Fundsache

Fundsache, Nr. 1336 Skelettteile in Schiffswrack in der Ägäis

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Die Oberschenkelknochen haben wahrscheinlich einer männlichen Person gehört.

(Foto: youtube, antikythera.whoi)

Unterwasser-Archäologen bergen aus einem 2000 Jahre alten Schiffswrack Teile eines menschlichen Skeletts. Die Analyse der Knochen könnte einige offene Fragen nicht nur zur Person, sondern auch zum antiken Schiff vor Antikythera beantworten.

Es muss mit 50 Metern Länge vor mehr als 2000 Jahren das größte Frachtschiff seiner Zeit gewesen sein, bis es vor der griechischen Insel Antikythera in der Ägäis sank. Unterwasser-Archäologen haben nun menschliche Überreste in diesem antiken Schiffswrack gefunden, berichtet das Wissenschaftsmagazin "Nature".

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Die Taucher konnten in 50 Meter Tiefe beide Oberschenkel-, einen Armknochen, mehrere Rippen und einen fast vollständigen Schädel mit Zähnen bergen. Alle Skelettteile lagen etwa einen halben Meter tief im Meeresboden unter Sand und Tonscherben. Die Forscher halten es für möglich, dass weitere Knochen im Meeresgrund verborgen liegen. Ob das so ist, soll in einem nächsten Tauchgang untersucht werden.

Kaum Skelettfunde im Meer

Die jahrtausendealten Knochen sind eine archäologische Sensation, weil Skelettfunde im Meer äußerst selten sind. In den meisten Fällen werden die sterblichen Überreste weggespült oder von Meeresbewohnern aufgefressen. "So etwas haben wir noch nie gesehen", betont Brendan Foley, Meeresarchäologe am Woodshole Institut für Meereskunde in Massachusetts. Das Skelett sei eine erste Verbindung zu den Menschen, die an Bord des Schiffes segelten und starben, so Foley.

Die bereits am 31. August diesen Jahres aufgestöberten Knochen sind in einem relativ guten Zustand, allerdings teilweise mit Ablagerungen überzogen. "Die Knochen sehen nicht so aus, als wären sie 2000 Jahre alt", freut sich Hannes Schroeder, der hinzugezogene Experte für alte DNA am Dänischen Museum für Naturkunde in Kopenhagen. Er hat die Aufgabe, den Knochen genetische Informationen zu entlocken und diese zu analysieren. Zum Glück sei das sogenannte Felsenbein am Schädel noch gut erhalten. Darin könne das Erbgut besser erhalten sein als in anderen Skelettteilen oder in den Zähnen, so Schroeder.

Luxusgüter an Bord

Die erfolgreiche Bestimmung der DNA könnte nicht nur Aufschluss über die wahrscheinlich männliche Person, deren Herkunft und einige Aspekte seines Lebens geben, sondern auch Informationen über die Schiffsbesatzung und im besten Falle über den 50 Meter langen antiken Frachter liefern, der aus dem ersten Jahrhundert vor Christus stammt. Aus dem Wrack des imposanten Handelsschiffs wurden bereits Mamorstatuen, ein drei Meter langer Bronzespeer, Keramik und die bronzene Armlehne eines Throns geborgen. Für die Archäologen am wertvollsten und gleichzeitig am rätselhaftesten allerdings ist das Gerät, das als Mechanismus von Antikythera bezeichnet wird und ein hochkomplexes Modell des Sonnensystems aus der Antike darstellt.

Das Wrack des antiken Handelsschiffes mit seinen Luxusgütern wurde 1900 zufällig von Schwammtauchern entdeckt. Einige Forscher sind der Überzeugung, dass das Schiff Beutegut aus Griechenland nach Rom bringen sollte. Dafür sprechen das Ulmenholz, aus dem die Schiffsplanken bestehen und die ein Hinweis auf eine römische Bauart sind. Und ein zweites antikes Wrack, das nur einige 100 Meter vom Antikythera-Wrack entfernt liegt. Die Schiffe könnten Teile eines Konvois gewesen sein.

Quelle: n-tv.de, jaz/AFP

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