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Die Homininen aus der "Knochenhöhle" Sima de los Huesos lebten vor ungefähr 400.000 Jahren während des Mittleren Pleistozäns.
Die Homininen aus der "Knochenhöhle" Sima de los Huesos lebten vor ungefähr 400.000 Jahren während des Mittleren Pleistozäns.(Foto: dpa)
Donnerstag, 05. Dezember 2013

Fundsache, Nr. 1236: Mehr als 400.000 Jahre alte menschliche DNA

Einem Forscherteam gelingt ein sensationeller Erfolg bei der Entschlüsselung uralten menschlichen Erbguts. Es untersucht einen Knochenfund aus Spanien, der rund 400.000 Jahre alt ist - und damit rund 320.000 Jahre älter als die bislang älteste entschlüsselte Erbsubstanz des Denisova-Menschen aus dem Süden Sibiriens.

Evolutionsforscher haben erstmals 400.000 Jahre altes menschliches Erbgut entziffert. Es sei gelungen, eine nahezu vollständige mitochondriale Genomsequenz eines Homo heidelbergensis zu sequenzieren, berichtet ein Team um Matthias Meyer vom Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie im Fachjournal "Nature". Mitochondrien gelten als Kraftwerke der Körperzellen und besitzen eigenes Erbgut.

Für die Entschlüsselung uralter DNA brauchen Forscher heute nur noch minimale Knochenstücke.
Für die Entschlüsselung uralter DNA brauchen Forscher heute nur noch minimale Knochenstücke.(Foto: dpa)

Das zuvor älteste analysierte Erbgut von Homininen - modernen Menschen und seinen ausgestorbenen engen Verwandten - stammt nach Meyers Angaben von einem Neandertaler aus der belgischen Scladina-Höhle und sei etwa 100.000 Jahre alt. Älteres Erbmaterial sei bislang nur von Tieren in Permafrostgebieten gewonnen worden. Der nun analysierte Hominine aus einer nordspanischen Höhle ist der Analyse zufolge offenbar mit dem Denisova-Menschen verwandt, einem ausgestorbenen Verwandten des Neandertalers aus Asien.

Winzige Mengen Knochenpulver

Für die Gewinnung und die Sequenzierung stark degradierter uralter DNA entwickelten die Forscher des Max-Planck-Instituts nun neue Techniken: Aus einem Oberschenkelknochen des Homo heidelbergensis entnahmen sie die winzige Menge von zwei Gramm Knochenpulver. Daraus konnten sie DNA extrahieren und Erbinformationen herausfiltern. Die Höhle "Sima de los Huesos" (Knochengrube), in der 28 Skelette aus dem Mittleren Pleistozän gefunden wurden, wird seit gut 20 Jahren von einem spanischen Forscherteam untersucht.

Die Leipziger Wissenschaftler verglichen die mitochondriale DNA (mtDNA) mit der von Neandertalern, Denisova-Menschen, Menschenaffen und heute lebenden Menschen. Ergebnis: Der untersuchte Hominine aus Nordspanien müsse vor 700.000 Jahren einen gemeinsamen Vorfahren mit dem Denisova-Menschen gehabt haben.

Verwandtschaftsverhältnisse unklar

"Dass die mtDNA des Homininen aus Sima einen gemeinsamen Vorfahren mit der mtDNA des Denisova-Menschen und nicht mit der des Neandertalers teilt, überrascht uns, denn die Fossilien aus der 'Sima de los Huesos' weisen Merkmale auf, die vom Neandertaler zu stammen scheinen", erklärte Meyer.

"Dieses unerwartete Ergebnis deutet auf ein kompliziertes Evolutionsmuster hinsichtlich der Entstehung von Neandertalern und modernen Menschen", erklärte Juan-Luis Arsuaga, Direktor des Forschungszentrums zur Evolution und zum Verhalten des Menschen. Nun sind weitere Studien nötig, um die Verwandtschaft zwischen den Homininen aus Nordspanien, den Denisova-Menschen und den Neandertalern zu klären.

Quelle: n-tv.de

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