Daniil Medwedew leidet: "Als ich das Ergebnis sah, habe ich mich schrecklich gefühlt, denn ich glaube, ich war noch nie auch nur annähernd in einer solchen Situation", sagte der Tennisprofi nach seiner Disqualifikation beim Turnier in Peking. "Also ja, das Wichtigste ist, ich hoffe, dass es ihm gut geht, denn bei solchen Situationen weiß man ja nie."
Der Russe hatte kurz zuvor in seinem Duell gegen Novak Djokovic beim Stand von 5:7, 3:5 und 15:15 einen Ball ins Publikum geschossen und dabei einen Zuschauer im Gesicht getroffen. Der Mann musste unter offensichtlichen Schmerzen aus dem Stadion geführt werden. Medwedew wurde daraufhin disqualifiziert und Djokovic zum Sieger erklärt.
Anschließend fand Medwedew klare Worte: "Es tut mir furchtbar leid, denn ich hoffe einfach nur, dass es ihm gut geht. Das ist das Wichtigste. Den Rest lassen wir hinter uns. Er liegt mir im Moment einfach sehr am Herzen. Hoffentlich kann ich ihn treffen und es irgendwie wieder gutmachen", verkündete der ehemalige Weltranglistenerste nach seinem Fauxpas.
Medwedew leistet sich immer wieder Ausraster, zertrümmert Schläger oder schimpft mit dem Schiedsrichter. Ja, "ich mache viele Fehler. Aber normalerweise gehört es nicht zu meinen Gewohnheiten, den Ball zu misshandeln."
Der Vorfall, der nun zur Disqualifikation führte, sei "zu 100 Prozent ein Unfall gewesen. Man kann sehen, dass ich den Ball nicht aus Wut schlage." Tatsächlich zeigen TV-Bilder deutlich, dass der oft wütende Medwedew in der Situation, die so böse für die Beteiligten endete, eher beherrscht wirkte und den Ball offensichtlich ohne Absicht spielte.
Teurer Zwischenfall
Der Ball war nach einem Volley-Winner von Djokovic von der Werbebande in Medwedews Richtung zurückgeprallt, der Russe wollte ihn aus dem Feld spielen - und traf den Zuschauer in der ersten Reihe. Nach einem kurzen Gespräch mit dem Schiedsrichter Mohamed Lahyani und einem ATP-Vertreter ging Medwedew zum Netz, um Djokovic die Hand zu schütteln.
"Es war ein schreckliches Gefühl, denn, noch einmal, so etwas mache ich normalerweise nicht. Ich wollte nicht zuschlagen … Ich meine, man sieht doch, dass in diesem Moment keinerlei Wut im Spiel ist. Es ist auch keine besondere Frustration. Ich habe nicht hart zugeschlagen." Er werde versuchen, Kontakt zu dem verletzten Zuschauer aufzunehmen, "falls er das möchte. Hoffentlich kann ich mich persönlich bei ihm entschuldigen und sehen, wie es ihm geht."
Die Disqualifikation kostet Medwedew nicht nur das Match, sondern auch das durch den Halbfinaleinzug erspielte Preisgeld in Höhe von rund 200.000 Euro. Außerdem könnte die ATP noch eine zusätzliche Strafe verhängen.


