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Das Schicksal spielt ihm übel mit, es schubst ihn gnadenlos herum. Das Leben ist ihm - ächz, stöhn, seufz - ein einziger Verdruss.
Doch Donald Duck, der große Unglücksvogel der Popkultur, erträgt die Gemeinheiten mit Wärme, Witz und Weltklugheit. (Und schafft es manchmal sogar auf ein Ölgemälde von Gottfried Helnwein)
Immerhin konnte der liebenswerte Dauerverlierer am 9. Juni 2009 seinen 75. Geburtstag feiern.
Die Popularität des Erpels aus der Produktion des US-Comiczeichners Walt Disney ist ungebrochen.
Seine allzu menschlichen Unzulänglichkeiten machen den Bürzelträger so sympathisch – bei Jungen …
… und nicht mehr ganz so Jungen. (Hier der Comicübersetzer Peter Daibenzieher)
Sein Debüt absolvierte Donald Duck am 9. Juni 1934 in dem Disney-Kurzfilm "Little Wise Hen". Allerlei Geflügel trieb sich dort herum. (Titel aus dem Jahr 1935 - Donald Duck ist hier zum ersten Mal auf einer amerikanischen Comic-Zeitung zu sehen)
Die Ente Donald spielte nur die Nebenrolle eines arbeitsscheuen Knechts, den das Schicksal für die Faulheit bestraft. Dieses Motiv ist seither in tausendfacher Abwandlung konstant geblieben.
1937 begann Donalds Solokarriere in einer eigenen Cartoon-Serie. Der tragische Held watschelt fortan durch ein Paralleluniversum namens Entenhausen, in seinem kleinen Leben zeigt sich Größe.
Der einfältige, aber herzensgute Pechvogel meistert den Alltag längst nicht mehr allein. Schon 1937 überlässt ihm seine Schwester die drei Söhne sozusagen zur Brutpflege. Gewitzt und frech hacken Tick, Trick und Track auf dem Onkel herum. Mit Daisy Duck bekommt Donald eine weibliche Gefährtin.
Wie intim das Verhältnis der beiden Enten ist, …
… wird in den züchtigen Comics freilich nie ganz ausgeleuchtet. (Mit Christina Aguilera)
1947 dann tritt erstmals der steinreiche Geizhals Onkel Dagobert auf ("Lieber reich und gesund als arm und krank"). In den 60er Jahren folgen Vetter Gustav Gans und Erfinder Daniel Düsentrieb hinzu. (Der legendäre Dagobert-Zeichner Don Rosa, der auch dessen Biographie zeichnete)
Für den Comic-Schöpfer Disney war Donald von Anfang an ein Anti-Held. (Blick ins Donald Duck Museum in Schwarzenbach an der Saale in Oberfranken)
Die sechs Jahre zuvor geschaffene Figur Micky Maus war längst zum Kinderliebling geworden, Disney wollte eine negativere, weniger brave Figur.
Disneys legendärer Zeichner Carl Barks – der Dagobert Duck erfand - …
… brachte die Idee zur Vollendung.
In Deutschland fand Donald Duck in der vor vier Jahren gestorbenen Erika Fuchs (hier mit Barks) eine geniale Übersetzerin.
Den vielen versteckten literarischen Verweisen der geistreichen Kunsthistorikerin ist es zu verdanken, dass Donald in Deutschland - anders als in den USA - einen gewissen intellektuellen Anspruch hat. (Der Vogel ist übrigens ein "ostsibirischer Korjakenknacker")
Resignierte Weltschwere zeigt sich in Fuchs' Entenprosa, wenn Donald etwa beim Blick auf einen Fluss in einer Denkblase sinniert: "Wie das rinnt und rieselt! Dahin, dahin! So zerrinnen die Träume, so verrauscht das Glück!" Im englischen Original hört sich das banaler an.
Die US-Schriftstellerin Susan Barnofski stellte kürzlich in einem Beitrag für das "Wall Street Journal" überrascht fest: "Die Deutschen sehen in Donald eine Tiefe und Komplexität, die dem Publikum seines Heimatlands nicht sofort ersichtlich ist." (Mit dem Zeichner Vicar)
In seinen 75 Lebensjahren haben wir einiges über Donald Duck erfahren: Er hat mehr als 100 Berufe ausgeübt, aber in keinem davon Erfolg gehabt.
Ständig plagt ihn Geldnot, die regelmäßigen Wutausbrüche mit Gequake und Geschnatter helfen ihm nicht weiter.
Viele Fragen aber bleiben offen: Warum hat Donald immer ein Matrosenhemd, aber nie eine Hose an?
Warum gibt es dort Enten mit Zähnen im Schnabel?
Und wie viel Euro sind eigentlich eine Fantastilliarde Taler?
Längst mühen sich Donald-Fans um eine wissenschaftliche Klärung dieser Fragen, in Deutschland hält der Experten-Verein D.O.N.A.L.D. (Deutsche Organisation nichtkommerzieller Anhänger des lauteren Donaldismus) regelmäßig Kongresse dazu ab. (Uwe Mindermann, der Organisator des "Donaldisten-Kongresses" 1999)
Sie legen dabei einen Wissensdrang an den Tag, den Donald Duck in seinen Comic-Geschichten selbst nie hat erkennen lassen. (Gerhard Seberin, Initiator des Donald Duck Museums in Schwarzenbach an der Saale in Oberfranken)
Und auch in der Mode …
… und in der gestalterischen Kunst hat Donald mittlerweile einen festen Platz.
Der Erpel wird in Entenhausen also weiter mit Geduld den Unwägbarkeiten des Lebens trotzen und dabei sicherlich auch noch den 100. Geburtstag erleben - schnatter, jubel, klatsch! (Spielfiguren von Charlie Chaplin und Donald Duck, gefertigt vor dem Zweiten Weltkrieg von der deutschen Firma Schuco)
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