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Wie der Stoff nach Deutschland kommt: Auf der Spur der Drogen

Von Johannes Graf

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Hunderttausende Deutsche begeben sich Tag für Tag, Woche für Woche in die Illegalität. Auf der Straße, an den Ecken oder vermittelt über Bekannte auf direktem Weg beziehen sie gegen Geld illegale Drogen von Dealern, die sie mit dem Stoff versorgen, der zumeist einen weiten Weg hinter sich hat. (Foto: picture alliance / dpa)

Hunderttausende Deutsche begeben sich Tag für Tag, Woche für Woche in die Illegalität. Auf der Straße, an den Ecken oder vermittelt über Bekannte auf direktem Weg beziehen sie gegen Geld illegale Drogen von Dealern, die sie mit dem Stoff versorgen, der zumeist einen weiten Weg hinter sich hat.

Hunderttausende Deutsche begeben sich Tag für Tag, Woche für Woche in die Illegalität. Auf der Straße, an den Ecken oder vermittelt über Bekannte auf direktem Weg beziehen sie gegen Geld illegale Drogen von Dealern, die sie mit dem Stoff versorgen, der zumeist einen weiten Weg hinter sich hat.

Jeder vierte Deutsche hat Erfahrungen mit Drogen, fünf Prozent sind regelmäßig dabei. Die meisten von ihnen kiffen oder koksen, nur wenige nehmen Heroin - wohl auch, weil es eine der verheerendsten illegalen Drogen ist. Doch woher kommen diese drei bekanntesten Drogen? Wie werden sie angebaut, verarbeitet, transportiert?

Cannabis - Gras, Marihuana oder Haschisch - ist die mit Abstand am weitesten verbreitete Droge in Deutschland.

Doch bevor deutsche Kiffer den Stoff inhalieren, muss er einen weiten Weg hinter sich bringen.

Die Geschichte beginnt hier, im marokkanischen Hinterland - zumeist mindestens. Denn bis zu 80 Prozent des Cannabis', das in Deutschland konsumiert wird, stammt aus dem nordafrikanischen Staat.

Hier wächst die Hanfpflanze, aus der die Droge gewonnen wird, gut - wie das recht anspruchslose Gewächs fast überall gedeiht.

Nach der Ernte verarbeiten es die Bauern hier zumeist sofort weiter zum Endprodukt. Die getrockneten Blüten und Blätter finden als Gras den Weg in deutsche Tüten.

Als gepresstes Harz der Blütenstände ist aber Haschisch mindestens ebenso beliebt.

In großen Mengen schicken es Zwischenhändler von Marokko aus auf die weite Reise nach Europa.

Der klassische Weg führt dann durch die Straße von Gibraltar, an der engsten Stelle liegen hier nur 14 Kilometer zwischen den beiden Kontinenten. Die spanische Küstenwache hat hier alle Hände voll zu tun. Rund 50 Prozent des in Europa beschlagnahmten Haschischs ziehen die spanischen Behörden aus dem Verkehr. Aber auch über Portugal finden die Drogen ihren Weg in die EU.

In der Regel wird die Ware auf kleineren Jachten, die zwischen den Kontinenten verkehren, versteckt.

Aber auch auf Schiffen, die Waren nach Europa bringen, versuchen die Schmuggler ihr Glück. Hier haben sie zum Beispiel unter dem gefrorenen Fisch Haschischplatten versteckt - ohne Erfolg.

Werden die Schmuggler nicht wie hier erwischt, wird der Stoff auf dem Festland umgeladen und auf dem Landweg über Frankreich und die Niederlande weiterverteilt und gelangt so nach Deutschland. Trotz der in der EU geltenden Freizügigkeit des Schengener Abkommens ist der Transport nicht ganz ohne Risiken. Immer wieder gehen der Polizei in den Transitländern solche mit Haschisch und Marihuana vollgestopfte Fahrzeuge ins Netz.

