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Montag, 21. Februar 2011

Terrorist, Diktator und Exzentriker: Libyens Staatschef Muammar al-Gaddafi

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Libyens Herrscher Muammar al-Gaddafi gerät in Bedrängnis. (Foto: REUTERS)

Libyens Herrscher Muammar al-Gaddafi gerät in Bedrängnis.

Libyens Herrscher Muammar al-Gaddafi gerät in Bedrängnis.

In aller Welt protestieren Demonstranten gegen ihn ...

... und fordern den Rücktritt des "Schlächters von Libyen".

Auch in Libyen, wie hier in Bengasi, begehren die Menschen trotz des allgegenwärtigen Sicherheitsapparates auf.

Unter den arabischen Herrschern ist der als launisch geltende "Bruder Führer" nicht nur der dienstälteste, ...

... sondern mit Abstand auch der exzentrischste.

Auf Reisen ist immer sein Beduinenzelt dabei, was allerdings durchaus luxuriös ausgestattet ist.

Auch grillt er schon mal im Garten des Kreml in Moskau - ...

... bewacht von seinen Leibwächterinnen. Und manchmal reist auch ein weibliches ...

... Kamel mit, damit es zum Frühstück frische Stutenmilch gibt.

So putzig dies alles scheinen mag, so bitterernst ist es für das libysche Volk, ...

... das Gaddafi seit mehr als 40 Jahren eisern im Griff hat.

Am 1. September 1969 führt Muammar al-Gaddafi in Libyen einen erfolgreichen und unblutigen Militärputsch durch. Er fährt mit solch einem babyblauen VW-Käfer vor dem Schloss des Königs vor ...

... und erklärt den Monarchen Idris Al-Sanussi (im Bild), der zu dieser Zeit aus gesundheitlichen Gründen im Ausland war, kurzerhand für abgesetzt. Libyen deklariert er zur "islamischen Republik". Von diesem Zeitpunkt an liegt die Macht im Land in den Händen Gaddafis: Er ernennt sich zum Staatsoberhaupt und bezeichnet sich fortan als "Revolutionsführer".

Gaddafi beginnt in den Folgejahren, Libyen in einen sozialistischen Staat umzuwandeln. Größere Privatunternehmen enteignet er, Ausländer verweist er des Landes. (Im Bild: Gaddafi 1970 in Tripolis.)

Wie auch sein großes Vorbild, der ägyptische Präsident Gamal Abdel Nasser (im Bild), bemüht er sich um eine Union aller arabischen Staaten. Schon Anfang der 70er Jahre strebt er eine Staatsunion mit Ägypten und Syrien, später auch mit Tunesien an. Die Projekte scheitern - nicht zuletzt an Gaddafis Führungsanspruch.

Gaddafi schafft eine Art "islamischen Sozialismus". Alleinige Quelle des Rechts im libyschen Staat ist bis heute der Koran.

Weil der Libyer den nördlichen Wüstenstreifen des Tschad beansprucht, marschieren 1977 libysche Truppen über die Grenze.

Trotz eines Waffenstillstandes, den die beiden Länder 1987 vereinbaren, ziehen sich Gaddafis Soldaten erst 1994 aus dem Tschad zurück.

1979, zehn Jahre nach seinem Putsch, tritt Muammar al-Gaddafi von allen seinen Staatsämtern zurück. Offiziell übernimmt nun eine so genannte "Allgemeine Volkskonferenz" die Legislative im Land.

Der eigentliche Machthaber bleibt aber Gaddafi.

Er führt sein Land nach und nach in die außenpolitische Isolation. Libyen wird vor allem in den 80er und 90er Jahren immer wieder verdächtigt, an Terroranschlägen beteiligt gewesen zu sein.

Nach einer Attentatsserie, unter anderem auf die Berliner Diskothek "La Belle" im Jahr 1984, ...

... verhängen die USA unter ihrem damaligen Präsidenten Ronald Reagan 1986 einen Wirtschaftsboykott gegen das nordafrikanische Land. Aber nicht nur das.

Die Vereinigten Staaten fliegen Vergeltungsschläge und bombardieren mutmaßliche Wohnsitze Gaddafis in Tripolis und Bengasi.

Dabei stirbt Gaddafis Adoptivtochter im damaligen Präsidentenpalast. Noch heute ist die Ruine als Erinnerung an das Bombardement in Tripolis zu sehen.

1988 explodiert ein Flugzeug der PanAm über dem schottischen Lockerbie. Dabei kommen 270 Menschen ums Leben; die Spuren führen zu Gaddafis Geheimdienst.

