischen der heutigen Situation und dem mittleren Holozän heraus. Die Frage sei: Warum war die Sahara damals deutlich grüner als sie heute ist? Es hatte vor allem mit der Änderung der Erdbahn um die Sonne zu tun, erläutert Claußen. Im Gegensatz zum heutigen Klimawandel ist das ein ganz allmählicher Prozess: "Die Erde reagiert wie ein Kreisel, der sich im Weltraum dreht, und auf diesen Kreisel wirken Drehmomente, also Kräfte, die nicht im Massemittelpunkt der Erde angreifen - die Anziehungskraft durch die Sonne und die anderen großen Planeten. Wie jeder Kreisel fängt dann auch die Erde an zu taumeln." Dieses "Taumeln" geschieht sehr langsam; es sorgt dafür, dass sich die Exzentrizität, also die Ellipsenförmigkeit der Erdbahn mit einer Periode von gut 100.000 Jahren ändert und die Erdachse sich mit einer Periode von etwa 40.000 Jahren um wenige Grad hin und her bewegt. Auch die Länge der Jahreszeiten ändert sich dabei mit einer Periode von etwa 19.000 bis 23.000 Jahren.

Diese Veränderungen sorgen dafür, dass sich die geografische Verteilung der solaren Energieflüsse ändert. Im mittleren Holozän waren insbesondere die Sommer auf der Nordhalbkugel wärmer als heute. Dabei erwärmten sich die Landmassen im Jahresgang schneller als die Ozeane. Dies vergrößerte den Temperaturgegensatz zwischen Kontinent und Ozean im Sommer und verstärkte in Nordafrika den Monsun.

Das war der Anstoß, der zur Begrünung der Sahara führte, betont Claußen. Doch ein wichtiger Verstärkungsprozess war die Begrünung selbst: Da Vegetation wesentlich dunkler ist als Wüste, ändert sie den Strahlungshaushalt über der Wüste und damit die atmosphärische Zirkulation. Dadurch wurde der Monsun intensiviert, dass sich die Vegetation auch halten konnte.

Spekulationen für die Zukunft

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Martin Claußen ist Direktor am Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg und Professor für Allgemeine Meteorologie am Meteorologischen Institut der Universität Hamburg.

Heute findet zwar ebenfalls eine Erwärmung statt, doch aus anderen Gründen. Damit ist zwar klar, dass der einfache Analogieschluss zwischen dem Holozän und heute nicht funktioniert. Aber das heißt natürlich noch nicht, dass die Wüste nicht dennoch grüner werden könnte. Verschiedene Klimamodelle liefern unterschiedliche Ergebnisse, so Claußen, denn "der nordafrikanische Monsun ist ein komplexes Gebilde". Klar ist, dass in einem wärmeren Klima die Luft mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann und dass dies zu einer Intensivierung des nordafrikanischen Monsuns führen könnte. "Aber es gibt noch andere Faktoren, die dabei eine Rolle spielen", schränkt Claußen ein, "und die werden von den verschiedenen Modellen unterschiedlich dargestellt. Wir wissen einfach noch nicht, welches Modell die richtige Antwort der Klimadynamik über Nordafrika auf die globale Erwärmung gibt."

Claußen warnt übrigens vor der schlichten Annahme, der Klimawandel sei doch zu begrüßen, wenn er die Sahara begrüne. "Der Klimawandel ist ein globales Phänomen, er tritt in verschiedenen Regionen ganz unterschiedlich auf und hat ganz unterschiedliche Konsequenzen." Global gesehen werden vermutlich die negativen Folgen dominieren. "Insofern kann man nicht sagen, der Klimawandel ist positiv, nur weil es an einer Stelle netter wird. Das würde dem Thema nicht gerecht."

Quelle: n-tv.de

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