Doch auch in Lkw, hinter legalen Waren verborgen, werden die Fahnder fündig. In diesem Fall in Niedersachsen hatte der Fahrer 2,6 Tonnen Haschisch geladen.

Beliebt ist auch die Distribution mit der guten alten Post, zumindest, wenn es sich um kleinere Mengen handelt. Doch auch hier schlägt oft der Zoll zu.

Um den Risiken beim Schmuggel - und den damit verbundenen Kosten - zu entgehen, hat in den vergangenen Jahren der Marihuana-Anbau im Inland zugenommen.

Gemeint ist nicht der private Anbau im Schlafzimmer, sondern der Betrieb riesiger Gewächshäuser. Das BKA gibt an, dass alleine 2012 insgesamt 665 solcher Indoor-Plantagen aufgeflogen sind. Aber auch im Freien wird zunehmend Cannabis angepflanzt.

Auf deutschen Feldern kommen diese Sträucher dagegen nicht vor: Die Koka-Pflanze und die daraus gewonnenen Produkte sind nämlich fast ausschließlich südamerikanische Exportschlager.

Vornehmlich in Kolumbien, Peru und Bolivien ist Koka eine traditionelle Kulturpflanze, die in den Anden seit Jahrhunderten als Nahrungsmittel und für kultische wie medizinische Zwecke verwendet wird.

Die Menschen kauen Koka-Blätter oder nehmen sie als Tee aufgekocht zu sich. Die Pflanze vertreibt Hunger, Müdigkeit und Kälte. Kein Wunder, denn ein Koka-Blatt besteht zu 0,5 Prozent aus den Alkaloiden, die es auch für den Drogenmarkt so wertvoll machen. Diese Alkaloide werden im Labor in verschiedenen Schritten in Kokain umgewandelt.

Einem deutschen Chemiker haben die Drogendealer dieser Welt eine Menge zu verdanken: Im gelang es Mitte des 19. Jahrhunderts, aus Koka-Blättern das Kokain in kristalliner Form zu isolieren. Seither ist es lange Zeit in der Medizin angewendet worden, in frühen Rezepturen von Coca-Cola war der Stoff enthalten, bis allmählich die Gefährlichkeit des Kokains erkannt wurde.

Denn Kokain hat nicht nur positiv empfundene Wirkungen - stimmungsaufhellend, aktivitätssteigernd und ein Hunger und Müdigkeit unterdrückend. Es hebt auch den Blutdruck an, im schlimmsten Fall führt das zu Herzrhythmusstörungen oder Herzanfällen. Kokainkonsumenten essen und schlafen häufig zu wenig mit allen bekannten Begleiterscheinungen - Mangelernährung, Halluzinationen und andere psychische Probleme.

Doch zurück nach Lateinamerika: In den meisten Staaten versuchen die Regierungen seit Jahren auf Druck der USA, den Anbau von Koka zu unterbinden. Und wenn Plantagen gefunden werden, ...

... werden sie von Spezialeinheiten vernichtet.

Doch im Hinterland, tief im kolumbianischen Dschungel etwa, finden sich etliche unentdeckte Felder, an die zumeist das angeschlossen ist, das nur dem Namen nach nach Professionalität klingt: das "Labor".

In Holzverschlägen wie diesem vollziehen die Bauern den ersten Verarbeitungsschritt nämlich zumeist selbst. Die kleingehäckselten Pflanzen übergießen sie mit Benzin, um die Alkaloide herauszulösen. Der verbliebene braune Brei wird mit Natriumbikarbonat behandelt, es bleibt Kokapaste mit einem Gehalt von 35 Prozent.

Großhändler kaufen die Paste, transportieren sie in etwas gehobenere Labors. Hier wird die Paste in einem recht unkomplizierten chemischen Verfahren in das weiße Pulver verwandelt, das auf dem Weltmarkt so gefragt ist.

Von hier aus macht sich die Droge dann auf den Weg nach Europa. Jährlich werden aus Südamerika zwischen 150 und 170 Tonnen Koks nach Europa geschafft.

