Bilderserie
Donnerstag, 15. September 2016

Stahlkolosse veränderten den Krieg: Vor 100 Jahren rollte der erste Panzer in die Schlacht

Bild 1 von 24
Heute vor genau 100 Jahren kommt erstmals ein Kampfpanzer zum Einsatz. Am 15. September 1916 rollt dieser "Mark I" für die britische Armee in die Schlacht an der Somme. (Foto: imago/United Archives)

Heute vor genau 100 Jahren kommt erstmals ein Kampfpanzer zum Einsatz. Am 15. September 1916 rollt dieser "Mark I" für die britische Armee in die Schlacht an der Somme.

Heute vor genau 100 Jahren kommt erstmals ein Kampfpanzer zum Einsatz. Am 15. September 1916 rollt dieser "Mark I" für die britische Armee in die Schlacht an der Somme.

Schwere Panzerung, schwere Bewaffnung - die Idee war erfolgreich und wurde von den Gegnern kopiert. Auch wenn die Panzer des Ersten Weltkrieges mit den heutigen Modellen wenig gemein hatten. Sie waren schwerfällig, langsam und regelrechte Todesfallen. Bei diesem Modell, dem deutschen A7V, gab es Platz für eine Besatzung von immerhin 16 Soldaten.

Nur 21 Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkrieges stürzte der nächste Krieg Europa und die Welt ins Chaos. In der Materialschlacht des Zweiten Weltkrieges spielten Kampfpanzer eine entscheidende Rolle. Revolutionär war die Konstruktion des sowjetischen T34-Panzers mit abgeschrägten Panzerungen und serienmäßigem Dieselmotor.

Der T34 war bei der deutschen Wehrmacht gefürchtet, da ihre Standard-Panzerabwehrkanone des Kalibers 37 mm schlagartig wirkungslos wurde. Die Soldaten nannten die Kanone ab diesem Zeitpunkt spöttisch "Panzeranklopfgerät". Der T34 wurde noch bis 1958 gebaut und gilt mit über 80.000 Exemplaren als einer der meistgebauten Panzer überhaupt.

Der frühe Gegenspieler des T34 auf deutscher Seite war der Panzerkampfwagen IV, der an nahezu allen Fronten zum Einsatz kam. Im Russlandfeldzug war das Modell dem T34 jedoch weit unterlegen.

Nachdem die Wehrmacht mehrere T34 erbeutet hatte, wurden Daimler-Benz und MAN mit der Entwicklung eines mindestens gleichwertigen Panzers beauftragt. Das Ergebnis war der Panther, von dem zwischen 1942 und 1945 rund 6000 Exemplare gebaut wurden.

Der meistgebaute Panzer der US-Armee war der M4 Sherman. Mit rund 50.000 Exemplaren beteiligten sich die USA am Zweiten Weltkrieg. Außerdem kam der Panzer im Koreakrieg zum Einsatz.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges teilte sich die Welt im Kalten Krieg in Nato- und Warschauer-Pakt-Verbündete. Wäre der Kalte Krieg heiß geworden, wäre ein massiver Einsatz von Panzern in Europa wahrscheinlich gewesen. USA und Sowjetunion rüsteten stark auf.

Eines der prägendsten Modelle der Roten Armee war der T54/T55, der bis nach dem Fall des Eisernen Vorhangs im Einsatz war - wie hier im Jugoslawienkrieg 1999. Auch heute nutzen noch viele Streitkräfte Asiens und Afrikas den Panzer.

Eine bahnbrechende Neuerung, die mit dem T54/55 kam, war Reaktivpanzerung (hier am Nachfolgemodell T72). Die Panzerplatten waren im Innern mit einer dünnen Schicht Sprengstoff gefüllt. Wurde die Panzerplatte beschossen, detonierte die Sprengstoffschicht und schleuderte das eintreffende Projektil zurück.

Der T72 ist der aktuell am meisten genutzte Kampfpanzer der Welt. In den Medien ist der T72 immer wieder auch im Zusammenhang mit Konflikten und Kriegen im Nahen und Mittleren Osten zu sehen. Denn der Panzer wird unter anderem von Algerien, Libyen, Syrien, Irak und Iran genutzt.