Auf Druck der USA schließen sich die Vereinten Nationen 1992 dem Wirtschaftsboykott an. Trotz reicher Erdölvorkommen leidet das Land sehr unter den Sanktionen.

Gaddafi gilt als Terrorist. Die Beziehungen zum Westen sind zerrüttet.

Ende der 90er Jahre allerdings beginnt Libyen, sich um eine Verbesserung des Verhältnisses zu bemühen. 1999 liefert Gaddafi zwei Tatverdächtige des Lockerbie-Attentates aus; die UN stellen daraufhin ihre Sanktionen wieder ein.

Im Jahr 2000 vermittelt Libyen erfolgreich bei einer Geiselnahme durch islamische Terroristen auf den Philippinen (im Bild Gaddafis Sohn Saif al-Islam Gaddafi), wodurch auch westliche Gefangene freikommen.

Nach den Terroranschlägen am 11. September 2001 distanziert sich Gaddafi öffentlich von Al-Kaida und verurteilt die Anschläge. Der Grund ist offensichtlich: In der Zeit nach dem 11. September ist es nicht gerade ratsam, ins Visier der USA zu geraten.

Zunehmend bemüht sich Libyen nun um Anerkennung und vollzieht eine 180-Grad-Wende in der Außenpolitik.

Im Dezember 2003 verkündet Gaddafi, dass Libyen Massenvernichtungswaffen entwickeln wollte.

Gleichzeitig erklärt er den Stopp des Programms - und sammelt jede Menge Bonuspunkte im Westen.

Zudem übernimmt Gaddafi nun die Verantwortung für den Lockerbie-Anschlag von 1988 und verspricht hohe Entschädigungszahlungen an die Hinterbliebenen der Opfer.

Nun werden auch die restlichen Embargomaßnahmen gegen das Land aufgehoben.

Die Isolation ist gebrochen.

Der einstige Schurkenstaat wird hoffähig. Großbritanniens Premier Tony Blair taucht 2004 ebenso in dem Beduinenzelt auf ...

... wie Kanzler Gerhard Schröder ...

... und Frankreichs Staatschef Jacques Chirac.

Für Russland ist Libyen schon lange ein attraktiver Geschäftspartner: Moskau erlässt dem nordafrikanischen Land 2008 Schulden in Höhe von 4,5 Milliarden US-Dollar, im Gegenzug schließt es milliardenschwere Verträge für russische Firmen ab.

Und auch US-Präsident Barack Obama scheut gemeinsame Auftritte nicht.

Besonders eng ist das Verhältnis zu Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi.

Mit ihm scheint er sich auch auf der menschlichen Ebene gut zu verstehen.

Zu Afrika pflegt der Gaddafi, der sich selbst gerne als "König von Afrika" bezeichnet, ebenfalls gute Kontakte.

Dank großzügiger Geschenke haben afrikanische Staatschef für ihn stets ein offenes Ohr.

Ein Grund für die Annäherung des Westen ist zweifellos, dass Libyen wegen seines Ölreichtums zu den wohlhabendsten Nationen Nordafrikas gehört.

Auch gilt es als Bollwerk gegen Migranten, die aus afrikanischen Ländern über Libyen nach Europa kommen wollen.

Da wird dann auch mal bei den Menschenrechten nicht so genau hingesehen.

Dabei erstickt Gaddafi in Libyen jeden politischen Widerstand schon im Keim.

Häftlinge werden jahrelang ohne Anklage festgehalten. Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Amnesty International, die 2004 erstmals wieder in Gefängnisse im Land durfte, sind die Haftbedingungen katastrophal: Viele sitzen dort ohne Kontakt zur Außenwelt, oft gelten sie für ihre Angehörigen einfach als "vermisst".

Ehemalige Gefängnisinsassen berichten von täglichen Elektroschocks, Schlägen und abgerichteten Hunden, die sie zu Geständnissen zwingen sollten.

"Bruder Führer" war, ist und bleibt ein Diktator, der sein Land auch gnadenlos als solcher führt.

Doch nun begehrt das Volk gegen seinen launischen und misstrauischen Herrscher auf.

Im ganzen Land reißen Aufständische seine Fotos herunter und zerstören seine Denkmäler.

Gaddafis Sicherheitskräfte gehen erbarmungslos gegen die Demonstranten vor.

Hunderte Tote gibt es schon, international wächst der Druck.

Diesmal könnte es eng werden für Gaddafi.

Und auch sein jüngster bizarrer Fernsehauftritt im Regen, bei dem er vor "streunenden Hunden" warnte, wird seine Lage kaum bessern.

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