Zumeist wird der Stoff in Containerschiffen transportiert. Beliebt ist es dabei, die Päckchen mit dem "Schnee" in Obstkisten unter Bananen oder anderen Früchten zu verbergen und am Bestimmungsort wieder aus der Ladung zu nehmen.

Es gibt drei Routen, die die Schmuggler bevorzugen: Entweder sie schicken die Ware so auf direktem Weg nach Europa - zumeist kommt sie dann in den Häfen Spaniens und Portugals an. Oder die Drogen werden zunächst nach Westafrika verschifft und dann über Land, über die Meerenge von Gibraltar und von Südwesteuropa Richtung Norden geschafft.

Eklatant ist übrigens die Wertentwicklung der Drogen je nach Transportstatus. Bei Kokain gilt: Für ein Kilo Kokain bekommt der Bauer in Kolumbien umgerechnet rund 1300 Euro. Der Zwischenhändler im Land kassiert dafür schon 4000 Euro. Großdealer in Europa berappen dafür 30.000 Euro. Und auf der Straße zahlen Konsumenten rund 400.000 Euro dafür - gesetzt, der Stoff ist nicht noch gestreckt worden; die Summen gelten für reinen Stoff.

Ähnliche Preisentwicklungen vollzieht auch der Stoff, der aus dieser schönen Pflanze gewonnen wird. Schlafmohn enthält Opium, den Grundstoff für die Weiterverarbeitung in Morphin.

Durch ein chemisches Verfahren gewinnen Drogenproduzenten daraus wiederum das halbsynthetische Heroin - eine der teuflischsten Drogen, die es gibt.

Schlafmohn steht vor allem auf Feldern in Ländern des sogenannten "Goldenen Halbmonds" - Afghanistan (im Bild), Pakistan und Iran. 90 Prozent des weltweit verkauften Heroins stammen von hier.

Aber auch andere Staaten wie Birma, Laos und Thailand - das "Goldene Dreieck" - oder Mexiko und Kolumbien mischen auf dem Markt mit.

Üblich ist es, dass der Schlafmohn in den Anbauländern auch gleich zu Morphin oder Heroin weiterverarbeitet wird - hier fliegt die Drogenmafia dann auch häufig auf. Eine unrühmliche Rolle spielt aber auch die Türkei. Auf dem Weg vom Mittleren Osten nach Europa verwandeln Kriminelle hier oft Morphin in Heroin.

Denn hier entlang verläuft die wichtigste Schmuggelroute: aus dem Mittleren Osten über die Türkei und die Balkanländer Richtung Norden nach Europa. Alternativ wird das Heroin über den Kaukasus auf den Balkan oder über Russland und Osteuropa nach Westen geschmuggelt.

Vereinzelt kommt der Stoff auch per Luftfracht. Egal wie, die Schmuggler lassen sich immer etwas Neues einfallen. Besonders originell: In diesem Fall wurden 4,5 Kilo in Teppiche eingewebt.

Weiteres Beispiel: In diesen Säcken verbirgt sich nicht wirklich Hundefutter.

Apropos Hunde: Diese süßen Welpen waren mehr wert als gedacht. Drogenschmuggler haben ihnen Päckchen mit flüssigem Heroin implantiert.

Dies ist nicht der Inhalt des Koffers eines ordentlichen Menschen. Die schicken Jeans ...

... haben es nämlich tatsächlich in sich.

Wie auch immer das Heroin ins Land kommt, auf den deutschen Straßen wird es dann so gehandelt. In kleine Kügelchen portioniert, versorgen sich die Konsumenten mit dem Stoff, ...

... den sie sich dann in die Venen jagen. Und das mit fatalen Folgen: Heroin hat das höchste Abhängigkeitspotenzial aller bekannten Drogen, verbunden mit allen gesundheitsgefährdenden Begleiterscheinungen: Verwahrlosung, Infektionen und schließlich der Gefahr einer tödlichen Überdosis.

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