Geht es nach schweren Waffen, wird auch der Syrien-Konflikt von dem 1972 entwickelten Panzer bestimmt. Das Bild zeigt ein Exemplar, das der islamistischen Al-Nusra-Front in die Hände gefallen ist.

In den USA entwickelte sich derweil der M60 zum Standard-Panzer, der fast 30 Jahre lang im Einsatz war. Auch die USA profitierten mit dem M60 an den Konflikten im Nahen und Mittleren Osten und exportierten das Modell unter anderem in den Iran, nach Israel, Jordanien, Marokko, Oman, Saudi-Arabien, Tunesien und Jemen.

Die deutsche Antwort auf das Drohszenario eines sowjetischen Überfalls auf das Gebiet der Bundesrepublik war der Leopard 1, der 1964 den Einsatz aufnahm. Die deutsche Entwicklung beeindruckte auch Armeen im Ausland, und der Leopard 1 wurde in 12 Nationen exportiert. In vielen Staaten ist er noch heute im Einsatz.

Während der Einsatz von Panzern zwischen Nato und Warschauer Pakt auf Manöver begrenzt blieb, trug ein anderer Staat seit seiner Gründung schwere Kriege mit seinen Nachbarn aus. Israel setzte zunächst auf Panzer aus US-Produktion, entwickelte dann aber ein eigenes Modell, das auf die Einsatzprofile des Landes zugeschnitten ist.

Bis heute ist der Merkava der schwerste in Serie produzierte Kampfpanzer. Außergewöhnlich schwer ist auch die Bewaffnung des Merkava: Neben der Hauptwaffe, einer Kanone mit Kaliber 120mm, verfügt der Panzer über bis zu drei Maschinengewehre und eine weitere Mörserkanone.

Nach Ende des Kalten Krieges haben sich die Anforderungen an Panzer stark verändert. Symmetrische Konflikte wie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts sind deutlich seltener geworden. Die Kampfmaschinen stammen, wie dieser M1A1 Abrams aus den USA, jedoch noch aus der Zeit der Auseinandersetzung zwischen dem Westen und dem Ostblock.

Auch der Leopard 2 der Bundeswehr entstand auf Grundlage von deutsch-amerikanischen Plänen, einen gemeinsamen Panzer zu entwickeln.

Der Leopard 2 ist ein Exportschlager: 18 Nationen haben das Kriegsgerät aus dem Hause Krauss-Maffei Wegmann in ihre Streitkräfte aufgenommen. Darunter sind auch umstrittene Kunden wie Katar und Saudi-Arabien.

Die Kampfleistungen sind mit denen der ersten Panzer kaum noch vergleichbar. Die 120mm-Kanone verschießt Geschosse mit mehr als fünffacher Schallgeschwindigkeit. Nach Angaben der Bundeswehr können die Projektile auf eine Entfernung von zwei Kilometern 81 Zentimeter Panzerstahl durchschlagen.

Die Geschichte ist aber auch voll von kuriosen Panzer-Entwürfen, etwa dem Objekt 279 der Roten Armee. Der Prototyp, der 1957 entwickelt wurde, sollte eine Kernwaffenexplosion in unmittelbarer Nähe überstehen. Versuche zeigten, dass der Panzer bei einer Entfernung von 1000 Meter zum Ort der Explosion einer Atombombe zwar umgefallen, aber intakt geblieben wäre. In Serie wurde Objekt 279 dennoch nie gebaut.

Ebenfalls aus der Sowjetunion stammt der Plan, einen Panzer mit Betonplatten zu verstärken. Auch hier kam es nicht zur Serienreife.

Mit zwei Prototypen wollte die US Army in den 1940er-Jahren einen überschweren Panzer erproben. Der T28 sollte über 80 Tonnen wiegen und von vier Ketten angetrieben werden. Auch dieses Konzept wurde verworfen. Einer der Prototypen steht heute als Ausstellungsstück vor Fort Knox.

Eigenartig mutet auch dieser Entwurf aus der Sowjetunion an. Der 2B1 Oka mit seiner 20 Meter langen Kanone im Kaliber 420mm sollte Nuklear-Granaten über 40 Kilometer weit schießen können. Der Rückschlag war jedoch so stark, dass Getriebe und viele weitere Komponenten bereits nach einem Schuss beschädigt wurden. Auch der Oka wurde zu einem Fall fürs Museum. (bdk)

weitere Bilderserien