Herr Achatz, Untersuchungen besagen, dass Unternehmen mit nachhaltiger Ausrichtung in der aktuellen Krise besser aufgestellt sind. Auf welchen Feldern muss man heute forschen, um für die Zukunft gerüstet zu sein?
Achatz: Wir haben bei Siemens schon vor Jahren unsere Strategie an fundamentalen Megatrends ausgerichtet, etwa am Klimawandel und der Ressourcenknappheit. Aus beiden folgt, dass Lösungen für Umweltschutz und Energieeffizienz eine große Zukunft haben werden. Rund eine Milliarde Euro haben wir 2008 in die Entwicklung grüner Technologien gesteckt – das reicht von der Materialforschung für Strom sparende Leuchtdioden oder hocheffiziente Turbinen über Methoden zur Abtrennung von CO2 aus fossil befeuerten Kraftwerken, Software für Energiemanagement oder Industrieanlagen bis zur Integration von Elektroautos in die Stromnetze von morgen.

Im Bereich grüner Technologien könnten bis 2030 rund eine Million neue Arbeitsplätze in Deutschland entstehen. Welche Berufe haben die besten Aussichten?
Achatz:
Für „Green-Collar-Jobs“ braucht man Ingenieure, die immer mehr Leistung aus Wind- oder Gasturbinen herauskitzeln können, ebenso wie Sensorspezialisten und Materialwissenschaftler und Software-Entwickler, die ihre Programme für die jeweiligen Anwendungen maßschneidern. Oder auch Simulationsexperten, die neue Produkte vorab am Computer durchspielen, Fachleute für ganzheitliche Ökobilanzen und selbst Biologen, die das Vorbild der Natur für neue technische Lösungen nutzen. Sie sehen – eine enorme Bandbreite an Chancen!

Als größter grüner Infrastrukturanbieter der Welt ist Siemens auf hoch qualifizierte Forscher und Ingenieure angewiesen. Können Sie hierzulande noch ausreichend Nachwuchs rekrutieren?
Achatz: Die deutsche Forschungslandschaft ist sehr vielfältig und auf vielen Feldern weltweit führend – die Umwelttechnologien gehören sicherlich dazu. Wichtig ist aber, dass die akademische Welt und die Industrie noch näher zusammenrücken, dass interdisziplinäres Denken und das Arbeiten in internationalen Teams gefördert werden.

Werden F&E-Abteilungen künftig in Länder wie China, Russland oder Indien verlagert?
Achatz: Ein weltweit tätiges Unternehmen wie Siemens muss an den Hotspots der Forschung aktiv sein, nicht zuletzt, um weltweit die besten Köpfe zu gewinnen und die Bedürfnisse der Kunden vor Ort besser bedienen zu können. Doch dies geht nicht auf Kosten der Forschung hierzulande – entscheidend ist, dass man das weltweite Netzwerk der Kompetenzen klug ausbaut und zum Nutzen aller einsetzt.

Janina Peters


Reinhold Achatz, Leiter der zentralen Forschung bei SiemensReinhold Achatz steht seit 2006 an der Spitze der zentralen Forschungsabteilungen der Siemens AG. Er startete 1980 als Software-Ingenieur, bevor er ab 2000 drei Jahre lang das Automatisierungs- und Softwaregeschäft von Siemens in den USA leitete.




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„Eine enorme Bandbreite an Chancen“
Interview mit Reinhold Achatz, Leiter der zentralen Forschung bei Siemens
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Eine Sonderveröffentlichung der Siemens AG zur „Expedition Zukunft“, erschienen in Ausgabe 31/09 vom 27.07.2009

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