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Dienstag, 19. September 2017

Im Osten Europas rollen Panzer: "Sapad" lässt den Boden beben

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Ist das nur eine Übung oder schon eine politische Drohgebärde? Zum alle vier Jahre stattfindenden Großmanöver "Sapad" mobilisieren Russland und das verbündete Weißrussland diesmal schweres Kriegsgerät, darunter Kampfpanzer, Hubschrauber und mobile Raketenabschussrampen. (Foto: Vayar Military Agency / dpa)

Ist das nur eine Übung oder schon eine politische Drohgebärde? Zum alle vier Jahre stattfindenden Großmanöver "Sapad" mobilisieren Russland und das verbündete Weißrussland diesmal schweres Kriegsgerät, darunter Kampfpanzer, Hubschrauber und mobile Raketenabschussrampen.

Ist das nur eine Übung oder schon eine politische Drohgebärde? Zum alle vier Jahre stattfindenden Großmanöver "Sapad" mobilisieren Russland und das verbündete Weißrussland diesmal schweres Kriegsgerät, darunter Kampfpanzer, Hubschrauber und mobile Raketenabschussrampen.

Das russisch-weißrussische Manöver namens "Sapad" (deutsch: "Westen") besteht aus vielen Einzelübungen, die zwischen dem 14. und dem 20. September an unterschiedlichen Orten in Russland, Weißrussland und in der russischen Exklave Kaliningrad an der Ostsee stattfinden.

Offiziellen Angaben zufolge nehmen an dem realitätsnah angelegten Training der Streitkräfte aus den beiden Staaten insgesamt bis zu 12.700 Soldaten teil.

Bei den Nachbarn im Baltikum, in Polen und in der Ukraine löst der massive Truppenaufmarsch an Russlands Westgrenze große Besorgnis aus.

Westliche Beobachter gehen davon aus, dass der Umfang des siebentägigen Manövers in Wahrheit sehr viel größer ausfallen dürfte.

Innerhalb der Nato ist von bis zu 100.000 Soldaten die Rede. Zudem stehe zu befürchten, so heißt es in Kreisen westlicher Militärexperten, dass Teile des russischen Militärkontingents in Weißrussland verbleiben könnten - und sich so die Machtverhältnisse in der Region dauerhaft verändern.

Nato-Staaten wie Polen, Litauen, Lettland und Estland verstehen das Großmanöver vor allem als Einschüchterungsversuch. Russland weist diesen Verdacht zurück und spricht von einer "rein defensiv" ausgerichteten Routineübung.

Die Regierung in Minsk reagiert auf die Kritik der Nachbarn und lädt unmittelbar vor Beginn des Manövers Vertreter aus Lettland, Litauen, Estland, Polen, Schweden, Norwegen und der Ukraine ein, sich die Übungen aus der Nähe anzuschauen.

Zu sehen bekommen die Militärbeobachter unter anderem schwere Waffensysteme, wie etwa diesen Mehrfachraketenwerfer vom Typ BM-30 "Smertsch" der weißrussischen Raketenartillerie.

Dieses Fahrzeug kann binnen weniger Sekunden eine Salve an Splittersprengköpfe bis zu 70 Kilometer weit abfeuern. Raketenwerfer dieser Art kamen auch im Krieg im Osten der Ukraine bereits mehrfach zum Einsatz.

Auf einem Truppenübungsplatz bei St. Petersburg wühlt sich dieser schwere russische Kampfpanzer vom T-90 durchs aufgeweichte Manövergelände.

Neben den konventionellen Kriegsgeräten machen Experten auch Neuheiten aus: Hier nähert sich ein Kampfwagen vom Typ BMPT-72 "Terminator 2" den Kameras.

Hersteller Ural Vagon Zavod (UVZ) hat diesen Unterstützungspanzer speziell für den Kampf in Innenstädten entwickelt (Archivbild). Die schweren Maschinenkanonen im Turm sollen feindliche Panzerabwehr-Teams ausschalten.

Erst im Juni wurden erste Einheiten des Typs für den Kampfeinsatz in Syrien vorgestellt.

Der Syrien-Krieg schwebt ohnehin wie ein dunkler Schatten über dem Manöver: ...

... Aus den Kriegsspielen der Militärs wird in der Weltpolitik schnell tödlicher Ernst.

In Syrien stehen die russischen Streitkräfte mittlerweile seit Jahren im Einsatz auf Leben und Tod gegen Islamisten und gemäßigte Assad-Gegner.

Auf weißrussischen Fliegerhorsten tauchen Jagdbomber wie dieser Su-34 (Nato-Name: "Fullback") der russischen Luftwaffe auf. Auch diese Maschinen sind im Syrien-Konflikt im Einsatz.

Russlands Präsident Wladimir Putin reist eigens aus Moskau an, um einen Teil der Übungen bei St. Petersburg zu verfolgen.

Auf einem Schießübungsplatz beobachtet Putin die Vorführungen per Fernglas. Links neben ihm sitzt Verteidigungsminister Sergej Schoigu, rechts von ihm Generalstabschef Waleri Gerasimow.

Der Kremlchef nutzt das Manöver Beobachtern zufolge als Bühne, um ein Signal der Stärke zu senden - nach außen und nach innen.

Teile der Veranstaltung werden im russischen Fernsehen live übertragen.

Während Putin die Militärschau bei St. Petersburg im Blick hält, feuern russische Truppen im Rahmen des Manövers bei Astrachan eine nachgerüstete Rakete des Typs Iskander-M ab, die ihr Ziel 480 Kilometer weiter auf einem Übungsplatz in Kasachstan trifft.

Auch das verstehen Beobachter als Signal: Die Iskander-Raketen können mit Atomsprengköpfen bestückt werden. Russland hat diese Waffen auch in Kaliningrad stationiert.

Zum demonstrativen Schulterschluss mit seinem Amtskollegen in Weißrussland lässt es Putin dagegen nicht kommen.

Ein Treffen Putins mit dem weißrussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko ist nicht vorgesehen.

Lukaschenko will sich das Manöver erst am Mittwoch auf einem Truppenübungsplatz in Weißrussland anschauen.

In der weißrussischen Hauptstadt Minsk nutzen Militärs dagegen die Gelegenheit, um die enge militärische Bindung an Russland zu bekräftigen.

Die Zusammenarbeit mit Moskau sei eine der Prioritäten der weißrussischen Sicherheitspolitik, sagt Vize-Verteidigungsminister Oleg Belokonew.

Geübt werden verschiedene Szenarien, in denen die Kommandeure das Zusammenwirken von Einheiten am Boden und in der Luft üben.

Eine "Fullback" kreist im Dunst des weißrussischen Herbsthimmels über einem der weißrussischen Truppenübungsplätze.

Am Boden rücken motorisierte Einheiten vor.

Eine große Rolle spielt während des Manövers offenbar auch die koordinierte Verlegung und Versorgung von größeren Truppenkontingenten in unwegsamen Gelände.

Die größtenteils noch mit Militärmaterial aus sowjetrussischen Beständen ausgestatteten weißrussischen Streitkräfte steuern Maschinenkanonen zur Fliegerabwehr bei.

Abseits davon trainieren russische Spezialeinheiten die Rettung eines per Fallschirm abgesprungenen Piloten.

Bewacht von Kampfhubrschraubern vom Typ Ka-52 "Alligator" (Nato-Codename "Hokum") nähert sich unweit der Stadt Ruschany ein ...

... weißrussischer Militärhelikopter Mi-8 der mit orangefarbenem Rauch markierten Position des gesuchten Piloten. Ruschany liegt in Weißrussland nur gut 70 Kilometer östlich der polnischen Grenze.

Im Schwebeflug wartet der bewaffnete Transporthubschrauber ab, bis der vermisste Pilot per Winde an Bord gebracht werden kann.

Beim Abflug demonstriert die Maschine eine Fähigkeit, die im Kriegsgebiet das Überleben der Besatzung sichern kann: ...

... Aus einem am Rumpf montierten Behälter schießen Täuschkörper, die Luftabwehrraketen in die Irre führen sollen.

An einem Feldflugplatz nebeln unterdessen Spezial-Lkw das Flugfeld ein: Der Rauchvorhang soll die Stellungen der Maschinen feindlichen Blicken entziehen.

Das riesige Militärmanöver an der Ostgrenze der Nato wird auch in Deutschland aufmerksam beobachtet.

Das westliche Bündnis wird sich nach Aussage von Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen nicht provozieren lassen.

Die Nato reagiert nach den Worten von der Leyens "auf diesen militärischen Großaufmarsch genau richtig: besonnen, mit kühlem Kopf, aber auch wachsam".

Deutschland sitzt bei dem Manöver ungewollt mit in der ersten Reihe: In Litauen, nur wenige Flugminuten von der weißrussischen Grenze entfernt, sind Panzergrenadiere der Bundeswehr im Rahmen der Nato-Mission "Enhanced Forward Presence" stationiert.

Für Deutschland scheine das russische Manöver zwar weit weg, sagt von der Leyen. "Aber ich habe großes Verständnis für die Sorgen unserer Verbündeten, die ihre Erfahrungen mit Russland gemacht haben und nun solch massive Truppenkonzentrationen an ihren Grenzen erleben müssen."

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